22.02.2018 Historische Krankenakten erschlossen

Umfangreicher Bestand von Krankenakten der Medizinischen Klinik aus den Jahren 1936 bis 1953 erschlossen

In gut eineinhalb Jahren hat der Mitarbeiter des Universitätsarchivs Bernd Scholl unter Anleitung der Uniarchivare Dr. Katharina Schaal und Dr. Carsten Lind einen ca. 45 Regalmeter umfassenden Bestand von Krankenakten erschlossen. Die aus der Medizinischen Klinik stammenden Krankenblätter wurden bei der Aufnahme der Patienten in die Klinik erstellt und während ihres Aufenthalts bis zur Entlassung, manchmal ihrem Tod, geführt. Interessant sind sie durch die genaue und ausführliche Aufnahme der Lebensumstände und der familiären Verhältnisse der Erkrankten. Es handelt sich um Marburgerinnen und Marburger, zahlreiche Patientinnen und Patienten aus dem ländlich geprägten Umland und, zunehmend bis zum Kriegsende, verwundete Soldaten, Zwangsarbeiter und Flüchtlinge. Die Akten sind nach Diagnosen gegliedert. Diesen nur durch Zahlenangaben bezeichneten Diagnoseschlüssel hat Bernd Scholl nach und nach rekonstruiert und in der online einsehbaren Erschließung in der Recherchedatenbank Arcinsys mit aufgelöst.

Einsehbar sind die Akten, die die Krankengeschichten von möglicherweise noch lebenden Personen enthalten, nur unter bestimmten Bedingungen. Forschungsfragen, die nach einer Schutzfristenverkürzung anhand des Bestands bearbeitet werden könnten, könnten statistische Auswertungen sein und müssten in jedem Falle die Personen anonymisieren. Eine weitere denkbare Fragestellung wären Veränderungen bei Diagnosen und Behandlungen nach Ende der nationalsozialistischen Herrschaft. Aufgrund der großen Zahl der Einzelfälle und der gleichförmigen Aufnahme der Lebensumstände und des familiären Umfelds wäre dies aber gut und ohne nachvollziehbare Rückschlüsse auf konkrete Einzelpersonen möglich.

Weitere Informationen: https://arcinsys.hessen.de, navigieren zu Universitätsarchiv Marburg, 3) Institute und Einrichtungen, Bestand 308/6 Medizinische Klinik

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