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Forschungskolloquium
Das Forschungskollquium von Gräzistik und Latinistik findet im Wintersemester 2026/27 dienstags zwischen 16 und 18 Uhr statt. In dem Kolloquium halten Marburger Dozierende sowie auswärtige Kolleg:innen Vorträge. Studierende können es im Rahmen des Moduls LaL 14a belegen und haben die Gelegenheit, Ihre Abschlussarbeiten vorzustellen.
Gastvorträge
Im Wintersemester 2026/27...
Vergangene Gastvorträge
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Laura Carrara (Pisa/Greifswald) Zum Phänomen der Verswiederholung in der griechischenTragödie. Theorie und Praxis, 9. Juni 2026
In den erhaltenen Werken der drei großen griechischen Tragiker, v.a. in denjenigen des Euripides, finden
sich einige Beispiele von versus iterati, d.h. von Trimetern, die entweder innerhalb derselben Tragödie oder
zwischen zwei verschiedenen Tragödien identisch bzw. mit minimalen Abweichungen wiederholt werden.
Diese (nahezu) identisch wiederholten Verse kommen zu sporadisch und punktuell vor, um zweifelsfrei als
ein eigenes – wenn auch etwas eigenwilliges – Merkmal der tragischen Sprache zu gelten (vergleichbar mit
den homerischen Kehrversen). Aber sie sind doch zu zahlreich, v.a. in Euripides’ Werk, um ohne Weiteres
als Überlieferungsfehler abgetan zu werden.Der Vortrag nimmt diese bisher oft vernachlässigte und missverstandene Versklasse spezifisch unter die
Lupe und versucht eine neue Annäherung an das Phänomen, am Beispiel von Euripides’ Medea, die am
stärksten ‘versrepetierende’ Tragödie des griechischen Theaters [“a battleground in the discussion of versus
iterati” (D. Mastronarde)].Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Joseph Howley (Columbia) Incidental or Definitive? Slavery as a feature of Roman Book Culture, 19. Januar 2026
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Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Thomas Baier (Würzburg) : Vergils unorthodoxes Weltbild, 25. November 2025
In der Aeneis zeichnet Vergil ein Bild seiner Zeit, das im Widerspruch zur traditionellen römischen Weltanschauung steht: Für antike Ohren muss die Ausrufung einer „Herrschaft ohne Ende“ unerhört geklungen haben. Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, wie Vergil auf die Idee von einem Endzustand der Geschichte gekommen sein kann, was die ewige Herrschaft in seinen Augen auszeichnet und wie sich dieser Gedanke mit der augusteischen Propaganda verträgt.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Liba Taub (Cambridge, Deutsches Museum Forschungsinstitut) Science at the Symposium, 17. Juni 2025
Ancient historians have devoted a great deal of work to studying the drinking and dinner parties known as symposia, using many types of historical evidence: epigraphical, archaeological, literary. In the 1980s, Oswyn Murray, inspired by contemporary anthropology, described the symposion as a select all-male group bound by mutual obligation and shared activity. Prof. Taub is intrigued by the setting of the symposium as a site of knowledge production, reception and negotiation, particularly as it relates to what we think of as ‘scientific’ knowledge.
Was scientific knowledge being pursued or developed at symposia? What does it mean to claim that science was being done in this particular social setting. For the talk, the chief informant is Plutarch, who in the Table-Talk (Quaestiones convivales) describes in detail a number of conversations on a broad range of topics, including some which might be classified as ‘science’, mathematics, and medicine. Prof. Taub will review some of the subjects discussed, asking what is accomplished by choosing the discursive and dialogic setting (especially as Plutarch used other genres to consider similar topics). She will then turn to Vitruvius, who describes objects which may have been designed for and used at symposia and will briefly consider the writings of Hero of Alexandria as well as some archaeological evidence for devices that may also have featured at symposia.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Diego de Brasi, Patrick Reinard (Trier) Zwischen Homerfragment und Schulaufgabe. Auf dem Weg zu einer Edition von P.UB Trier S 108-34, 6. Mai 2025
In diesem Vortrag stellen JProf. Dr. Diego De Brasi und JProf. Dr. Patrick Reinard einige Überlegungen zur geplanten Edition des Papyrus P.UB Trier S 108-34 dar: Der Papyrus ist einer der wenigen literarischen Papyri in der Trierer Sammlung und bietet den Forscher*innen einige interessante Rätsel an: So scheint der Text zunächst eine Abschrift einiger Homerverse zu sein, wobei verschiedene Elemente diese Arbeitshypothese in Frage stellen. Nach einer ausführlichen Beschreibung des Papyrus und der Methodik, die zu seiner Entzifferung geführt hat, werden einige (mögliche) Parallelstellen präsentiert und diskutiert sowie die zur Zeit wahrscheinlichste Interpretation des Textes dargelegt.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Margot Neger (Zypern) Die Interaktion des jüngeren Plinius mit Seneca am Beispiel des vierten Buches der Briefe, 11. Dezember 2024
Das vierte Buch der Briefe des jüngeren Plinius enthält mehrere Schreiben, deren Themen zum Vergleich mit Senecas moral- und naturphilosophischen sowie teilweise auch dramatischen Werken einladen: Plinius weist auf seine Wohltaten für verschiedene Gemeinden hin (4,1; 4,13), kritisiert die übertriebene Trauer des Marcus Regulus (4,2 und 4,7), verfasst eine kurze Prosa-Tragödie über die Verurteilung der Vestalin Cornelia unter Domitian (4,11), lobt Anhänger stoischer Prinzipien wie Corellius Rufus (4,17), Helvidius Priscus (4,21) und Iunius Mauricus (4,22), reflektiert über otium (4,23) und die Bedeutung von exempla (4,24) und schließt das Buch mit der Beschreibung eines Naturphänomens in Comum, die ausdrücklich als quaestio charakterisiert wird (4,30).
Abgesehen von der Nähe einiger Briefe in Buch 4 zu Senecas philosophischen Werken präsentiert sich Plinius in diesem Buch auch zum ersten Mal als Verfasser von Gedichten (4,14; 4,19,4); in diesem Zusammenhang fällt auf, dass sich die einzige explizite Erwähnung Senecas im folgenden Buch findet und nicht mit seiner Rolle als Philosoph oder Epistolograph zu tun hat, sondern ihn zusammen mit anderen angesehenen Römern als Vorbild für die Abfassung poetischer lusus erscheinen lässt (Ep. 5.3.5).
Der Vortrag zeichnet nach, wie Plinius mit den Werken Senecas im linearen Verlauf eines einzelnen Buches interagiert. Es wird untersucht, welche Aspekte von Senecas Schriften innerhalb des sozialen Interaktionen, die Plinius in Buch 4 seiner Briefe vorführt, rezipiert und adaptiert werden.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Douglas Cairns (Edinburgh) Honour and the Rhetoric of Slavery in Herodotus, 26. November 2024
This paper focuses on the rhetoric of freedom and slavery in Herodotus, i.e. on the presentation of the subjects of the Persian King as ‘slaves’ and on the presentation of Persian imperialism (esp. Xerxes’ invasion) as an attempt to ‘enslave’ free peoples. It asks what the implications of these metaphors are for our understanding of the intersection of the ideologies of slavery and honour and will argue that the presentation of the Persian project as one of enslaving subject nations and of the relationship between King and subject as master and slave tracks the ways in which honour is implicated in actual relationships involving master, slave, and community