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Erwerb von informationsstrukturellen Fähigkeiten.
Produktion und Rezeption von (in)definiten Artikeln bei deutschsprachigen Kindern.

Julia Fuchs ist zu sehen.
Foto: Pro Foto GmbH
Julia Fuchs (Master of Arts)

Kontaktdaten

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
fuchsj@uni-mainz.de





Beschreibung

Die Dissertation, die am Schnittpunkt von Informationsstrukturtheorie, Spracherwerbsforschung und Klinischer Linguistik angesiedelt ist, leistet erstens einen Beitrag zur Grundlagenforschung im Bereich des ungestörten Spracherwerbs. In diesem Zusammenhang sind insgesamt vier leitende Fragestellungen von Relevanz:

Für die produktive Modalität:
1)     Wie entwickelt sich bei sprachnormalen Kindern die Fähigkeit, neue Referenten mittels indefiniter Artikel einzuführen und gegebene Referenten mittels definiter Artikel wiederaufzunehmen, in Abhängigkeit vom Alter?
2)     Bestehen Zusammenhänge zwischen den sprachsystematischen und kognitiven Fähigkeiten und/oder dem Erwerbstyp und/oder dem Sprachstand von sprachnormalen und sprachauffälligen Kindern und ihren produktiven informationsstrukturellen Leistungen bei der Artikelwahl?

Für die rezeptive Modalität:
3)     Wie entwickeln sich die rezeptiven Leistungen im Hinblick auf Artikel mit ihren spezifischen informationsstrukturellen Aspekten in Abhängigkeit vom Alter?
4)     Bestehen Zusammenhänge zwischen den sprachsystematischen und kognitiven Fähigkeiten und/oder dem Erwerbstyp und/oder dem Sprachstand von sprachnormalen und sprachauffälligen Kindern und den rezeptiven Leistungen im Hinblick auf Artikel mit ihren spezifischen informationsstrukturellen Aspekten?

An dieser ersten Teilstudie nahmen insgesamt 130 Kinder und 20 Erwachsene teil. Die erlangten Erkenntnisse dieser Studie können der Klinischen Linguistik als ‚Folie‘ dienen, auf der abweichende Erwerbsmuster identifiziert werden können.

Insofern für die Einführung neuer Referenten und die Wiederaufnahme gegebener Referenten die Fähigkeit vonnöten ist, den Wissensstand des Rezipienten einzuschätzen (Was ist für mein Gegenüber neue Information, was bereits bekannte?), drängt sich die Frage auf, ob bzw. inwiefern Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung – die in der Fähigkeit, den Wissensstand des Gegenübers einzuschätzen, in der Regel beeinträchtigt sind – über diese elementaren sprachlichen Fähigkeiten verfügen. Vor diesem Hintergrund geht die Dissertation einer fünften leitenden Fragestellung nach:
5)     Unterscheiden sich Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störung bei der Produktion und Rezeption von indefiniten und definiten Artikeln mit ihren spezifischen informationsstrukturellen Aspekten von entwicklungsunauffälligen Kindern und Jugendlichen?

An dieser zweiten Teilstudie nahmen acht Kinder und Jugendliche mit Autismus-Spektrum-Störung sowie eine Gruppe mit nach Alter und Geschlecht parallelisierten Matching-Partnern teil.

Angesichts der disparaten Forschungslage stellten derartige Untersuchungen ein grundsätzliches Desiderat dar. Für das Deutsche im Besonderen lagen bis dato keinerlei Studien vor.

In methodischer Hinsicht kommen in beiden Teilstudien die elizitierte Sprachproduktion sowie Wahrheitswertaufgaben zum Einsatz.

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Zeichnung: Julia Fuchs

Betreuer/innen:

Prof. Dr. Christina Kauschke
Prof. Dr. Ulrike Domahs

externe Geldgeber

Promotionsstipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung (2016-2018)

Relevante Publikationen und Vorträge

  • Fuchs, Julia (2018): Was versteht man in der Informationsstrukturtheorie unter Fokus? In: Sprachwissenschaft 43(1), 31–70.
  • Fuchs, Julia (2017): Leichte Sprache und ihr Regelwerk – betrachtet aus der Perspektive der Informationsstruktur. In: Sprachwissenschaft 42(1), 97–119.
  • Fuchs, Julia (2015): Zum Zusammenhang von Theory of Mind und informationsstrukturellen Fähigkeiten bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung: Kritischer Überblick, Stand der Forschung und Desiderate. In: Adam, Séverine / Jacob, Daniel / Schecker, Michael (Hrsg.): Informationsstrukturen in Kontrast. Strukturen, Kompositionen und Strategien, Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang, 227–270 (COGNITIO. Kognitions- und neurowissenschaftliche Beiträge zur natürlichen Sprachverarbeitung 18).
  • Johannes Gutenberg-Universität Mainz; Linguistisches Kolloquium; „Erwerb von informationsstrukturellen Fähigkeiten. Produktion und Rezeption von (in)definiten Artikeln bei deutschsprachigen Kindern“; Vortrag gehalten am 19.11.2018.
  • Universität Siegen, Linguistisches Kolloquium; „Erwerb von informationsstrukturellen Fähigkeiten. Produktion und Rezeption von (in)definiten Artikeln bei deutschsprachigen Kindern“; Vortrag gehalten am 04.07.2018.
  • University of St Andrews, German Research Seminar; „Informationsstrukturelle Fähigkeiten und Beeinträchtigungen bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung. Stand der Forschung, Desiderate und Perspektiven“; Vortrag gehalten am 28.10.2014.