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Epidemiologie: Sind autistische Störungen sehr seltene oder sehr häufige Krankheitsbilder?

Bemerkenswert ist, dass in den neueren epidemiologischen Untersuchungen ein enormer Anstieg der Prävalenzzahlen zu verzeichnen ist (Fombonne und Tidmarsh 2003; Blaxill 2004; Baird et al. 2006; Williams et al. 2007, 2008). Ging man früher davon aus, dass autistische Syndrome relativ selten vorkommen, so zeigen neuere Untersuchungen, dass die Prävalenzangaben deutlich gestiegen sind. Dies hängt mit der erhöhten Aufmerksamkeit zusammen, die den autistischen Störungen in den letzten Jahrzehnten gewidmet wurde und auch mit den damit einhergehenden besseren diagnostischen Möglichkeiten. Die meisten epidemiologischen Studien liegen zum frühkindlichen Autismus vor, für den atypischen Autismus und das Asperger-Syndrom ist die Datenlage deutlich ungünstiger. Unbestritten ist jedoch die Tatsache, dass das Asperger Syndrom deutlicher seltener vorkommt, als andere autistische  Störungen. Wenngleich neuere Untersuchungen teilweise zu extrem hohen Prävalenzangaben kommen, wird aktuell eine Prävalenz von 0.6 bis 1.0 für alle Autismus-Spektrum-Stärungen insgesamt angenommen (Baird et al., 2006) Das Verhältnis der Geschlechter (männlich : weiblich) liegt bei 3-4:1, wobei die betroffenen Mädchen meist deutlich stärker in Bezug auf die kognitive Beeinträchtigung und Ausprägung von begleitenden Symptomen beeinträchtigt sind.

Der zweite bemerkenswerte Aspekt sind die Angaben zur Intelligenz: Ging man früher davon aus, dass bei drei Vierteln aller autistischen Menschen eine geistige Behinderung vorliegt, so zeigen neuere Untersuchungen, dass 30 % der Betroffenen eine milde bis moderate Beeinträchtigung der Intelligenz aufweisen, 40% zeigen eine deutliche geistige Behinderung und 30% verfügen über eine durchschnittliche Intelligenz. In einigen Studien fand sich aber auch ein geringerer Anteil an geistiger Behinderung, hier zeigten 29% bis 60% der Betroffenen einen durchschnittlich bis überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten. In seltenen Fällen liegt auch eine Hochbegabung vor.

 

Tabelle 1: Epidemiologie der tiefgreifenden Entwicklungsstörungen

Alle tiefgreifende Entwicklungsstörungen

60/10.000

- mit geistiger Behinderung

25-50%

- milde bis moderate Beeinträchtigung der Intelligenz

30%

- durchschnittliche Intelligenz

29-60%


Frühkindlicher Autismus


10/10.000

- mit Lernbehinderung/geistiger Behinderung

~ 80

Atypischer Autismus

1,9 -10,9/10.000


Asperger-Syndrom


2,5 - 48/10.000


Rett-Syndrom


<1/10.000


Desintegrative Störung


0,2/10.000

 

Zuletzt aktualisiert: 11.07.2013 · goye

 
 
 
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