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Ausstellungsbereich: Buddhismus in Südostasien

Die verschiedenen buddhistischen Strömungen bilden mit insgesamt 1869 Objekten einen Schwerpunkt unserer Sammlung. In der Abteilung zu Südostasien findet sich neben zahlreichen Ausstellungsstücken zum Theravada-Buddhismus auch eine kleine Zusammenstellung von Objekten, die der Religion des Jainismus zugerechnet werden.

Foto: Georg Dörr Signatur: Mq 030

Viele der Gegenstände, die in der Südostasien-Abteilung ausgestellt werden, thematisieren Erzählungen über das Leben des historischen Buddha – Siddhartha Gautama – und buddhistischer Mönche, die sich ihm anschlossen. Charakteristisch für den Ausstellungsbereich sind die zahlreichen großformatigen Objekte, wie z.B. vier Abgüsse von Reliefs des Borobudur in Java, auf denen Szenen der Lebensgeschichte Buddhas abgebildet sind. Neben ihnen wirkt der Abguss eines meditierenden Buddha, der von den fünf Köpfen des Schlangenkönigs Mucilinda (aus Myanmar) beschirmt wird, fast schon unscheinbar. Dieses Objekt illustriert die buddhistische Legende, wie die Schlange mit ihren breiten Köpfen Buddha vor Regengüssen schützt. Sie wurden von seinem Gegenspieler Māra erzeugt, um Buddha daran zu hindern, Erleuchtung zu erlangen. Darüber hinaus ist das Objekt auch der Ausgangspunkt für eine spannende Spurensuche, die mögliche Schattenseiten des musealen Ausstellens fremder Kulturgüter aufzeigt. Die Geschichte der Original-Figur beginnt vermutlich im 11. Jhd. im heutigen Myanmar. Dort wurde das Objekt von einem deutschen Geologen aus dem ursprünglichen Verwendungskontext entwendet und an das damalige Berliner Völkerkundemuseum verschickt. Von der Abgussfirma der Berliner Museen stammt auch der Gips-Abguss, der heute in der Religionskundlichen Sammlung zu sehen ist. Das Original galt seit dem Zweiten Weltkrieg lange als verschollen, wurde nun jedoch in einem Museum in St. Petersburg wieder entdeckt. Die Objektgeschichte dieser Buddha-Statue ist nur ein Beispiel dafür, dass der Besitz und das "Zeigen" von Gegenständen aus anderen Kulturen oft mit einseitigen Machtgefügen und manchmal sogar mit Diebstahl einher gehen kann.

  • Literatur

    Luu, Heike (2017): Upagupta: Wasserwesen und Bezwinger von Māra. Vom buddhistischen Mönch zum Dorfpolizisten, in: Franke, Edith (Hg.): Objekte erzählen Religionsgeschichte(n). Eine religionswissenschaftliche Spurensuche in der Religionskundlichen Sammlung, Veröffentlichungen der Religionskundlichen Sammlung der Philipps-Universität Marburg, Band 9: Marburg, 62 – 73.

    Luu, Heike (2017): „Sind das Pekinesen?“ - Der Buddha, die Schlangen und ein deutscher Ölsucher, in: Franke, Edith (Hg.): Objekte erzählen Religionsgeschichte(n). Eine religionswissenschaftliche Spurensuche in der Religionskundlichen Sammlung, Veröffentlichungen der Religionskundlichen Sammlung der Philipps-Universität Marburg, Band 9: Marburg, 75 - 89.

Suchaufruf

Aus dem Ausstellungsbereich zum Buddhismus in Südostasien wurde 2011 ein Objekt gestohlen. Uns sind nur eine sehr knappe Beschreibung und ein unscharftes Foto geblieben. Sachdienliche Hinweise auf den Verbleib dieses Objekts nehmen wir gerne entgegen. Sie können sich aber auch bei Ihrer lokalen Polizeidienststelle oder direkt bei Interpol melden, wo wir das Objekt als vermisst gemeldet haben.