07.05.2026 Interview hebt Bedeutung nachhaltiger China-Kompetenz in Deutschland hervor
In einem aktuellen Interview zu den deutsch-chinesischen Beziehungen betont der Historiker und Politikwissenschaftler Stefan Messingschlager die wachsende Bedeutung langfristiger China-Kompetenz für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Deutschland. Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen aktuelle Herausforderungen rund um die langfristige Förderung und Institutionalisierung von China-Kompetenz in Deutschland, darunter auch Debatten über die zukünftige Entwicklung der Initiative „Regio China“ und regionaler China-Kompetenzzentren.
Messingschlager zufolge sollte China-Kompetenz nicht als Nischenwissen verstanden werden, das ausschließlich der Sinologie vorbehalten ist, sondern als strategische Fähigkeit, Entwicklungen in China auf Grundlage von Sprachkenntnissen, Kontextwissen und fundierter Quellenanalyse einordnen zu können. Deutschland setze bislang weiterhin zu stark auf kurzfristige Projektförderungen, obwohl China langfristig ein zentraler globaler Akteur sowie zugleich Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale Europas bleibe.
Die im Rahmen des Regio-China-Programms aufgebauten regionalen China-Kompetenzzentren bieten Fortbildungen und Beratungsangebote unter anderem zu Forschungssicherheit, chinesischem Recht, Datenschutz und internationalem Kooperationsmanagement an. Angesichts auslaufender Förderstrukturen stehen viele dieser Angebote derzeit vor Unsicherheiten.
Zudem verweist Messingschlager auf Entwicklungen in anderen europäischen Ländern wie den Niederlanden, Schweden und Großbritannien, in denen Regierungen langfristige institutionelle Strukturen für China-bezogene Expertise und Politikberatung aufgebaut haben. Deutschland sollte China-Kompetenz daher als Teil seiner strategischen Wissensinfrastruktur verstehen und nachhaltiger in Sprachförderung, akademischen Austausch und unabhängige Forschungskapazitäten investieren.
Darüber hinaus thematisiert das Interview die Bedeutung wissenschaftlichen Austauschs mit China sowie die Notwendigkeit, Transparenz, Wissenschaftsfreiheit und institutionelle Unabhängigkeit in internationalen Kooperationen sicherzustellen.