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Projektdetails

Projektleitung: Dr. Ömer Alkin
Projektlaufzeit: 2020-2023
Fachbereich: FB 09, Institut für Medienwissenschaft

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Seit mehr als dreißig Jahren untersuchen Wissenschaftler*innen unterschiedliche Konzeptionen des 'Okzidentalismus'. Zumeist versammeln sich in diesen Untersuchungen diskursanalytisch konzeptionierte Forschungen, die das dichotomische Verhältnis von Orient und Okzident und die komplexen diskursiven sowie historischen Verwicklungen auch in unterschiedlichen regionalen sowie nationalen Kontexten analysieren. Der diskursanalytischen Fundierung der Forschungen geschuldet findet in den Untersuchungen, die einer solchen Konzeption von 'Okzidentalismus' nachgehen, eine Vernachlässigung der jenseits der Textualität liegenden medienästhetischen Eigenschaften der Diskurse statt.

Obwohl in den Untersuchungen Radiosendungen, Fotografien oder andere mediale Typen untersucht werden, werden die nicht-textuellen medienästhetischen Qualitäten (also: Bild, Ton etc.) kaum in die Analyse einbezogen. Die Folge ist, dass die ästhetische Dimension von Diskursen analytisch unterbestimmt bleibt. Um hier die Rolle der medienästhetischen Qualitäten von Diskursen bei der Konstituierung von 'Okzidentalismus' besser zu verstehen, verfolgt das Forschungsprojekt folgende zentrale Frage: Welcher Anteil kommt medienästhetischen Qualitäten von Diskursen dabei zu, okzidentalistischen Diskurssinn zu konstituieren, also solche Diskurse, die darin bestehen, den Westen abwertend und abgrenzend so zu konstruieren, dass ein nicht-westliches Eigenes stabilisiert und gefestigt wird? Dieser übergeordneten Frage geht das Forschungsprojekt anhand eines Beispiels nach, das bisher vernachlässigt wurde.

Konkret untersucht es anhand filmischer Werkanalysen das filmische Schaffen des Begründers eines national-islamischen Kinos der Türkei, Yücel Çakmaklı (*1943-†2009) und arbeitet dezidiert filmästhetische Eigenschaften heraus, die die okzidentalistische Haltung des Regisseurs filmisch umsetzen. Am Beispiel seiner Filme stellen die Analysen so die wiederkehrenden filmästhetischen Besonderheiten heraus, die einen okzidentalistischen Diskurssinn im Sinne anti-westlicher Diskurse zur Stabilisierung einer eigenen nicht-westlichen Identität erzeugen. Hierbei konzentrieren sich die Analysen darauf, wiederkehrende filmische Strategien kategorienbildend, also empirisch gesättigt über das gesamte Oeuvre des Regisseurs hinweg zu identifizieren. Dadurch wird es auch für weitere, heuristisch als anti-westlich bestimmte filmische Diskurse möglich, sie als okzidentalistisch zu evaluieren und die filmästhetischen Leistungen am Zustandekommen solcher Evaluierungen zu beurteilen. Die beiden finalen Forschungsfragen lauten somit:Welche wiederkehrenden filmischen Verfahren im Dienste okzidentalistischer Diskursstrategien finden sich im Oeuvre des Diskursbegründers des islamischen Kinos der Türkei, Yücel Çakmaklı? In welche Kategorien lassen sich diese Verfahren einteilen, sodass die filmästhetischen Leistungen an der Umsetzung okzidentalistischen Diskurssinns deutlich werden?