09.02.2019 Vergangenheit neu erleben. Ein mediävistisches Schulprojekt in Bad Arolsen

Im Oktober 2018 ging ein innovatives Schulprojekt des Gymnasiums Christian-Rauch-Schule an den Start, das die Fürstliche Hofbibliothek im Schloss Bad Arolsen als außerschulischen Lernort nutzt.

Im Oktober 2018 ging ein innovatives Schulprojekt des Gymnasiums Christian-Rauch-Schule an den Start, das die Fürstliche Hofbibliothek im Schloss Bad Arolsen als außerschulischen Lernort nutzt.

2018-10-JW-Schüler nach der Arbeit in der Hofbibliothek.JPG

Phase 1

In der ersten Projektphase besuchten SchülerInnen der Klassen 8 und 9 die Hofbibliothek während der Projektwoche vom 15. bis 19. Oktober 2018.

Es gab zwei Arbeitgruppen, die sich unterschiedlichen Themen widmeten:

Bei Gruppe 1, für die sich rund 20 SchülerInnen entschieden hatten, lautete der Titel „Zeitreise Bad Arolsen. Die Hofbibliothek als Spiegel des Lebens“

Die etwa halb so große Gruppe 2 beschäftigte sich mit Musikhandschriften und Musikdrucken des 16.-19. Jahrhunderts. Das Thema hieß; „Alte Musik in der Hofbibliothek“.

Idee: Wir gehen in der Fürstlichen Hofbibliothek im Schloss Bad Arolsen unter Betreuung des Marburger Professors Jürgen Wolf und der Hofbibliothekarin Susann Enß auf Entdeckungsreise und rekonstruieren die Stadtgeschichte(n) Bad Arolsens mit Hilfe von Originalquellen.

Ziel: Die Fürstliche Hofbibliothek in Bad Arolsen als „Speicher des kulturellen Gedächtnisses“ kennenzulernen und mit Hilfe von dort befindlichen Originalquellen Geschichte(n) der Stadt Bad Arolsen und ihrer BewohnerInnen sichtbar zu machen . Die SchülerInnen haben schriftliche Quellen als Überreste der Vergangenheit kennengelernt und ihre Verbundenheit mit den Biografien von Menschen erkannt.  Die SchülerInnen lernten den Umgang, das Analysieren und das Dokumentieren von Quellen. Je ein historisches Buch wurde dabei der Ausgangspunkt für eine ganz eigene Forschungsreise durch die Geschichte.

2018-10-TR-Forschungserträge Ausstellung in der Schule.jpg

Arbeitsfortgang: In den Projektgruppen sind wir in der Fürstlich Waldeckischen Hofbibliothek anhand von Handschriften und Büchern aus Mittelalter und Früher Neuzeit in die mitunter sehr ferne Vergangenheit eingestiegen. Die zum Teil über 500 Jahre alten Bücher wurden in Autopsie von Kleingruppen untersucht, beschrieben und erforscht. Zu jedem Buch erstellt wir gemeinsam ein kleines Katalogisat, das das Buch beschreibt, aber auch seine „Geschichte“ drumherum erzählt. Die Forschungsergebnisse – und die SchülerInnen haben bisweilen beeindruckende Details in und zu den Büchern entdeckt – wurden anschließend im Plenum vorgestellt und diskutiert. Alle Erträge wurden am letzten Tage der Projektwoche in einer kleinen Ausstellung in der Schule zusammengestellt und für die Öffentlichkeit aufbereitet.

Langfristigkeit: Als Ergebnis der Projektwoche soll ein langfristiges Produkt entstehen, beispielsweise ein Beitrag zur Ausstellung anlässlich der Dreihundertjahrfeier Bad Arolsens oder ein virtueller Rundgang durch die Hofbibliothek.

Phase 2

Die Erfahrungen während der ersten Projektwoche waren so eindrücklich, dass nicht nur die damals beteiligten LehrerInnen und SchülerInnen begeistert von ihren Erlebnissen berichteten, sondern auch andere MitschülerInnen, LehrerInnen und Klassen mit dem Bibliotheksvirus „ansteckten“.

So besuchten im Februar 2019, wieder unter Betreuung von Professor Jürgen Wolf und der Hofbibliothekarin Susann Enß, nun alle vier Klassen der Jahrgangsstufe 7 die Hofbibliothek. Die SchülerInnen „begriffen“ dabei die Schrift- und Buchgeschichte vom Mittelalter bis in die Neuzeit – Begreifen war hier ganz wörtlich zu verstehen, denn die SchülerInnen blätterten selbst in den 500-700 Jahre alten Handschriften und Drucken und erfuhren so, was man wann wie schrieb, wie Bücher früher aussahen, wie sie funktionierten, wie kostbar sie waren. Insbesondere mit dem „Funktionieren“ der Bücher hatten die SchülerInnen aber mehr Mühen, als sie gedacht hatten: So musste ein mit Schließen fest verschlossener Klosterband aus der Zeit um 1500 zunächst „aufgeschlagen“ werden, um ihn überhaupt lesen zu können – und das gelang zunächst niemandem. Als es endlich doch geschafft war, war alles auch noch in Latein geschrieben. Dann galt es, ein Buch aus einer Druckerei des 18. Jahrhunderts zu lesen, doch das Buch lag noch im Originalzustand vor: unaufgeschnitten, in gefalteten Lagen.

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Schnell waren die SchülerInnen mit der Materie vertraut und es konnten einige lateinische, frühnochdeutsche und französische Textstücke gelesen, Besitzeinträge entziffert, eingetragene Buchpreise aufgeschlüsselt und die Geheimnisse der Buchsignaturen entschlüsselt werden.

Das mediävistische Schulprojekt wird weitergeführt. Wir sind schon gespannt auf die nächsten Ergebnisse!

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