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Auf den Spuren des Völkermordes an den Herero und Nama: Exkursion nach Namibia vom 7. bis zum 19. Dezember 2019

Namibia Windhoek Train Station
Foto: Wolfgang Form

Vom 7. bis zum 19. Dezember 2019 begaben sich elf Studierende unter der Leitung von Dr. Wolfgang Form, Geschäftsführer des ICWC, und Prof. Dr. Eckhardt Koch, Professor am Institut für Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaft der Universität Marburg, auf eine Studienreise nach Namibia. Die Studierenden und Lehrenden aus den Fächern Rechtswissenschaft, Friedens- und Konfliktforschung, Soziologie, International Development Studies, Europäische Ethnologie und Kultur- und Sozialanthropologie gingen bei ihren Aufenthalten in der Landeshauptstadt Windhoek und am Waterbergplateau der Frage nach, wie die deutsche Kolonialzeit im Allgemeinen und der Völkermord an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 im Besonderen heute in der namibischen Gesellschaft erinnert werden.

Namibia Windhoek Goethe-Institut
Foto: Wolfgang Form

Auf dem Programm der Exkursion stand eine Reihe von Gesprächen mit unterschiedlichen Akteuren in der namibischen Gesellschaft, darunter Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Interessengruppen der Herero, vor Ort tätiger deutscher Institutionen wie GIZ, Goethe-Institut und deutsche Botschaft sowie der Bischof der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Windhoek und der ehemalige Leiter des namibischen Nationalarchives. Diese Gespräche eröffneten den Teilnehmenden der Exkursion eine Vielfalt an Perspektiven auf die Frage nach der Aufarbeitung des kolonialen Erbes und der Erinnerung an den Völkermord sowie die Folgen der historischen Ereignisse auf die Lebenssituation unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen im heutigen Namibia.

Genocide Memorial vor dem Hintergrund des Independence Memorial Museum und der Alten Feste in Windhoek
Foto: Michelle Tredup

Neben dem Austausch mit diversen Stakeholders bildete der Besuch verschiedener Museen, Gedenkstätten und historischer Orte den Kern der Studienreise. So besuchten die Teilnehmenden das Independence Memorial Museum und das Owela Museum in Windhoek, Gräber von Soldaten der deutschen Schutztruppe und dem damaligen Paramount Chief der Herero in Okahandja und das mittlerweile geschlossene Okakarara Community Cultural and Tourism Centre, welches 2004 anlässlich des hundertsten Jahrestags der Schlacht am Waterberg von der damaligen deutschen Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul eröffnet worden war. Am Waterberg, dem historischen Ort der Entscheidungsschlacht im Krieg der Deutschen gegen die Herero, erhielten die Studierenden eine Vorstellung von den räumlichen Dimensionen der Gegend, welche durch das weiträumige Waterbergplateau und die es umgebenden, sich über etliche Hektar erstreckenden Farmen geprägt ist.

Christuskirche in Windhoek aus der Vogelperspektive
Foto: Wolfgang Form

Im Ergebnis ermöglichte die zwölftägige Exkursion ein intensives, wenn auch fragmentarisches Eintauchen in die namibische Gesellschaft, ihre Erinnerungskultur, aktuelle Konfliktlinien und Diskurse, und vermittelte ein differenziertes, von Komplexität geprägtes Bild.

  • Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Historischer HintergrundHistorischer Hintergrund

    Das Territorium des heutigen Namibias befand sich von 1884 bis 1919 unter deutscher Kolonialherrschaft. Im Januar 1904 erhob sich die ethnische Gruppe der Herero gegen die deutschen Kolonialherren und -frauen und begann damit den Kolonialkrieg, welcher im August 1904 in der Entscheidungsschlacht am Waterberg kulminierte und in einen Völkermord mündete. Die ethnische Gruppe der Nama schloss sich im Oktober 1904 an den antikolonialen Kampf der Herero an und wurde ebenfalls militärisch besiegt. Die Überlebenden beider Gruppen wurden im Anschluss an den Krieg bis 1908 in Konzentrationslagern gefangen gehalten, mussten für die deutsche Kolonialmacht arbeiten und starben zu tausenden an Erschöpfung, Hunger und Misshandlungen. Die Einschätzung, dass es sich bei den Ereignissen um einen Völkermord handelt, beruht auf dem sogenannten „Vernichtungsbefehl“ des damaligen militärischen Befehlshabers Lothar von Trotha an das Volk der Herero vom 2. Oktober 1904 im Zusammenhang mit den Geschehnissen während des und im Anschluss an den Krieg zwischen 1904 und 1908.