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"re_constructing intersex. Intergeschlechtliche Körper zwischen Enteignung und Emanzipation."

Interdisziplinäre Ringvorlesung. Queer_Verbindungen: Gender Studies jenseits der binären Geschlechterordnung

Veranstaltungsdaten

24. Mai 2018 18:00 – 24. Mai 2018 20:00

Hörsaalgebäude Raum +2/0090

Auch aktuell (und auch trotz der Änderung des §22 PStG im November 2012) setzt sich die Deutungshoheit der Medizin über die Geschlechtszuweisung bei intergeschlechtlichen Menschen fort. Wie eine neuere Studie von Ulrike Klöppel zur Häufigkeit von Genitaloperationen an Kindern zeigt, ist der vorherrschende Duktus des Diskurses weiterhin einer der operativen und/oder medikamentösen Zurichtung der Körper baldmöglichst nach Diagnosestellung. Ob den betreffenden Personen die Option einer Nicht-Behandlung nahegelegt wird, hängt von den behandelnden Mediziner_innen ab. Das Geschlecht-Werden (embodiment) der allermeisten intergeschlechtlichen Menschen ist damit bislang maßgeblich beeinflusst durch Operationen, Medikamentengabe und die Erfahrungen mit medizinischen Behandlungsmethoden (bildgebenden Verfahren, Untersuchungen etc.), die entlang der Norm der Zweigeschlechtlichkeit (immer auch zu verstehen als Zweikörpergeschlechtlichkeit) den intergeschlechtlichen Körper als krisenhaft inszenieren und dessen Zustand vor der Diagnose (und Zurichtung) als krank und defizitär (weil ‚ungeschlechtlich‘) markieren.

Im Rahmen meiner Dissertation habe ich eine Biographieforschung mit intergeschlechtlichen Menschen durchgeführt, in der ich der Frage nachgegangen bin, wie Intergeschlechtlichkeit als Selbstverständnis entwickelt werden kann, wenn die Biographie geprägt ist von der Veranderung und Unsichtbarmachung dieser Identifikationsoption. Der Vortrag stellt destruktive wie konstruktive Momente der Biographien heraus und stellt Strategien des Unterlaufens der Zweigeschlechtlichkeits-Norm vor. Abschließend möchte ich das theoretische Potential intergeschlechtlicher Erzählungen für die Reflexion der Kategorie Geschlecht zur Diskussion stellen.

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Referierende

Joris A Gregor (Soziologie, Jena)

Veranstalter

Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung

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