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Willkommen beim Arbeitsbereich für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität Marburg!

 


Die Professur Allgemeine Erziehungswissenschaft

English version:  The Professorship General Educational Sciences

Auf dieser und den folgenden Seiten erfahren Sie mehr über den Arbeitsbereich Allgemeine Erziehungswissenschaft.

Zu den wesentlichen Aufgaben Allgemeiner Erziehungswissenschaft zählt es zum einen, kritisch über Bildung nachzudenken. Über ihre Aufgaben, Konzepte und Ziele – im Sinne einer pädagogischen Theoriebildung. Eine zweite Aufgabe liegt zum anderen darin, die Bedingungen, den Verlauf und die Wirkungen von Bildungsprozessen auf empirischem Wege zu erfassen.

Ziel ist es, die Reflexionen und Konzepte der theoretischen Erziehungswissenschaft für die empirische Forschung fruchtbar zu machen und zugleich Ansätze zu finden, welche die empirische Bildungsforschung anschlussfähiger an die erziehungswissenschaftliche Theoriediskussion machen.

Ein Weg, um bildungstheoretische und bildungsforschende Aspekte zu verbinden, besteht in der qualitativen Bildungsforschung. Darunter fallen Ansätze, die nicht nur die subjektive Perspektive der Sich-Bildenden hervorheben, sondern in den Bildungsgeschichten der Individuen zugleich „überindividuelle“ Prozess- und Einflussstrukturen herausarbeiten. Um Bildungsprozesse umfassend abzubilden, werden auch Verfahren genutzt – triangulierend, integrativ oder an mixed methods orientiert –, die qualitative und quantitative Verfahren kombinieren. Ziel ist es, zentrale Fragen zu verbinden: „Was ist Bildung“ und „Wie wird Bildung“ – die gesellschaftlichen Struktur- bzw. Kontextbedingungen einbeziehend – „möglich“, aber auch: „Was kann Bildung blockieren?“

Eine Voraussetzung zur Umsetzung dieser verbindenden Aufgabe ist, dass die Allgemeine Erziehungswissenschaft Offenheit für interdisziplinäre und internationale Einflüsse und die Pluralität ihrer Konzepte betont – und sich damit ein weites Theorie- und Forschungsfeld erschließt.

Dieses Grundverständnis – Verbindung aus Theorie und Forschung, Methodenpluralismus, Interdisziplinarität und Internationalität – wird in verschiedenen inhaltlichen Bereichen umgesetzt:

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1) die Kindheits- und Jugendforschung. Eine erziehungswissenschaftliche Kindheits- und Jugendforschung, die die emanzipatorische Dimension von Kindheit und Jugend und Fragen nach den subjektiven Handlungs-, Gestaltungsmöglichkeiten und -einschränkungen der Heranwachsenden in den Fokus rückt. Bildung und Bildungsprozesse spielen in diesem Kontext eine wichtige Rolle, ebenso wie  Bedingungen des Aufwachsens und sozial ungleiche Kindheiten und Jugenden. Zugleich richtet sich der Blick auf die gesellschaftliche Situiertheit von Kindheiten und Jugenden und deren Institutionen sowie auf das kindliche und jugendliche Erleben, Denken und Handeln (insbesondere in der Biografieforschung).

In diesem Kontext sind in den letzten Jahre einige repräsentative Kinder- und Jugendstudien entstanden, die die Bereiche Schule und Bildung, Bedingungen des Aufwachsens in der Familie, jugendkulturelle Praktiken, Möglichkeiten der Partizipation, Kompetenzanforderungen im Freizeit- und Medienbereich und im Bereich der kulturellen Identität und Integration etc. untersuchen.

Sexuelle Gewalt Cover
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Eine erziehungswissenschaftliche Kindheits- und Jugendforschung hat Prävention, Intervention, Behebung sozialer Disparitäten, Verbesserung von Bedingungen des Lebens und Aufwachsens zum Gegenstand. In diesem Bereich wird derzeit ein Forschungsprojekt zu den Erfahrungen Jugendlicher mit sexueller Gewalt durchgeführt. Hier finden Sie den Link zur Homepage der Studie SPEAK . Ziel ist es, neben der Prävalenz und den möglichen Hintergründen sexueller Gewalt der Praxis Handlungswissen im Sinne eines pädagogischen Präventionsprogramms sowohl im Rahmen schulischer als auch außerschulischer Arbeit zur Verfügung zu stellen. 

 

2) Ein zweiter inhaltlicher Bezugspunkt liegt in der Erforschung transformatorischer Bildungsprozesse (im Anschluss etwa an Nohl, Rosenberg & Thomsen (2015), Koller (2009, 2010), Marotzki (1990), Koller, Marotzki & Sanders (2007); siehe international hierzu u.a. auch den Ansatz des Transformative Learning (Kasworm & Bowles 2012), die sich auf unterschiedliche Lebensphasen richtet. Zentral ist dabei die Frage nach Veränderungsmöglichkeiten des Habitus durch Bildung.

Um Fragstellungen zu Bildungsprozessen und -strategien bearbeiten zu können, ist ein methodisch-methodologisches Design notwendig, das eine möglichst ganzheitliche Rekonstruktion grundständiger Dispositionen und unterschiedlicher Erfahrungsbedingungen und Verarbeitungsformen ermöglicht. Dazu haben wir die Narrative Landkarte von Behnken und Zinnecker (1991, 2010), die in einem Durchgang Zeichnungen/Skizzen sowie einen narrativen Anteil erhebt, modifiziert. Um die Eigengesetzlichkeiten des jeweiligen Vorgehens stärker zu berücksichtigen und die Bild- und Textinterpretation einander ergänzend – triangulierend – aufeinander beziehen zu können, haben wir eine Einordnung als „Sozialräumliche Karte“ unter das methodologische Dach der Dokumentarischen Methode unternommen (siehe dazu Maschke & Hentschke 2017).

 

Habitus unter Spannung

Bildung wurde lange Zeit als rein geistig-kognitiver Prozess verstanden; der hier vertretene Ansatz rückt das Situative, Performative und Körperlich-Leibliche verstärkt in den Fokus. Ein abgeschlossenes Forschungsprojekte in diesem Bereich bezieht sich auf (Studien-)Entscheidungsfindungen und Bewältigungsstrategien im Übergang Schule-Studium (komparative Analyse von Bildungsprozessen im Übergang von Lehramtsstudierenden mit dem Hauptfach Kunst und Physik). Zur Anwendung kommen – unter dem Dach der Dokumentarischen Methode – vor allem triangulierende Verfahren wie biografische Interviews und Fotoinszenierungen.

Der Forschungsblick wird in weiteren Projekten auf verschiedene biografische Übergänge hin erweitert. Ein Projekt, das in Kürze an den Start geht, hat Bildungsprozesse von Frauen im mittleren Erwachsenenalter im Übergang 'Auszug des (letzten) Kindes aus dem Haushalt' - eine Interview- und Fotoanalyse zum Thema.


Weitere Fragestellungen in diesem Kontext wenden sich der kulturell-ästhetischen Praxis Jugendlicher zu und untersuchen mit qualitativen und/oder quantitativen Daten den Habitus ‚aufschließende‘ Anlässe in jugendkulturellen 
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Szene- und Ausdrucksformen oder folgen der Frage nach unerwarteten Bildungsverläufen oder der Bedeutung von biografischem Scheitern als Bildungsanstoß.

 

3)  Ein dritter inhaltlicher Schwerpunkt liegt in der Erweiterung der erziehungswissenschaftlichen Kindheits- und Jugendforschung hin zu lebenslangem Lernen und Bildung, zu formellen und informellen Bildungskontexten, zu außerschulischen und extracurricularen Bildungsangeboten. Zu beobachten ist in diesem Bereich ein länderübergreifender gesellschaftlicher Modernisierungsprozess. International ist eine Entwicklung zu konstatieren, die die Angebotslandschaft im Bildungsbereich verändert. Die verbindende Klammer für all die unterschiedlichen Bezeichnungen (after school programs, designed activities etc.) bildet der Begriff „Extended Education“.

Bis vor kurzem fehlte es auf internationaler Ebene an vergleichenden Forschungsprojekten sowie vor allem an einem kontinuierlichen fachwissenschaftlichen Austausch zu diesem relativ neuen Bereich der Bildungsforschung. Um diese Situation zu verbessern, wurde im November 2010 mit Unterstützung des BMBF ein internationales Forschungsnetzwerk zur Extended Education (Network for Extracurricular and Out-of-School Time Educational Research – NEO-ER) initiiert, zudem hat im April 2016 in Seoul das vierte Netzwerktreffen stattgefunden. Eingebracht wurden u.a. (Sabine Maschke gemeinsam mit Stephan Kielblock und Ludwig Stecher) “The Perspectives On Extracurricular Activities Which Have Gone Unnoticed So Far: Physical and Psychological Safety” (zum Weiterlesen; Beitrag erscheint in der nächsten Ausgabe der IJREE)

Mit Unterstützung der DFG wurde 2013 aus dem Netzwerk heraus das International Journal for Research on Extended Education (IJREE; siehe http://www.ijree.com/) gegründet.

Im Rahmen dieser  Professur  wird „the aspect of safety in all-day school” in den Blick genommen und in diesem Zusammenhang insbesondere “peer-to-peer sexual violence”. 

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Ein nächster wichtiger Schritt zur Stärkung der Bildungsforschung im Bereich der Extended Education ist die gezielte Förderung von NachwuchswissenschaftlerInnen. Vom 28. November bis zum 1. Dezember 2016 fand deshalb an der Philipps-Universität Marburg ein Internationaler Workshop zur empirischen Bildungsforschung im Bereich der Extended Education statt. Der deutschlandweit ausgeschriebene Workshop richtete sich an Promovierende mit einem Forschungsfokus auf außerunterrichtliche und außerschulische Bildungsforschung (Extended Education). Führende internationale ExpertInnen aus dem Bereich der Extended Education-Forschung haben im Rahmen dieses Workshops über aktuellste Entwicklungen in diesem Forschungsfeld berichtet und den PromovendInnen als AnsprechpartnerInnen für deren Dissertationsprojekte zur Verfügung gestanden. Die OrganisatorInnen des Workshops waren Sabine Maschke, Ludwig Stecher und Ivo Züchner.

 



 

 

 

 

Neuerscheinungen


Maschke/Stecher:
Sexuelle Gewalt: Erfahrungen Jugendlicher heute
Weinheim Basel: Beltz 2018
ISBN: 978-3-407-25789-5
Sexuelle Gewalt Cover
Maschke/ Schulz-Gade/ Stecher (Hrsg.): Jahrbuch Ganztagsschule 2018.
Lehren und Lernen in der Ganztagsschule
Grundlagen - Ziele - Perspektiven
Frankfurt/M. : Debus Pädagogik Verlag 2018
ISBN: 978-3-95414-076-3
Jahrbuch 2018neu

Maschke/ Schulz-Gade/ Stecher (Hrsg.): Jahrbuch Ganztagsschule 2017.
Junge Geflüchtete in der Ganztagsschule
Integration gestalten - Bildung fördern - Chancen eröffnen
Schwalbach/Ts.: Debus Pädagogik Verlag 2017
ISBN: 978-3-95414-069-5




Jahrbuch 2017

Maschke/Stecher/Kielblock (Hrsg.):
International Journal for Research on Extended Education, 2, 2016.
Leverkusen : Budrich Verlag 2016
ISSN 2196-3673
IJREE 2/2016


 
 
 
 
 
 
 

Zuletzt aktualisiert: 22.02.2018 · Dannero

 
 
 
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