12.01.2026 GIZ-Studie: Chinesische Perspektiven auf Deutschland
Eine neue qualitative Studie untersucht aktuelle Wahrnehmungen Deutschlands aus chinesischer Perspektive. Grundlage sind 45 Tiefeninterviews mit chinesischen Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien, Kultur und Zivilgesellschaft mit umfassender Deutschlanderfahrung. Die Gespräche fanden im Frühjahr 2025 in Peking und Shanghai statt.
China hat sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Akteur der Weltpolitik und Weltwirtschaft entwickelt. Diese Entwicklung löst in Deutschland zugleich Neugier, Bewunderung, aber auch wachsende Unsicherheit aus. Während die enge wirtschaftliche Verflechtung beiden Seiten lange Wohlstand brachte, ist das deutsche Chinabild heute zunehmend von Skepsis geprägt – verdichtet in Begriffen wie „systemischer Rivale“ und „De-Risking“.
Was dabei häufig fehlt, ist der Blick aus China: Wie nehmen Chinesinnen und Chinesen Deutschland wahr? Welche Erwartungen, Hoffnungen und Irritationen prägen ihr Bild der Bundesrepublik?
Die vorliegende GIZ-Studie „Chinesische Perspektiven auf Deutschland“ greift genau diese Fragen auf. Im Sommer 2025 wurden vor Ort 45 qualitative Interviews mit chinesischen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Medien geführt. Ziel der Studie ist es, deutsche China-Kompetenz zu stärken, indem chinesische Sichtweisen nicht bewertet, sondern nachvollziehbar gemacht werden.
Dabei wird deutlich, mit welcher Stimmungs- und Erwartungslage deutsche Akteure heute in den Dialog mit chinesischen Entscheidungsträgern eintreten:
„In jedem Fall lässt sich anhand der in der Studie wiedergegebenen Aussagen der chinesischen Gesprächspartnerinnen sehr deutlich ablesen, auf welche Stimmungs- und welche Gefühlslage, welche Fragen und welche Erwartungshaltung deutsche Gesprächspartner heutzutage treffen, wenn sie in einen Dialog mit chinesischen Entscheidungsträgern und Partnern eintreten. […] Mehrheitlich zeigen sich:
- tiefe Enttäuschung über die wahrgenommene Abwendung Deutschlands von China
- Verletzung durch eine als ungerecht und unfair empfundene Berichterstattung
- Ablehnung moralischer Belehrungen
- Unsicherheit über Deutschlands heutige Interessen
- Sorge vor einer Überbetonung von Sicherheit
- zugleich anhaltende Hochachtung vor deutscher Ingenieurskunst
- große Offenheit für pragmatische Kooperation und Wiederannäherung.“
(Studienbericht „Chinesische Perspektiven auf Deutschland“, S. 83)
Die Studie macht deutlich: Deutschland gilt weiterhin als wichtiger Bezugspunkt und für viele als Sehnsuchtsort – zugleich wächst die Erwartung, dass Deutschland seine Rolle, Interessen und strategische Handlungsfähigkeit klarer definiert. Die Ergebnisse unterstreichen, dass aktives Zuhören und differenziertes Verstehen keine Schwäche darstellen, sondern eine zentrale Voraussetzung für eine realistische, vorausschauende und belastbare China-Politik sind.
Die vollständige Studie „Chinesische Perspektiven auf Deutschland“ finden Sie hier.