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Ausschnitt des Matrikeleintrages von Hannah Arendt. UniA MR 305m 1 Nr. 83

Hannah Arendt in Marburg

Am 14. Oktober 1906 wurde in Linden bei Hannover Johanna Arendt geboren und wuchs in Königsberg auf. Nach dem frühen Tod ihres Vaters lernte sie durch ihre Großeltern das liberale Reformjudentum kennen. 1924 erlangte sie als externer Prüfling das Abitur. Schon während ihrer Schulzeit hatte sie Kant gelesen und einen philosophischen Kreis gegründet.
Hannah Arendt schrieb sich am 1. November 1924 zum Studium der Philosophie an der Universität Marburg ein und belegte Veranstaltungen, zunächst als Johanna Arendt, ab dem zweiten Semester dann als Hannah Arendt. Ein Freund hatte ihr von dem Philosophieprofessor Martin Heidegger vorgeschwärmt.
In Marburg wohnte sie zunächst in der Lutherstraße 4, wo auch eine Gedenkplakette angebracht ist, zog im nächsten Semester an den Schlag 1 und lebte während ihres dritten und letzten Semesters in Marburg in der Ockershäuser Allee 13. In Marburg schrieb sie viele ihrer Gedichte.
Martin Heidegger und Hannah Arendt begannen bald nach ihrem Studienbeginn eine Liebesbeziehung, die erst 1982 bekannt wurde. Nach drei Semestern ertrug sie diese Beziehung nicht mehr und ging aus Marburg fort. Sie wechselte zunächst für ein Semester nach Freiburg und ging dann nach Heidelberg und promovierte dort bei Karl Jaspers.
Nach Jahren in Berlin, wo sie zur deutschen Romantik forschte, emigrierte sie 1933 nach Paris und 1941 in die USA. Seit 1938 staatenlos, erhielt sie 1951die amerikanische Staatsbürgerschaft. Dort entstand auch ihr Hauptwerk „Origins of Totalitarianism“ (auf Deutsch als „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ 1955 erschienen). Nachdem sie bereits 1949/50 Deutschland bereist hatte und sich dafür einsetzte, jüdisches Kulturgut, darunter Bibliotheken, nach Israel und in die USA zu bringen, plante sie am 18. Juli 1952 einen Besuch in der Universitätsbibliothek in Marburg, die zu dieser Zeit im Gebäude des Staatsarchivs untergebracht war, er kam aber wohl nicht zustande.
Ihre Berichterstattung zum Eichmann-Prozess in Jerusalem 1961 löste eine heftige Kontroverse aus.
Am 4. Dezember 1975, vor 50 Jahren, verstarb die Journalistin und Hochschullehrerin in New York.


 

Belegbögen, ausgefüllt von Hannah Arendt, für ihre drei in Marburg verbrachten Semester, das Wintersemester 1924/25, das Sommersemester 1925 und das Wintersemester 1925/26. Nach dem sie ihren Vornamen im ersten Semester noch mit „Johanna“ angegeben hatte, wechselte sie im nächsten Semester zu „Hannah“.
(UniA Marburg 305m 2 Nr. 55, 57, 60)

Antwort des Direktors der Marburger Universitätsbibliothek auf eine Anfrage von Hannah Arendt nach von ihr gesuchten Büchern vom 14. Juli 1952. Ob der angekündigte Besuch am 18. Juli in der Bibliothek, die zu diesem Zeitpunkt im Gebäude des Staatsarchivs untergebracht war, wirklich stattgefunden hat, ist nicht zu klären. Den in dem Schreiben aufgeführten Band von Hans Frank zitiert Hannah Arendt in der deutschen Ausgabe „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“.
(UniA Marburg 308a Nr. 214)