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Abgeschlossene und eingestellte Projekte.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen FeldverschiebungenFeldverschiebungen

    Forschergruppe (Sprecherinnen: Christa Bertelsmeier-Kierst und Cora Dietl)
    Feldverschiebungen. Soziale und kulturelle Kommunikationsräume in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

    Zu den Mythenbildungen der Neuzeit gehört die schroffe Epochengrenze um 1500, die bis heute die Fächerkultur der Geisteswissenschaften prägt. In den letzten Jahrzehnten ist mit der aktuellen Diskussion, ob sich Europa nicht erneut in einer Phase der Wandlung und zunehmenden Werteverschiebung befindet, auch die historische  Grenzziehung zwischen Mittelalter und Neuzeit verstärkt in den Blickpunkt gerückt. Das Projekt will die in den Einzeldisziplinen seit längerem stattfindende Diskussion über die Fächergrenzen hinweg fortführen und verdichten, um konkrete Zusammenhänge der Verän­derungen im 15. und 16. Jh. herauszuarbeiten. Ziel ist es, unter Beteiligung der Theologie, Rechts- und Kunstgeschichte sowie den Geschichts-, Sprach- und Literaturwissenschaften die sozialen wie kulturellen Prozesse in ihrer Vernetzung zu untersuchen. Neue Erkenntnisse sind vor allem durch die Verschränkung von Literatur und lebensweltlicher Erfahrung (z.B. auf den Gebieten der Seefahrt, Landwirtschaft, Frömmigkeit, Hofkultur oder des Rechts) zu erwarten. Hervortreten soll die Eigenart einer Epoche, in der durch das Ringen von Tradition und Innovation, von herkömmlichem und importiertem Wissen mit neuen, in der Lebenswirklichkeit gemachten Erfahrungen und Entdeckungen eine lange Phase des Übergangs entsteht. Die 'Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen', die Anpassung und Transformation des Unbekannten an vertraute Wertmaßstäbe und Identifikationsmuster machen die Spannung und Dynamik dieser Epoche aus.

    Antragstellung bei der DFG für 2018 geplant.

    Im Oktober 2017 wurde die Anschubfinanzierung durch Flexi Funds des Forschungscampus Mittelhessen für 12 Monate genehmigt!

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Wolfgang-Stammler-Gastprofessur 2016/17Wolfgang-Stammler-Gastprofessur 2016/17

    Die andere Literaturgeschichte ‒ Text- und Überlieferungsgeschichte ernst genommen

    Die Gastprofessur für Germanische Philologie an der Universität Freiburg Schweiz ist mit dem Namen Wolfgang Stammlers verbunden, der von 1951–1957 den Freiburger Lehrstuhl seines Faches innehatte und von hier aus unter anderem seine ‚Deutsche Philologie im Aufriß‘ erscheinen ließ. Die Vorlesungen im Rahmen der Gastprofessur sind der von den Brüdern Grimm begründeten und von Wolfgang Stammler erneuerten weiten Auffassung des Fachs als Wissenschaft von den Zeugnissen der mittelalterlichen Kultur in deutscher Sprache und ihrem materiellen und geistigen Umfeld verpflichtet. Die Gastprofessur umfasst eine wöchentliche Vorlesung während des Wintersemesters, in der ein Hauptarbeitsgebiet des Gastes in seiner Bedeutung für die Integration mediävistischer Themen und Disziplinen vorgestellt werden soll. Die Vorlesungen fügen sich ein in die Arbeit des Mediävistischen Institutes der Universität, das deshalb die Eröffnungsvorträge der Gastprofessoren in dieser Reihe herausgibt.

    In Zeiten der extremen Atomisierung der Wissenschaften und mehr noch der Wissensgegenstände scheint es eine zentrale Aufgabe zu sein, um überhaupt noch ein umfassendes VERSTEHEN zu ermöglichen, eine Schneise durch diese unendliche Erkenntnisfülle zu schlagen. Und für die Philologie heißt dies nicht zuletzt, in einem Überblick all die Fakten, Materialien, Erkenntnisse zu bewerten, zusammenzufassen und zu einem leidlich verständlichen Mosaik zusammenzubauen. Üblicherweise ist dies die klassische Aufgabe der Literaturgeschichte, doch vor den Handschriften hat sie kapituliert. Zu groß sind mittlerweile die Datenmassen: Im Handschriftencensus sind derzeit fast 7.000 mittelalterliche deutsche Autoren und Werke in weit über 25.000 Handschriften und Fragmenten erfasst.

    Nikolaus Henkel und Jens Haustein beschreiben die Problematik und die daraus resultierenden Erfordernisse drastisch:

    „Wir brauchen eine Beschreibung des zu einem bestimmten Zeitpunkt aktuellen literarischen Wissens […], das von der Präsenz älterer, aber aktueller Werke ebenso geprägt ist wie von der Bildung neuer Modelle. Den diachronischen Entwicklungsmodellen [müssen wir] einen synchronischen Entwurf zur Seite zu stellen. Ein solcher Entwurf hätte vorrangig von der handschriftlichen Materialität der Texte auszugehen und nach ihrer Verortung im jeweiligen sozialen und kulturellen Kontext zu fragen.“

    Im Rahmen der Stammler-Gastprofessur soll exemplarisch der Versuch unternommen werden, die Handschriften samt all ihrer Textvarianzen in diesem Sinn ernst zu nehmen. Hintergrund sind dabei folgende Erkenntnisse der Überlieferungsforschung:

    • Offensichtlich erreichten die Werke im Regelfall erst Jahrhunderte nach ihrer Entstehung ihren Wirkungs- und Rezeptionszenit.
    • Oftmals geschieht dies in einer Zeit, in der vermeintlich schon ganz andere literarische Modelle wirkmächtig sind. Die vermeintlich ‚alten‘ Texte werden dann als ‚archaisch‘ oder ‚nachklassisch‘ stigmatisiert und aus der Forschungswahrnehmung ausgesondert, tatsächlich dominieren sie aber häufig auch und gerade die vermeintlich ‚neue‘ Zeit.
    • Die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen scheint ein Prinzip mittelalterlicher Literaturproduktion und -reproduktion zu sein.

    Anhand exemplarisch ausgewählter Werke und Überlieferungskomplexe soll in den 4 Blockseminaren ein auf der Überlieferung und der Textgeschichte basierendes Modell erarbeitet und jeweils in Form kleiner Musterkapitel als Modell einer neuen ‚Manuskript-Literaturgeschichte‘ formuliert werden. Dabei werden sich liebgewonnene Strukturen und Epochengrenzen – Althochdeutsche Zeit, Frühhöfische Zeit, Höfische Blütezeit, Nachklassik – in dramatischer Weise auflösen und vielleicht etwas NEUES – ein NEUES Mittelalter? – sichtbar werden.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Lehrprojekt „Höfische Kultur lesbar machen“Lehrprojekt „Höfische Kultur lesbar machen“

    An den Adelshöfen des Mittelalters las man mit Begeisterung von den Abenteuern kühner Ritter und Damen. Uns faszinieren diese Geschichten oft noch heute. Doch wie sah die Welt aus, in der die Erzählungen von Tristan und Isolde oder dem Nibelungenlied aufgeschrieben wurden? Wie kann man mittelalterliche Literatur wieder mit Leben füllen? Das ist Ziel des Lehrprojekts „Höfische Kultur lesbar machen“. Alltagsgegenstände aus archäologischen Ausgrabungen, kostbare mittelalterliche Objekte vom Museum für Kulturgeschichte und über 600 Jahre alte Pergament-Handschriften der Universitäts-Bibliothek: all das nehmen die Studierenden genau unter die Lupe. Anschließend arbeiten sie ihre Erkenntnisse für ein breites Publikum auf und trainieren so Kulturvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit: grundlegende Fertigkeiten für angehende Germanist_innen und Deutschlehrer_innen.

    Hier geht's zum Video.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Workshop „Annäherungen an das Mittelalter“Workshop „Annäherungen an das Mittelalter“

    Am 21. und 22. September 2015 fand im Grenzland zwischen Hessen und Niedersachsen ein vielseitiger Workshop zur Didaktik der Mediävistik mit dem Titel „Annäherungen an das Mittelalter“ statt. Dahinter verbirgt sich eine in Kooperation mit Wissenschaftler/innen der Universitäten Bamberg und Marburg durchgeführte Lehrerfortbildung (Zielgruppe Grundschule und Sek. I), ausgerichtet im Mittelalterdorf Steinrode, ein festlicher Abendvortrag auf Schloss Berlepsch sowie ein Praxisprojekt in der Grundschule in Scheden.

    Die dem Workshop zugrunde liegende Idee war folgende: Obwohl das Mittelalter in der Populärkultur äußerst präsent und beliebt ist, spielen authentische Texte ebenso wie genauere Kenntnisse zur Buch- und Schreibkultur des Mittelalters im schulischen Unterricht meist nur vereinzelt eine Rolle. Im Workshop wollten wir zeigen, dass die Arbeit mit diesen historisch fremden Texten und Dingen nicht nur möglich ist, sondern Schüler/innen auch motivieren und begeistern kann. Die mittelalterliche Alltagskultur spielt bei der Vermittlung der Andersartigkeit dieser Epoche eine wichtige Rolle. Neben der Diskussion methodischer Fragen arbeiteten wir auch ganz konkret mit den vorgestellten Materialien, um so die Alterität des Mittelalters „begreifbar“ zu machen.
    Den Auftakt bildete am 21. September eine als Lehrerfortbildung akkreditierte Veranstaltung in einer für unser Vorhaben perfekten Location: dem Mittelalterdorf in Steinrode bei Hannoversch Münden. Die pädagogische Einrichtung wurde im Jahr 2004 als außerschulischer Lernort gemeinsam mit Schülerinnen und aufgebaut. Sie dient dazu, Kindern geschichtliche Zusammenhänge, vergangene Lebensweisen und naturräumliche Nutzung näher zu bringen.
    Nach der Begrüßung durch den Leiter des Mittelalterdorfes, Dr. Christian Platner, der zugleich Vorsitzender des Fördervereins für Umweltbildung und Waldpädagogik an Schulen, Libellula, ist, führte die Umweltpädagogin Nelly Lamm durch das Museumsdorf. Dort gibt es alles, was ein mittelalterliches Dorf braucht: eine Küche, einen Kräuter- und Gemüsegarten, ein befestigtes Eingangstor, eine Kirche mit integriertem Skriptorium, eine Schmiede, ein Lagerhaus, eine Dorflinde und natürlich beheizbare Wohngebäude.
    Im Anschluss bekamen die Teilnehmenden selbstgebackenes Brot aus dem Lehmbackofen der Freiluftküche zur Stärkung für den bevorstehenden Theorieteil gereicht.
    Im ersten Theorieblock gaben Alissa Theiß, M.A. und Prof. Dr. Jürgen Wolf vom Institut für Deutsche Philologie des Mittelalters der Philipps-Universität Marburg einen Überblick über mittelalterliche Buchherstellung, Schreibmaterialien und die Entwicklung unterschiedlicher Schriftarten. Den zweiten Teil des Theorieblocks leitete Dr. Ines Heiser vom Institut für neuere deutsche Literatur der Philipps-Universität Marburg ein. In ihrem Vortrag behandelte sie die literaturdidaktische Frage, was man beim Erstellen von Replikaten – also beim „Nachmachen“ von Schreibmaterialien, beim Gießen von Wachstafeln, beim Schöpfen von Papier, beim Einüben in mittelalterliche Schreibtechniken eigentlich lernt und warum diese auf den ersten Blick simplen Bastelarbeiten im Rahmen literarischen Lernens durchaus wichtig sind.
    Den Abschluss der Theoriesektion bildete Dr. Detlef Goller vom Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der sein Projekt MimaSch: Mittelalter macht Schule vorstellte. MimaSch: Mittelalter macht Schule bietet dabei die Besonderheit, dass im Projekt Schule und Universität direkt zusammengebracht werden, indem z.B. Studierende an Schulen Projektwochen anbieten. Während die Schulen dabei von fachlichem Expertenwissen direkt aus der Uni profitieren können, bekommen die Studierenden so die Möglichkeit, eigene Unterrichtserfahrungen zu sammeln und neue Unterrichtskonzepte zu erproben.

    Bei diesem vielfältigen Programm verging die Zeit wie im Flug. Glücklicherweise blieb immer noch ausreichend Zeit, um im nachmittäglichen Praxisteil Wachstafeln mit den Teilnehmer/innen herzustellen, um so das am Vormittag Diskutierte auch direkt im Selbstversuch umzusetzen. Damit war die offizielle Lehrerfortbildung zu Ende, nicht jedoch der Workshop: Um 17 Uhr ging es weiter mit einer Führung durch Schloss Berlepsch bei Witzenhausen, dem schönsten Schloss Hessens (zumindest bekam es diesen Titel 2011 bei einem Wettbewerb des Hessischen Rundfunks verliehen). Die Anlage geht auf eine Gründung aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück. Besonders der Rittersaal ist jedoch deutlich vom 19. Jahrhundert geprägt. So konnten die Besucher des öffentlichen Abendvortrags, der den Tag abrundete, Mittelalter und Mittelalterrezeption simultan an einem Ort erleben, denn der Vortrag mit dem Titel „Der mittelalterliche Mensch zwischen Schöpfung und Jüngstem Gericht“ von Prof. Dr. Jürgen Wolf fand in festlicher Atmosphäre im Rittersaal statt.

    Die Überlegungen und Konzepte des ersten Tages wurden am 22. September dann ganz konkret angewendet. Dr. Detlef Goller und Valentina Ringelmann, B.A. ebenfalls vom Lehrstuhl für Deutsche Philologie des Mittelalters der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, gestalteten je eine Doppelstunde in zwei dritten Klassen der Johann-Joachim-Quantz Grundschule in Scheden. Mit viel Spaß und Enthusiasmus auf beiden Seiten bekamen die Schüler/innen erklärt, wie Mittelhochdeutsch ausgesprochen wird; anschließend durften sie eigene Übersetzungsübungen machen, bei denen spielerisch mittelalterliche Texte in modernes Deutsch umgewandelt werden sollten.

    Ines Heiser & Alissa Theiß

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Campus Marburg 2013Campus Marburg 2013

    Ansturm auf die Show-Seminare

    Tausende Besucher strömen zum Wissenschaftsfest in Marburg. Vor allem im Hörsaalgebäude und auf den Lahnbergen drängen Forschungs-Fans in die Räume. Die Akademiker ernten Applaus für das, was und wie sie den Marburgern erklären, wieso ihr jeweiliges Fach wichtig ist.

    Kodikologie - beim Lesen dieses Wortes legt Markus Teichmann die Stirn in Falten. Der 29-Jährige ist zwar selbst Student, aber von Handschriftenkunde hat er bis jetzt noch nie gehört. Nun müht er sich, aus einer Feder einen Stift zu schnitzen. „Das ist eine ganz schöne Fuddelei“, sagt er. Dann kritzelt er ein paar Buchstaben auf das Pergament. „Schreiben ist sehr viel und mühsame Arbeit - im Mittelalter“, sagt Alissa Theiß, Mitarbeiterin von Germanistik-Professor Jürgen Wolf. Der Forscher erklärte im Gang des Hörsalgebäudes Dutzenden den Umgang mit Wachstafel, Griffel und Radierstein. „Je wertvoller ein Text war, desto mittiger wurde auf dem noch heute teuren Pergament geschrieben“, sagte er. Carsten Becker, einer seiner Studenten flößt indes Wachs in ein Holzkästchen, nicht größer als ein Handy. „Tada! Ein mittelalterliches Notizbuch“, sagt er.

    Quelle: http://www.op-marburg.de/Lokales/Marburg/Ansturm-auf-die-Show-Seminare (17.11.2013)