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Diversitätsorientierte Lehre
Befragungs- und Studienergebnisse zu Diskriminierungserfahrungen, wie sie beispielsweise an der Philipps-Universität Marburg, der Technischen Hochschule Mittelhessen oder der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel durchgeführt wurden, zeigen, dass ein Großteil der Diskriminierungsvorfälle nicht nur außerhalb des Lehrkontextes stattfindet, sondern vor allem dort. Dabei werden häufig Lehrende als Ausgangspersonen der Diskriminierung wahrgenommen. Als Lehrperson prägen Sie mit Ihrem Handeln, Ihren Themensetzungen und Ihrer Moderation die Lehr-Lern-Atmosphäre maßgeblich. Sie sind somit ein*e zentrale*r Akteur*in, um ein diskriminierungssensibles Umfeld zu schaffen und auf mögliche Vorfälle angemessen zu reagieren.
(Vgl. z.B. Schinköthe et al. (2023) S. 16 (PDF); Bleicher-Rejditsch et al. (2015), S.10-11 (PDF); Berghan, Preuß, Dubbert (2016), S. 23; Klein, Rebitzer (2012), S. 132; Teichert, G. (Hrsg.). (2018), S. 59, 61.
Diese Erkenntnis kann zunächst verunsichern, eröffnet aber zugleich wertvolle Entwicklungsmöglichkeiten für die eigene Lehre. Viele Diskriminierungsvorfälle geschehen ohne bewusste Absicht, beispielsweise durch unreflektierte Sprachgewohnheiten oder die Reproduktion von Stereotypen. Solche unbewussten Wahrnehmungs- und Urteilsverzerrungen, auch „unconscious bias“ genannt, sind menschlich. Unser Gehirn nutzt Stereotype und pauschale Ansichten, um Komplexität zu reduzieren und Entscheidungen zu beschleunigen. Eine diversitätsbewusste Haltung einzunehmen, ist daher eine Chance und ein Lernprozess, bei dem es nicht um Schuldzuweisungen geht, sondern um die Erweiterung der eigenen Kompetenzen. Es geht darum, sich der eigenen Vorannahmen bewusst zu werden, die eigene Position zu reflektieren und die Wahrnehmung für die vielfältigen Lebensrealitäten der Studierenden zu schärfen. Dieser Prozess der Selbstreflexion ist ein wichtiger Schritt, um eine wertschätzende und fehlerfreundliche Lernatmosphäre zu schaffen, in der sich alle Studierenden wohlfühlen und ihre Potenziale entfalten können.
Daher ist es wichtig, sich mit der Thematik, der eigenen Haltung, eigenen (Nicht-/) Privilegien, Handlungsoptionen sowie der strukturellen Verankerung von Diversität an der Philipps-Universität Marburg und darüber hinaus auseinanderzusetzen.
Dieser Leitfaden soll zu einem verstärkten Bewusstsein und zu einer (weiteren) Sensibilisierung beitragen, indem die eigene Lehrpraxis aus und mit Worten der Diversitätsperspektive betrachtet wird.