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Archiv der Philipps-Universität Marburg

Das Universitätsarchiv verwahrt das in der laufenden Verwaltung der Universität nicht mehr benötigte Schriftgut, erschließt es und macht es für die Forschung, aber auch für die Universität selbst nutzbar. Zur Zeit umfasst das Universitätsarchiv knapp 500 Urkunden und mehr als 2000 lfd. Regalmeter Amtsbücher und Akten aus der Zeit vom 13. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart.

Seit 1890 sind die Bestände als Depositum im Hessischen Staatsarchiv Marburg untergebracht. Am 1. März 2006 hat die Universität mit der Einstellung einer Archivarin die Einrichtung selbst übernommen (vgl. Nachricht vom 24. April 2006). Akten und Urkunden blieben aber im Staatsarchiv und können dort im Lesesaal eingesehen werden. Seit dem 1. Februar 2010 zählt das Archiv zu den Zentralen Einrichtungen der Universität.

 

Wichtiger Hinweis!

Instandsetzungsmaßnahmen im Lesesaal des Hessischen Staatsarchivs Marburg führen am Freitag, 12. Februar, und Montag, 15. Februar, zu eingeschränkten Öffnungszeiten. Am 12. Februar schließt der Lesesaal bereits um 13.00 Uhr, am 15. Februar hingegen öffnet er erst um 13.00 Uhr. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Das Büro des Universitätsarchivs ist auch während der Schließung des Lesesaals besetzt. Auskünfte können problemlos erteilt werden.

  


Die besondere Archivalie

 

"Gold gab ich für Eisen" - Kriegsfinanzierung im I. Weltkrieg

  
Werbeblatt 5. Kriegsanleihe
Werbeblatt für die fünfte Kriegsanleihe 1916. UniA MR 305a Nr. 8160
Medaille 1916 r
Geschwärzte Medaille aus Eisen nach einem Entwurf von Hermann Hosaeus. UniA MR 312/3/35 Nr. 112
Medaille 1916 v
Rückseite der Medaille. UniA MR 312/3/35 Nr. 112

In Kriegen wird "Blutzoll entrichtet", wird mit dem "Leben bezahlt". Aber auch unterhalb dieser schwerwiegendsten Form, Rechnungen zu begleichen, sind Kriege sehr kostspielige Angelegenheiten. Die Fähigkeiten des deutschen Kaiserreichs, die Kosten aus dem Steueraufkommen aufzubringen, waren begrenzt. Deshalb sann die Reichsregierung schon im Herbst 1914 auf ein weiteres Finanzierungsinstrument. Sie fand es in Gestalt der Kriegsanleihen. Die eigene Bevölkerung sollte auf diesem Weg zu Geldgebern des Krieges werden. Dieses Investment in Bomben und Granaten sollte - mit fünf Prozent lukrativ verzinst - nach dem scheinbar unvermeidlichen Sieg der deutschen Waffen aus den Reparationen der Kriegsgegner zurückgezahlt werden. Beginnend im September 1914 gewöhnten sich die Deutschen nun an die halbjährlich wiederkehrenden Aufrufe, die sie unter einem Trommelfeuer patriotischer Phrasen aufforderten, Kriegsanleihen zu zeichnen. Der Erfolg dieser Bemühungen war beachtlich. Insgesamt brachten die neun Anleihen zwischen 1914 und 1918 die Summe von 98 Milliarden Reichsmark zusammen. Die Zeichner dieser Anleihen - meist Angehörige der Mittel- und Oberschicht - mussten aber mit dem Ende des Krieges feststellen, dass sie statt einer guten Rendite den Verlust ihres angelegten Kapitals zu verschmerzen hatten.

Eine weitere Form, Mittel für den Krieg einzuwerben, war die Aktion "Gold für Eisen". Hierbei handelte es sich von Anfang an um eine Spende mit Sieges- aber ohne Gewinnerwartung. Frauen sollten sich durch die Abgabe ihres Schmucks an den Kosten des Krieges beteiligen. Symbolisch wurde diese Spende durch eiserne Medaillen oder Schmuckstücke entgolten.

Die Reklame für die Kriegsanleihen lief zunächst vor allem über Honoratioren, angesehene Persönlichkeiten und Institutionen, die als Multiplikatoren in die Gesellschaft hineinwirken und selbst ein Vorbild abgeben sollten. Es verwundert deshalb nicht, dass die Universität angesprochen wurde, wenn es darum ging, für Kriegsanleihen die Werbetrommel zu rühren. In den Akten finden sich daher zahlreiche Materialien, die der Universität bei der Propagierung helfen sollten. Aber auch die Professoren der Universität fühlten sich durch die Kampagnen am vaterländischen Portepee gepackt. So wurde im Jahr 1917 im Rahmen einer "vaterländischen Versammlung" der Beschluss gefasst, dass alle Dozenten den 365. Teil ihrer Besoldung zur Beteiligung an der siebten Kriegsanleihe spenden sollten. Ein an die Dozenten der Universität gerichteter Brief des damaligen Prorektors Prof. Ernst Elster schildert das genaue Prozedere.

Spende der Dozentenschaft
Entwurf eines Schreibens an die Dozentenschaft mit handschriftlichen Korrekturen von Prorektor Prof. Ernst Elster. UniA MR 305a Nr. 8160

Neben die Werbung über Multiplikatoren - und bald wirkmächtiger als diese - traten Plakat- und Handzettelaktionen, die sich grafischer Gestaltungsmittel bedienten. Auch dafür finden sich Beispiele in den Beständen des Universitätsarchivs.

bildergeschichte
Bildergeschichte zur Propagierung der 7. Kriegsanleihe 1917. UniA MR 312/5/35 Nr. 32
Bemerkenswert sind Verfasser und Illustrator des Blattes. Beide bildeten schon länger ein Team bei der Abfassung humoristischer Bildergeschichten.
Gustav Hochstetter (*1873 +1944)war ein humoristischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Redakteur der "Lustigen Blätter". Er wurde wegen seiner jüdischen Herkunft 1942 deportiert und 1944 im KZ Theresienstadt um sein Leben gebracht.
Walter Trier (*1890 +1951) ist heute noch als Illustrator der Bücher Erich Kästners bekannt. Er emigrierte 1936 aus Deutschland und verstarb 1951 in Kanada.


Alle diese Aktivitäten konnten die deutsche Niederlage freilich nicht aufhalten. Ende 1918 hatte der Moloch Krieg alles verschlungen: Schmuck, Geld und Hekatomben von Menschenleben.

 


Zuletzt aktualisiert: 10.02.2016 · Dr. Carsten Lind, Universitätsarchiv, 06421-9250176

 
 
Philipps-Universität Marburg

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