02.10.2026 DFG-Präsidentin Katja Becker im Interview
Wissenschaftsfreiheit unter Druck – und warum Zusammenhalt jetzt entscheidend ist
In Deutschland genießen Forschende freie Themen- und Institutionswahl – im Gegensatz zu den USA, wo die Forschungsfreiheit unter massivem politischen Druck steht. Die DFG hat dennoch ungewöhnlich deutlich vor der AfD gewarnt: "Die AfD will nicht nur einzelne Forschende, Forschungsfelder und Institutionen, sondern die Wissenschaft als Ganzes diskreditieren. Sie schlägt vermeintliche Lösungen vor, die ins Gestern führen und de facto die Wissenschaftsfreiheit beschneiden würden." Die DFG plädiert für einen aktiven gegenseitigen Beistand: gemeinsame Stellungnahmen, Finanzierung von Anwaltskosten, Unterstützung bedrohter Disziplinen und sogenannte "innerdeutsche Exiloptionen" – alternative Arbeitsorte für Forschende oder Institutionen, deren Arbeit behindert wird. "Im Zweifelsfall muss jeder von uns aufstehen", so Becker.
Drei zentrale Fragen zur Forschungssicherheit
1. Wo endet notwendige Vorsicht – und wo beginnt schädliche Abschottung?
Becker setzt auf "verantwortungsvolle Offenheit" statt Abschottung – internationale Kooperation bleibt ein Grundprinzip der Wissenschaft.
2. Wer entscheidet über Risiken und Nutzen von Kooperationen?
Die Bewertung muss in der Verantwortung der Wissenschaft bleiben – nur Forschende selbst können ihre Projekte und Risiken einschätzen.
3. Wie schafft man Handlungssicherheit?
Becker fordert eine nationale Plattform für Forschungssicherheit, die Wissenschaft, Bund, Länder und Sicherheitsbehörden zusammenbringt, Risiken einordnet und berät. Langfristig braucht es ein international anerkanntes Regelwerk für sichere Kooperationen.
Die DFG musste ihre Förderquoten in fast allen Programmen senken – Folge steigender Kosten und Antragszahlen. Becker: "Wir haben einfach nicht genügend Mittel, um all die hervorragenden Projekte zu finanzieren." Der Drei-Prozent-Aufwuchs im Pakt für Forschung und Innovation hält mit der Kostenentwicklung nicht Schritt. Zugleich wächst das Budget der chinesischen Partnerorganisation NSFC voraussichtlich um das Doppelte..Becker verteidigt den Drittmittelwettbewerb: Er sichere Qualität und schütze vor politischer Einflussnahme – genau hier verdrehe die AfD die Tatsachen. Grund- und Drittmittel dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Quelle: Wiarda-Blog
Das ganze Interview finden Sie hier.