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Grundlagen

Diese Rubrik dient zum inhaltlichen Einstieg und als Nachschlagewerk zu den Themenbereichen des Forschungsprojekts.

Definitionen

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Islamismus Islamismus 

    Definition, wie Sie im Projekt verwendet wird:

    Unter Islamismus verstehen wir in Analogie zu anderen Ideologien (Konservatismus, Sozialismus, Liberalismus) eine gesellschaftspolitische Ideologie, die sich auf islamische Referenzen stützt. Diese Referenzen können stark variieren. Sie reichen von einer wortgetreuen Orientierung an den religiösen Texten über die sog. ‚maqasid al-shari`a‘ – die Ziele und Zwecke der Scharia – und zentrale islamische Werte, wie Gerechtigkeit (`adala), Wohltätigkeit (ihsan), Freiheit (hurriya), das Prinzip der gegenseitigen Beratung (shura), und die gegenseitige soziale Verantwortung (takaful) bis hin zu Bezügen auf den Islam als universale Zivilisation. Auch Scharia-Interpretationen fallen sehr unterschiedlich aus und reichen von der Orientierung an traditionellen Rechtsschulen (fiqh) bis hin zur Forderung von Islamisten, islamisches Recht im Kontext der Moderne neu zu interpretieren.

    Als eine moderne gesellschaftspolitische Ideologie strukturiert der Islamismus das Weltbild seiner Anhänger. Er beschreibt die Utopie, für die islamische Bewegungen eintreten. Er ist Werteordnung, Motor zur Mobilisierung der Anhänger und hat eine Legitimationsfunktion für islamistische Akteure.  

    Die wichtigsten nicht-jihadistischen Strömungen des sunnitischen Islamismus sind:
    Salafisten, die sich streng an religiösen Quellentexten und am Vorbild der Altvorderen (Salaf) orientieren. [siehe hierzu den Beitrag zum Salafismus auf dier Projekt-Homepage].
    Ex-Jihadisten, die aus politischen und ideologischen Gründen der Gewalt abgeschworen haben und bereit sind, sich in den politischen Prozess zu integrieren.
    Die Muslimbruderschaft als älteste islamistische Bewegung, die in vielen Ländern der arabischen Welt politische Parteien gegründet hat.
    Die sogenannten Wasatiyya-Parteien, die sich als Parteien der konservativen, liberalen Mitte verstehen.
    Liberale; post-islamistische Parteien für die der Islam individuell identitätsstiftend ist, jedoch keinen Eingang mehr in die politische Programmatik findet.
    Politisierte Sufis-Bewegungen.
    Hybride Formen des Islamismus, in denen säkulare nationalistische, sozialistische oder liberale Ideologeme mit islamistischen Ideologeme verbunden werden.

    Abgrenzungen islamistischer zu säkularen Parteien, vor allem aus der konservativen Mitte, sind nicht immer eindeutig. Auch viele bürgerlich-konservative Parteien der MENA-Region haben Scharia-Bezüge in ihren Programmatiken und unterstützen Islambezüge in den jeweiligen Verfassungen.

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    Definition, wie Sie im Projekt verwendet wird:

    Der Herkunft des Wortes nach bedeutet „Salafismus“ die Orientierung an den „frommen Vorfahren“ (Salaf aṣ-Ṣāliḥ) - gemeinhin die ersten drei Generationen von Muslimen - ohne diesen Zeitraum dabei konkret eingrenzen zu können. Diese gelten ob ihrer Nähe zum Propheten Mohammed als besonders gottesfürchtig und glaubensstark. Im Salafismus bilden allein Koran und Sunna Lebensgrundlage, an die sich laut vorherrschender Meinung vor allem ebenjene Vorfahren genau gehalten haben. Diesem Beispiel wird nachgeeifert, unerlaubte Neuerungen (Bidʿa) im Glauben werden abgelehnt. Besonderer Fokus liegt auf dem strengen Monotheismus, der uneingeschränkt durchgesetzt wird – nicht nur andere Religionen, auch politische Systeme, die den Menschen zum Herrscher machen, werden mit Blick auf diesen Kerngedanken strikt abgelehnt. Ziel ist daher die Herrschaft Gottes und die vollständige Umsetzung der Sharia. Wie genau beides definiert und durchgesetzt wird, ist dabei jedoch stark umstritten.

    Spricht man von „Salafismus“, werden unter diesem Begriff unterschiedlichste Gruppierungen und Strömungen subsumiert. Die Bezeichnung ist äußerst dehnbar und umfasst von apolitischen bis hin zu jihadistischen Akteuren ein breites Spektrum. Versucht man die Wurzeln dieser Bewegung zu ergründen zeigt sich, dass sich im Islam nicht nur frühzeitig, sondern auch kontinuierlich differierende Tendenzen entwickelten, deren Basis die Rückbesinnung auf den Islam in seiner Urform war. „Salafismus“ ist damit als Analysekategorie schwierig. Der Begriff hilft jedoch dabei ein Phänomen zu erfassen und zu benennen, das sich zunehmend ausbreitet und in den Fokus zahlreicher Analysen gerückt ist. Primäres Ziel ist es hier, einen Überblick über salafistische Organisationen, d.h. Parteien, Gruppierungen und Bewegungen, zu geben – unabhängig davon, ob es sich dabei um das eigene Selbstverständnis oder Fremdzuschreibung handelt. Ergänzt wird dieser Überblick durch eine kurze Skizzierung der Entwicklung der salafistischen Landschaft einzelner Staaten

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen MENA-RegionMENA-Region

    Verwendung des MENA-Begriffs

    Der Begriff MENA steht als Akronym für „Middle East and Nothern Africa“ für die Gesamtheit der Staaten des Nahen und Mittleren Ostens. Der Begriff entstammt der englischen Tradition und umfasst Nordafrika und den "Middle East", also das, was im deutschen Sprachgebrauch gemeinhin als "Naher Osten" bezeichnet wird. Es gibt keine festgelegte Definition für die Zugehörigkeit zu dieser Region, gemeinhin lassen sich in der Literatur engere und erweiterte Konzepte finden, die eine unterschiedliche Anzahl von Ländern umfassen.

    Die Schriftenreihe MENAdirekt orientiert sich bei der Verwendung der Begrifflichkeit an dem Grundgedanken, dass es sich bei der Region nicht nur um eine geographische, sondern vielmehr um eine ideologische Einheit handelt, die trotz ihrer Heterogenität durch arabisch-islamische Bevölkerungsmehrheiten, eine gemeinsame Sprache und Kultur sowie Geschichte verbunden ist. Den Kern bilden die arabischen Staaten Ägypten, Algerien, Bahrain, Irak, Jemen, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Libyen, Marokko, Oman, die palästinensischen Autonomiegebiete, Saudi-Arabien, Syrien, Tunesien sowie die Vereinigten Arabischen Emirate. Die angrenzenden, nicht-arabischen Staaten Iran, Israel und die Türkei stehen nicht im Fokus der Analysen, sind jedoch durch Interaktionen mit ihren Nachbarstaaten relevant für die Entwicklungen in der Region.

    Seit den Umbrüchen 2011 werden die über Jahrzehnte gewachsenen autoritären Staatsstrukturen zunehmend durch oppositionelle Bewegungen herausgefordert und aufgebrochen. Dabei durchläuft die MENA-Region eine kontinuierliche (Neu-)Aushandlung des Verhältnisses von Politik und Religion. Hinzu kommt, dass diverse Länder um die Vormachtstellung in der Region kämpfen und Allianzen sich permanent neu konstituieren oder verschieben. Die Situation ist zudem durch eine hohe Konfliktdichte geprägt, die das Handeln überstaatlicher, staatlicher und nicht-staatlicher Akteure bestimmt.

Portraits ausgewählter islamistischer und salafistischer Parteien und Organisationen

Portraits der im Projekt behandelten Parteien:

Ennahda (Tunesien)

Muslimbruderschaft und Freedom and Justice Party (Ägypten)

Islamic Action Front Party (Jordanien)

Justice and Construction Party (Libyen)

Mouvement de la Société pour la Paix (Algerien)

Parti de la justice et du développement (Marokko)

Ausgewählte salafistische Parteien:

Jabhat al-Islah (Tunesien)

Hizb al-Asala und Hizb ar-Rahma (Tunesien)

Die in den Veröffentlichungen geäußerten Meinungen spiegeln die der Autor*innen wider.