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Jahresfeier 2015 | 8. Marburger Vorlesung zum Völkerstrafrecht mit Prof. Bertram Schmitt

Die Marburger Vorlesung zum Völkerstrafrecht gehört mittlerweile zum akademischen Jahreskalender nicht nur des Internationalen Forschungs- und Dokumentationszentrums Kriegsverbrecherprozesse (ICWC) und der das Zentrum tragenden Fachbereiche Rechtswissenschaften (01), Gesellschaftswissenschaften und Philosophie (03) sowie Geschichte und Kulturwissenschaften (06), sondern der gesamten Marburger Universität. Prominente Referenten, zu denen in den letzten Jahren Bundesverfassungsrichter Udo di Fabio, der UN-Beauftragte für Religionsfragen Heiner Bielefeldt und der Direktor des Münchener Instituts für Zeitgeschichte Andreas Wirsching gehörten, haben die Marburger Vorlesung zum Völkerstrafrecht zu einem wichtigen Ereignis werden lassen, das auch über Marburg hinaus bei Wissenschaftlern und Praktikern von Völkerstrafrecht und Fragen der Transitional Justice auf Interesse stößt.

Foto Jahresfeier 2015 Prof. Dr. Bertram Schmitt
Foto: ICWC
Jahresfeier 2015 Prof. Dr. Bertram Schmitt

In diesem Jahr war Professor Dr. Bertram Schmitt, deutscher Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, der Gastredner. Schmitt ist Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie an der Universität Würzburg. Er war Richter am Bundesgerichtshof, ist Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wurde Ende 2014 zum Richter in Den Haag gewählt. Wie kaum ein Anderer verbindet Professor Schmitt im Bereich des Internationalen Strafrechts die Welten von Rechtspraxis und Rechtswissenschaft. Thema seines Vortrags war das Strafverfahrensrecht des Internationalen Strafgerichtshofs: „Ein gelungener Kompromiss zwischen common law and civil law? Das Verfahrensrecht des Internationalen Strafgerichtshofs“.Verfahren vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag kopieren nicht einfach existierendes, nationales Strafprozessrecht, sondern sie versuchen Elemente des angelsächsisch geprägten common law (adversatorisch) und des kontinentaleuropäisch geprägten civil law (inquisitorisch) miteinander zu verbinden. Damit stellt das Strafprozessrecht des Internationalen Strafgerichtshofs ein faszinierendes und noch nie da gewesenes Experiment dar. Erst allmählich rückt diese Tatsache in die Aufmerksamkeit der Wissenschaft. Die Vorlesung warf vor diesem Hintergrund einen genauen Blick auf das Strafverfahren des Internationalen Strafgerichtshofs und fragt, ob der Den Haager Kompromiss zwischen common law und civil law eher die besseren oder eher die schlechteren Aspekte beider Prozesswelten vereint hat oder ob er wenigstens einen gangbaren Mittelweg etabliert hat.

Traditionell finden die Jahresfeiern des ICWC in der ehrwürdigen Alten Aula der Philipps-Universität statt.
Foto: ICWC
Traditionell finden die Jahresfeiern des ICWC in der ehrwürdigen Alten Aula der Philipps-Universität statt.

Eingeleitet wurde dieser Festvortrag von einem Grußwort des Dekans des Fachbereichs Geschichte und Kulturwissenschaften, Professor Dr. Benedikt Stuchtey und einem Tätigkeitsbericht des Geschäftsführenden Direktors des ICWC, Professor Dr. Eckart Conze, in dem er die vielfältigen Aktivitäten des Zentrums und seiner Mitarbeiter in den Bereichen Lehre, Forschung und Dokumentation vorstellte und erläuterte und dabei insbesondere die im Umfeld des Zentrums durchgeführten Dissertationsprojekte hervorhob. Seinen Bericht schloss Professor Conze mit einem großen Dank an den in diesem Jahr ausgeschiedenen langjährigen Zentrumsdirektor Professor Dr. Christoph Safferling, mit dessen Namen die Entwicklung des Zentrums in der jüngeren Vergangenheit untrennbar verbunden ist. Wie Conze mitteilte, wird Safferling dem ICWC jedoch auch in Zukunft noch erhalten und verbunden bleiben: als Vorsitzender des Fördervereins des Forschungs- und Dokumentationszentrums.

Foto Jahresfeier 2015 Monitors
Foto: ICWC
Jahresfeier 2015 Monitors

Eines der größten Projekte, die Safferling am ICWC initiiert hatte, stellt der deutschlandweit einzigartige Ausbildungsgang des ICWC Trial-Monitoring Programme dar. Die fachliche Leitung hat inzwischen PD Dr. Ken Eckstein übernommen. Wie bereits in der Vergangenheit wurden auch in diesem Jahr an die frisch qualifizierten internationalen Marburger Prozessbeobachter die Urkunden über den Abschluss dieser Ausbildung im Rahmen der Jahresfeier überreicht.


Die gut besetzte Aula und die vielen angeregten Diskussionen beim anschließenden Stehempfang zeigten, dass auch 2015 die Marburger Vorlesung zum Völkerstrafrecht auf großes Interesse bei Studierenden, Lehrenden aber auch vielen Gästen von außerhalb gestoßen ist.