06.05.2026 Unterlagen des Englischen Seminars unter Professor Max Deutschbein aufgefunden und erschlossen
Im Dezember 2022 fand im Keller des sog. Seminargebäudes Am Plan, das inzwischen vollständig vom Fachbereich 02 Wirtschaftswissenschaften genutzt wird, ein Aussonderungsbesuch des Universitätsarchivs statt. U. a. fanden sich in einer kleinen, dort abgestellten Holzkommode Unterlagen aus den 1930er und 1940er Jahren, die in ihrem geschützten Gehäuse die Zeiten gut überstanden hatten. Darunter waren zahlreiche Hefte, in denen die Hauptseminare des Anglisten Prof. Max Deutschbein (*1876 Zwickau, † 1949 Marburg) protokolliert sind, sowie weitere Lehrmaterialien, die in seinen Veranstaltungen sowohl an der Universität Halle, wo er 1910-1919 lehrte, als auch aus seiner Marburger Zeit stammen, wo er ab 1919 bis zu seiner Emeritierung 1946 eine ordentliche Professur bekleidete und Direktor des Englischen Seminars war.
Diese Archivalien wurden im Rahmen eines Pflichtpraktikums im März 2026 von Frederik Oehme im Universitätsarchiv im Bestand 308/38 Englisches Seminar/Institut für Anglistik und Amerikanistik erschlossen. Deutlich wurde, dass das Anlegen der Protokolle ein erkennbar wichtiger Bestandteil von Prof. Deutschbeins Seminaren war und sich über Semester und Universitäten hinweg fortsetzten. Es scheint sich dabei um eine von den Studierenden zu erbringende Seminarleistung gehandelt zu haben: Jede Sitzung wurde von einem oder mehreren Studierenden dokumentiert und ausgearbeitet sowie teilweise von Prof. Deutschbein korrigiert und mit Vermerken versehen. Die Protokolle wurden dabei überwiegend mit großer Sorgfalt und Regelmäßigkeit geführt – gesammelt entweder in designierten Protokollbüchern oder nachträglich zusammengetragen und gebunden. Ebenfalls zu finden sind verschiedene Begleitmaterialien, Transkripte seiner Vorlesungen und Seminararbeiten aus der Anglistik. Erkennbar werden auch die wissenschaftlichen Schwerpunkte von Prof. Max Deutschbein, nämlich Stilistik und Syntax in Shakespeares Werken und viktorianische und neuenglische Balladen.
Damit wird ein genauerer Blick auf die Lehre eines Professors möglich, der in der Weimarer Republik zu den wenigen Demokraten unter seinen Marburger Kollegen gehörte, dann aber 1933 in den NS-Lehrerbund und 1937 in die NSDAP eintrat. Der Sohn einer mit einem deutschen Lehrer verheirateten Engländerin forschte und lehrte neben Shakespeare auch über alt- und mittelenglische Literatur. 1943 wurde er Vizepräsident der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft.
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