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Geschichte der Sammlung
 

Alte Zeichnung eines mathematischen Modells
Foto: Ramona Trusheim


Es waren einmal ... ein paar verstaubte Kisten in der Teeküche, die traurigen Überreste einer Sammlung, die um 1885 in etwa gleichzeitig mit der Gründung des Fachbereichs (damals noch ”Mathematisches Seminar“) angelegt wurde.

Bild von Heinrich Weber
Foto: CC-PD-Mark

Heinrich Weber (1842-1913) war von 1884 bis 1892 Professor für Mathematik an der Universität Marburg und gilt als einer der aktivsten Mathematiker seiner Zeit; seine Forschungen reichten von der Algebra (Begriff des Normalteilers, Satz von Kronecker-Weber) über die Funktionentheorie bis zur Analysis (Webersche Differentialgleichung). Er hatte am 11. November 1884 die Gründung eines mathematischen Seminars und Mittel zu dessen Einrichtung beantragt, beides wurde am 23. Januar 1885 bewilligt.

Die gesamte Universitäat hatte damals um die 1000, die Mathematik zwischen 10 und 30 Studenten. Bis zum Sommersemester 1904 stieg die Zahl dann langsam auf 75 Mathematik Studenten an.

Nach der Gründung des mathematischen Seminars begann man, eine Sammlung von Modellen zur Unterstützung der Lehre anzulegen. Aus dieser Zeit sind noch einige Gips- und Kartonmodelle von Flächen sowie Vermessungsinstrumente und Planimeter erhalten. Bis etwa 1960 wurde die Sammlung entsprechend den Schwerpunkten der Professoren in Lehre und Forschung kontinuierlich erweitert.

Nach dem 2. Weltkrieg fand in der Mathematik unter dem Einfluss von ”Nicolas Bourbaki“ (einer Gruppe bedeutender Mathematiker, die gemeinsam unter diesem Pseudonym Bücher verfasste) ein erheblicher Abstraktionsschub statt.

Dies war konzeptionell ein großer Gewinn, führte aber leider auch oft dazu, dass Modelle als antiquiert galten und fortan verpönt waren. Die Marburger Sammlung wurde auseinander gerissen und geriet in Vergessenheit.

 

Der Neuanfang 2008
 

Vitrine mit Frau Agricola.jpg
Foto: Ramona Trusheim

Nach Jahrzehnten des Verfalls gab es irgendwann nur noch zwei Alternativen – neu anfangen oder wegwerfen. Zum Glück entschied man sich für die erste Variante und so wurde im Herbst 2008 damit begonnen, das Vorhandene zu sammeln, restaurieren, ergänzen, inventarisieren ... Zum Festkolloquium anlässlich des 125. Bestehens des Fachbereichs am 2. Februar 2011 wurde die Sammlung offiziell wiedereröffnet. [Programm] [Fotos]

Die Arbeit an der Sammlung ist aber damit keinesfalls abgeschlossen. Nach der Phase der Bestandssicherung sollen nun vor allem die Neuanfertigung von Modellen und die digitale Erschließung im Vordergrund stehen. Eine Auswahl besonderer Stücke findet man hier in der Bibliothek sowie im Foyer (in Zusammenarbeit mit dem HRZ)

Maßgeblich beteiligt an dem (Wieder-) Aufbau der Modellsammlung waren:

  • Wissenschaftliche Leitung: Prof.Dr. Ilka Agricola (FB 12)
  • Wissenschaftliche Beratung: Prof.Dr. Joachim Fischer (München)
  • Restaurierung des Pantographen: Joachim Jendersie (Jena)
  • Technische Unterstützung: Das Team der Hausmeister, Elektriker und Feinmechaniker des Campus Lahnberge

Wir danken dem Hessischen Landesmuseum Kassel sowie den Fachbereichen Chemie und Geographie für die Überlassung mehrerer Vitrinen.