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Morphosyntaktische Auswertung von Wenkersätzen

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Bogen mit den berühmten Sätzen Georg Wenkers ("die 40 Wenkersätze") an die Dorfschullehrer des damaligen Deutschen Reichs und Luxemburgs verschickt mit der Bitte, sie in die jeweilige ortsübliche Mundart zu übertragen. Von 1888 bis 1923 wurden in Marburg aufgrund dieser Erhebung über 1.500 Karten gezeichnet, die verschiedene sprachliche Phänomene anhand der Wenker-Erhebung dokumentieren. U.a. wegen technischer Schwierigkeiten konnten diese Originalkarten lange Zeit nicht publiziert werden; der von 1927 bis 1956 publizierte „Deutsche Sprachatlas“ (DSA) biete nur eine stark vereinfachte Auswahl. Die Originalkarten und die von den Informanten erstellten Übersetzungen der Wenkersätze sind jedoch im Rahmen des "Digitalen Wenkeratlasses" (DiWA)  seit wenigen Jahren zugänglich.

Ab den 1920er Jahren wurden die Wenkersätze in weiteren Gebieten erhoben, unter anderem in Teilen der Tschechoslowakei, in Österreich, Südtirol und Liechtenstein, in der deutschsprachigen Schweiz, in bestimmten deutschen Außensprachinseln sowie in den Niederlanden und in Teilen Belgiens. Diese Erhebungen flossen nicht mehr in die Originalkarten ein.

Wenker und seine Marburger Mitarbeiter konzentrierten sich in ihren Auswertungen auf lautliche, morphologische und lexikalische Phänomene. Syntaktische Auswertungen waren nicht intendiert, die 40 Wenkersätze wurden auch nicht im Hinblick auf syntaktische Phänomene zusammengestellt. Bis heute sind die Wenkersätze in syntaktischer Hinsicht kaum ausgewertet, was unter anderem daran liegt, dass sich die Dialektologie syntaktischen Fragestellungen gegenüber lange spröde verhalten hat.

Im Rahmen des Projekts "Morphosyntaktische Auswertung von Wenkersätzen", das aus Lehrstuhlmitteln, zusätzlich (11.2009–12.2011) auch aus Mitteln der Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) – Strukturentwicklungs­­fonds finanziert wurde, wurden erstmals morphosyntaktische Auswertungen der Wenkersätze für das gesamte Erhebungsgebiet des Wenker-Atlasses erarbeitet. Dazu wurden relevante Phänomene anhand der über DiWA zugänglichen Fragebogenformulare neu erhoben, was in der Regel eine (Teil-)Transkription voraussetzte. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwands kam bei einem Gesamtbestand von über  50.000 Wenkerformularen eine Gesamtauswertung nicht in Frage. Stattdessen wurden anhand von verschiedenen Samples Teilauswertungen durchgeführt.

Zur Zeit liegen annotierte Daten zu zahlreichen syntaktisch relevanten Phänomenen in einem Sample von über 2310 Belegorten vor.  Ab April 2014 werden auf dieser Basis im Rahmen eines von der VolkswagenStiftung finanzierten Opus magnum-Stipendiums Auswertungen erarbeitet, die in einer Monographie zusammengestellt werden.

 

Bisherige Publikation des Projekts:

Fleischer, Jürg (2011): … und habe es ihr gesagt: zur dialektalen Abfolge pronominaler Objekte (eine Auswertung von Wenkersatz 9). In: Elvira Glaser/Jürgen Erich Schmidt/Natascha Frey (Hgg.): Dynamik des Dialekts – Wandel und Variation. Akten des 3. Kongresses der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD) (Zeitschrift für Dialektologie und Lin­guis­tik Beihefte 144): 77–100. Stuttgart: Steiner.

(2012): Pronominalsyntax im nordwestlichen Niederdeutsch: eine Auswertung des Wenker-Materials (mit Einbezug der friesischen und dänischen Formulare). In: Niederdeutsches Jahrbuch 135: 59–80.

—(2014): Das flektierte prädikative Adjektiv und Partizip in den Wenker-Materialien. In: Dominique Huck (Hg.): Alemannische Dialektologie: Dialekte im Kontakt. Beiträge zur 17. Arbeitstagung für alemannische Dialektologie (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik Beihefte 155): 147-168. Stuttgart: Steiner.

(2015): Pro-Drop und Pronominalenklise in den Dialekten des Deutschen: eine Auswertung von Wenkersatz 12. In: Elementaler, Michael/Markus Hundt/Jürgen Erich Schmidt (Hgg.): Deutsche Dialekte: Konzepte, Probleme, Handlungsfelder. Akten des 4. Kongresses der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD) (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik Beihefte 158): 191–209, 504–505 [Karten]. Stuttgart: Steiner.

Schallert, Oliver (2013): "Syntaktische Auswertung von Wenkersätzen: eine Fallstudie anhand von Verbstellungsphänomenen in den bairischen (und alemannischen) Dialekten Österreichs". In: Rüdiger Harnisch (Hg.): Strömungen in der Entwicklung der Dialekte und ihrer Erforschung: Beiträge zur 11. Bayerisch-Österreichischen Dialektologentagung in Passau September 2010 (Regensburger Dialektforum; 19): 208–233, S. 513–515. Regensburg: Edition Vulpes.


Zuletzt aktualisiert: 20.10.2015 · schalleo

 
 
 
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