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Aktuelle Fokusthemen
1. MRK:Fokus: Lesen@Zukunft
Wie verändert sich Lesen unter den Bedingungen von Digitalität – und welche neuen Kompetenzen, Praktiken und Formate entstehen dabei? Der Fokus Lesen@Zukunft bündelt Forschung und Lehre zu dieser Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln: Uns interessieren Social Reading und die neuen Formen literaturbezogener Kommunikation, die auf Plattformen wie BookTok, Instagram oder in Fan-Communities entstehen, ebenso wie neue literarische Genres (etwa Romantasy oder Dark Romance) und ihre Rezeptionsweisen. Wir fragen nach zeitgemäßen Wegen der Leseförderung und Kompetenzentwicklung, nach neuen Konzeptionen von Lesen jenseits klassischer Textlektüre – etwa multimodalem Lesen und sich neu ausbildenden Lesemodi – und nicht zuletzt danach, wie sich ein produktiver Umgang mit Leseirritationen und -widerständen gestalten lässt: jenen Momenten, in denen Leseprozesse stocken, irritiert werden oder sogar scheitern, und die gerade deshalb Anlass zu Reflexion bieten können. Dabei geht es nicht nur darum, was heute und in Zukunft gelesen wird, sondern auch darum, wie Lesen sozial geteilt, medial gerahmt, ästhetisch inszeniert und motivational unterstützt wird. Lesen@Zukunft versteht sich damit als offener Rahmen für die Frage, was Lesen heute und in Zukunft heißen kann – und wie sich Lesekompetenz unter diesen veränderten Bedingungen sinnvoll fördern lässt.
Umsetzung
Ausgangspunkt war der 2021 etablierte MRK-Fokus „Widerständiges Lesen", zu dem im SoSe 2021 ein interdisziplinärer Workshop durchgeführt wurde, eingebettet in ein Begleitseminar für fortgeschrittene Lehramts- und MA-Studierende. Im WiSe 2023/24 und WiSe 2024/25 wurde das Spektrum um zentrale Aspekte des Social Readings und des medienbewussten Lesens im digitalen Zeitalter erweitert. 2024 wurde das Teilprojekt „Wenn Literatur ins Netz geht: Die kulturelle Praxis des Social Reading in Leseförderung und literarischem Lernen" (entstanden in Kooperation mit PD Dr. Ines Heiser) angegliedert; daraus entstand u. a. die gemeinsame Vorlesung „Lesen: Eine kulturelle Praxis" (SoSe 2025).
Im WiSe 2026/27 führt das Seminar „Lesen der Zukunft: Neue Praktiken, Genres und Formate" (Mi, 18–20 Uhr, ab 21.10.26) diese Linien zusammen. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Entwicklungen der Lesekultur und die Frage, wie sich literarisches Lesen unter den Bedingungen von Digitalität, Medienkonkurrenz und sozialen Netzwerken verändert – von Social Reading, BookTok und Fanfiction über Young Adult Literature und digitale Lesemedien bis zu Leseinszenierungen in sozialen Medien sowie Fragen von Materialität und Materialitätsinszenierung. Neben gemeinsamen Analysen sind workshopartige Elemente, Gäste, Lesungen und Praxisbezüge vorgesehen.
Beteiligte WissenschaftlerInnen / Kooperationen (Auswahl)
Prof. Dr. Fabian Wolbring (NdL/Literaturdidaktik, Marburg), PD Dr. Ines Heiser (Literaturdidaktik, Marburg), Netzwerk Leseforschung, Prof. Dr. Ina Brendel-Kepser (PH Karlsruhe), PD Dr. Niels Penke (Universität Siegen),Bärbel Reifelshöfer, Prof. Dr. Steffen Gailberger (Literaturdidaktik, Wuppertal), Prof. Dr. Anne Holzmüller (MuWi, Marburg), PD Dr. Nicola König(Literaturdidaktik, Marburg), Prof. Dr. Andrea Polaschegg (NdL, Bonn), Franziska Plettenberg (Literaturdidaktik, Marburg), Prof. Dr. Florian Radvan (Fachdidaktik Deutsch, Bonn), Prof. Dr. Ute Schneider (Buchwissenschaft, Mainz), Prof. Dr. Corinna Schlicht (NdL, Duisburg-Essen), u.a.
2. MRK:Fokus: Lied und Lead - Suggestionen des Liedhaften nachvollziehen
Der Fokus verbindet sprach-, literatur- und musikwissenschaftliche Analysezugänge, um das Liedhafte als wesentliches Merkmal popularisierungsfähiger Texte und Texteinheiten zu ergründen. Diese sollen dann sukzessive didaktisiert und in Unterrichtsvorhaben für die Schule überführt werden. Der suggestive Charakter des Liedhaften (auch in Hooklines, Jingles, Hashtags, Memes, Slogans, u.ä.) soll dadurch fass- und reflektierbar werden. Dabei werden dezidiert die Querschnittsthemen Digitalisierung und Demokratiebildung fokussiert, da besonders jene Liedaspekte herausgearbeitet werden, die sozialmediale Entsprechungen im digitalen Kommunikationsverhalten und populistischer Rhetorik haben (Prägnanz, Formelhaftigkeit, Tag-Qualität).
Umsetzung
Der Fokus ist kooperativ eingebunden in die sich konstituierende Forschergruppe „Lied“ (Marburg, Siegen, Bonn) und profitiert von dessen konzeptionellen Vorarbeiten und Aktivitäten, etwa in der Ringvorlesung (RV: „Following the Lieder - Formen, Praktiken und Potentiale einer dynamischen Gattung“. Er wird vor allem über interdisziplinäre Exkursions-Seminare in die Lehre implementiert. Dabei werden Songs in interdisziplinären Tandems vorbereitet und in gemeinsamen Werkstattsitzungen erschlossen und didaktisiert. Die Seminare beziehen dabei außerschulische Lernorte als produktive Lernumgebung mit ein und nutzen auch kreative und handlungs- und produktionsorientierte Lehrmethoden (Soundscaping, Schreibwerkstatt, immersive Spaziergänge). Nach Seminaren im Schloss Rauischholzhausen und im Kleinwalsertal (Österreich) folgt im WS 24/25 eine Exkursion in die „Liederstadt: Berlin“.
Beteiligte WissenschaftlerInnen / Kooperationen (Auswahl)
Prof. Dr. Fabian Wolbring (NdL/Literaturdidaktik, Marburg), Prof. Dr. Anne Holzmüller (MuWi, Marburg), Prof. Dr. Andrea Polaschegg (NdL, Bonn), Prof. Dr. Tobias Janz (MuWi, Bonn), Prof. Dr. Felix Sprang, (Anglistik, Siegen), Prof. Dr. Katharina Hottmann (Musikwissenschaft, Siegen), Prof. Dr. Yasmin Temelli (Lateinamerikanistik, Siegen), Dr. Annika Hildebrandt (NdL, Bonn), u.a.
3. MRK:Fokus: Alles von der Kunstfreiheit gedeckt? – Mediale Gewaltakte be- und verurteilen
Der Fokus geht den Fragen nach, nach welchen pragmatischen, ästhetischen und moralischen Kriterien sich invektive Sprechakte/mediale Gewaltakte bestimmen lassen, welche Formen von Invektivität/medialer Gewalt in der öffentlichen medialen Kommunikation manifest werden, welche rhetorischen Strategien dabei von den DiskursakteurInnen angewandt werden und welche strukturellen und poetischen Ebenen besonders daran beteiligt sind. Dabei betrachten wir insbesondere literarische bzw. ästhetische Äußerungsformen und deren ambivalenten rechtlichen wie funktionalen Status.
Der Fokus knüpft an virulente gesellschaftliche Diskurse zum einen vor dem Hintergrund der Wokeness-Debatte rund um Cancel Culture und Hate Speech und zum anderen an künstlerische Verantwortung und Machtmissbrauch an, die entemotionalisiert und im interdisziplinären Austausch systematisch fassbar gemacht werden. Die Ergebnisse sollen dabei auch für Unterrichtszwecke operationalisiert werden, um so einerseits Medienreflexionskompetenz zu fördern und andererseits für einen verantwortlichen Sprach- und Mediengebrauch zu sensibilisieren. Zugleich soll der Fokus einen methodischen Beitrag zur Begutachtung von Beleidigungsdelikten in juristischen Kontexten leisten.
Umsetzung
Der Fokus wird in interdisziplinären Lehrprojekten umgesetzt, die unmittelbar mit co-studentischen Arbeitstagungen und Workshops verzahnt werden. So wurde im SoSe 2022 bereits eine interdisziplinäre Arbeitstagung veranstaltet. Diese war eingebettet in zwei Begleitseminare für fortgeschrittene Lehramts- und MA-Studierende, die konzeptionell in die Planung und Umsetzung der Tagung einbezogen wurden (Poster-Präsentationen, Studienprojekte). Dieses Modell wird 2024 aufgegriffen und erweitert. Die Ergebnisse werden wiederum in einem zweitägigen Workshop mit öffentlichem Eröffnungsvortrag einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt und im interdisziplinären Austausch mit Expert:innen aus den Rechts-, Medien-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften kritisch diskutiert. In Erweiterung des Konzeptes von 2022 kommt die Verzahnung mit der linguistischen Diskussionsreihe "Zur Debatte" neu hinzu. Zudem wird die Erstellung und Publikation eines Leitfadens (digital/print) zum Umgang mit Literatur in gesellschaftlichen und juristischen Streitfragen als wissenschaftlich-didaktisches Ergebnis des Projektes forciert.
Beteiligte WissenschaftlerInnen
Prof. Dr. Hania Siebenpfeiffer, Prof. Dr. Fabian Wolbring, Prof. Dr. Constanze Spieß, Lukas Müller, Raja Moeller, Franziska Plettenberg (alle Marburg), Prof. Dr. Silvia Bonacchi (Warschau), PD Dr. Martin Seeliger (Bremen), Prof. Dr. Tobias Gostomzyk (Dortmund), u.a.
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