Hauptinhalt

Diversitätsorientierte Lehre gestalten

Auf dieser Seite stellen wir verschiedene Aspekte diversitätsorientierter Lehre vor. Diese sollen Ihnen einen Einstieg in die Thematik ermöglichen und aufzeigen, welchen Einfluss der jeweilige Aspekt auf Lernen und Lehren haben kann. Daran anknüpfend werden mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt, mit denen Sie Ihre Lehre studierendenorientierter und diversitätssensibler gestalten können. Zudem finden Sie zu jedem Aspekt weiterführende Links zu Informationen, Angeboten und Materialien. 

Diskriminierung in der Hochschullehre verhindern und darauf reagieren

Diskriminierung ist die bewusste oder unbewusste Benachteiligung oder Abwertung von Personen aufgrund zugeschriebener oder tatsächlicher persönlicher Merkmale. Sie kann direkt oder indirekt (durch Regeln und Praktiken, die bestimmte Gruppen unverhältnismäßig benachteiligen), kulturell (durch Normen-, Ideal- und Wertvorstellungen) oder strukturell (durch historisch gewachsene, institutionelle Muster) auftreten. Studien zeigen, dass Diskriminierung an Universitäten und Hochschulen vor allem im Rahmen der Lehrveranstaltungen stattfindet und von Lehrenden, aber auch von Mitstudierenden ausgehen kann (Vgl. z.B. Schinköthe et al. (2023) S. 16 (PDF)Bleicher-Rejditsch et al. (2015), S.10-11 (PDF); Berghan, Preuß, Dubbert (2016), S. 23 (Webseite); Klein, Rebitzer (2012), S. 132; Teichert (Hrsg.). (2018), S. 59, 61

Soziale Kategorien wie Geschlecht, soziale Herkunft, Ethnizität, Behinderung, sexuelle Orientierung oder Religion können sich überschneiden und sind oft miteinander verwoben. Dies kann zu spezifischen Arten von Diskriminierungs- und Benachteiligungserfahrungen führen und wird mit dem Begriff der  Intersektionalität beschrieben.  

Diskriminierung kann in der Lehre u. a. auftreten in Form von voreingenommenen (Leistungs-)Erwartungen, ungleichen Bewertungspraktiken, fehlender Zugänglichkeit und Barrierefreiheit, einer exkludierenden Lernumgebung sowie Mikroaggressionen, offener Diskriminierung und gruppen- und personenbezogenen Marginalisierungen. Weitere Informationen zu den verwendeten Begriffen finden Sie auf der  Glossar-Seite.

Diskriminierung kann die Lernleistung, die psychische Gesundheit und den Studienerfolg beeinträchtigen, das Zugehörigkeitsgefühl schwächen und Abbruchrisiken erhöhen (z.B. Koch, Dollase (2009), S.345-347., Bittner, Fiebig (2018), S. 74-96.Schmitt et al (2014), Psychological Bulletin, 140(4), S. 921–948.).
Diversitätsorientierte Lehre fördert entsprechend Chancengerechtigkeit, wissenschaftliche Qualität, Perspektivenvielfalt und ein respektvolles, produktives Lernklima, indem sie die Verschiedenheit aller Lernenden anerkennt und in geeigneter Weise berücksichtigt, dadurch Diskriminierungen reduziert und gleichberechtigte Bildungschancen ermöglicht. Zudem gehört die diversitätssensible Gestaltung der Lehre sowie der Schutz vor Benachteiligung und Diskriminierung zu den Kernaufgaben der Hochschulen. Dies ist unter anderem im Hessischen Hochschulgesetz §3 Abs.5 verankert.

zurück nach oben

Diversitykompetenz aufbauen und Verbündetsein (Allyship)

Diversitykompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Vielfalt in Studierendengruppen zu erkennen, wertzuschätzen und aktiv einzubeziehen. Sie umfasst Wissen über unterschiedliche Lebensrealitäten, reflektierte eigene Haltungen und die Bereitschaft zur Anpassung von Lehr- und Prüfungsformaten.
Allyship bedeutet, sich bewusst und aktiv für marginalisierte Gruppen einzusetzen – nicht als „Sprecher*in“ für sie, sondern als unterstützende Person, die Strukturen hinterfragt, Barrieren abbaut und solidarisch handelt. Als Ally geht es nicht darum, „die Lösung“ zu sein, sondern darum, zuzuhören, zu lernen, zu unterstützen und zu handeln – auch wenn man selbst nicht direkt betroffen ist. Allyship ist dabei kein Label, welches sich selbst gegeben werden kann. Vielmehr ist es ein Ziel, das es gilt in einer von Diskriminierung geprägten Gesellschaft immer weiter anzustreben.

Lehrende mit hoher Diversitykompetenz und gelebtem Allyship schaffen ein Umfeld, in dem sich Studierende sicher und wertgeschätzt fühlen. Dies stärkt die Beteiligung, die Motivation und die Leistungsbereitschaft der Studierenden. Dadurch erleben alle Studierenden (privilegierte und marginalisierte) eine stärkere Zugehörigkeit, was sich positiv auf die Studienzufriedenheit, ihren Abschlusserfolg und spätere Karrierechancen auswirken kann. 

zurück nach oben

Zugänglichkeit und Barrierefreiheit

Zugänglichkeit beschreibt, dass Lehrangebote ohne Hürden und von allen Studierenden gleichberechtigt genutzt werden können – unabhängig von persönlichen, sozialen und kulturellen Faktoren. Zugängliche Lehre ist z.B. Lehre, die auch asynchron verfolgt werden kann und so auch Personen mit Care-Verpflichtungen oder berufstätigen Studierenden eine Teilnahme ermöglicht. 

Barrierefreiheit als spezifischer Teilaspekt der Zugänglichkeit bedeutet, dass Lehrmaterialien, Räume, digitale Plattformen und Prüfungsformate so gestaltet sind, dass physische, digitale, kommunikative oder sensorische Barrieren abgebaut sind und allen Studierenden (v.a. solchen mit einer Behinderung) eine gleichberechtigte Teilhabe möglich ist.

Fehlende Zugänglichkeit und Barrierefreiheit kann den Zugang zu Lehre bzw. Inhalten erschweren oder ganz verhindern. Dies kann einerseits bestimmte Gruppen von dem Zugang zu Hochschulbildung ausschließen und andererseits Lernerfolg und Studienabschluss gefährden oder ganz verhindern. Zugängliche und barrierefreie Lehre erhöht dagegen Teilhabe aller Studierenden an hochschulischer Bildung und unterstützt selbstbestimmtes Lernen. Sie schafft Chancengleichheit, verbessert die Studienzufriedenheit und erhöht die Studienmotivation bei allen Studierenden. 

zurück nach oben

Prüfungen und Nachteilsausgleiche

Nachteilsausgleiche sind individuell zugeschnittene Maßnahmen, die Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen ermöglichen sollen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten unter fairen Bedingungen zu zeigen. Sie gleichen studien- oder prüfungsbedingte Benachteiligungen aus, ohne die Anforderungen oder Lernziele zu verändern. Beispiele sind eine verlängerte Prüfungszeit, Aufgabenstellungen in angepassten Formaten (z.B. in vergrößerter Schrift) oder zusätzliche technische Hilfsmittel.

Standardisierte Prüfungsbedingungen können für Studierende mit Einschränkungen Barrieren schaffen – etwa durch zeitliche Vorgaben, ungeeignete Prüfungsorte, fehlende Hilfsmittel oder Formate, die bestimmte Fähigkeiten voraussetzen (z. B. schnelles Schreiben, visuelle Wahrnehmung). Solche Bedingungen können den tatsächlichen Leistungsstand verfälschen und unnötigen Stress verursachen.

zurück nach oben

Umgang mit heterogenen Lerngruppen und heterogenen Lernvoraussetzungen

Heterogene Lernvoraussetzungen bedeuten, dass Studierende mit unterschiedlichen Kenntnissen, Fähigkeiten, Lernerfahrungen und Ressourcen ins Studium starten. Ursachen können unter anderem verschiedene Bildungshintergründe, Sprachkenntnisse, berufliche Hintergründe oder individuelle Unterstützungsbedarfe sein.
Heterogene Lerngruppen sind Zusammensetzungen, in denen sich diese Vielfalt widerspiegelt – nicht nur bezogen auf Fachliches, sondern auch auf kulturelle Perspektiven, Motivation, Lernstrategien und persönliche Lebenssituationen.

Heterogene Lerngruppen stellen Lehrende vor die Herausforderung, Lehr-/Lernsettings so zu gestalten, dass alle Studierenden angemessen gefördert und gefordert werden. Eine entsprechende Gestaltung benötigt umfangreiches fachliches und didaktisches Verständnis sowie die Kompetenz, Hindernisse und Potenziale beim Lernen in der Lerngruppe zu analysieren und in der didaktischen Planung aufzugreifen. Eine vielfältige Lerngruppe kann die Lernumgebung jedoch auch bereichern, da unterschiedliche Ansätze und Sichtweisen neue Denkanstöße geben. Gleichzeitig braucht es gezielte Unterstützung, um Ungleichgewichte auszugleichen und Über- oder Unterforderung zu vermeiden.
Es ist nicht das Ziel, eine homogene Lerngruppe zu formen, sondern allen einen guten Zugang zur Lehre zu ermöglichen! 

zurück nach oben

Studieren mit zeitlichen Einschränkungen

Studierende, die neben dem Studium weitere zeitintensive Verpflichtungen haben, sind keine Seltenheit. Solche Verpflichtungen können z. B. Care-Arbeit für Kinder oder Angehörige, Berufstätigkeit oder ehrenamtliche Tätigkeiten sein. Auch persönliche gesundheitlich bedingte Belastungen können die zur Verfügung stehende Zeit für das Studium beeinflussen. Zeitliche Einschränkungen können die Teilnahme an Lehrveranstaltungen, die fristgerechte Abgabe von Arbeiten oder ein kontinuierliches Lernen erschweren und damit die Zugänglichkeit des Studiums einschränken.

Geringere zeitliche Kapazitäten können zu geringerer Beteiligung an Lehrveranstaltungen, reduzierter Lernzeit, sinkender Motivation und erhöhtem Stress führen und damit erfolgreiches Lernen erschweren. Wenn Lehrveranstaltungen wegen anderer wichtiger Verpflichtungen nicht mehr oder nicht vollständig besucht werden können, kann sich zudem der Studienverlauf verlängern oder ein erfolgreicher Abschluss des Studiums unmöglich werden. Ohne passende Unterstützung steigt das Risiko von Studienabbrüchen. Daher sollten Studiengänge und Lehrveranstaltungen so gestaltet sein, dass sie ein flexibles Studium ermöglichen.

zurück nach oben

Mentale Gesundheit im Studium

Mentale Gesundheit umfasst das emotionale, mentale und soziale Wohlbefinden. Im Studium kann sie durch hohe Arbeitsbelastung, Leistungsdruck, soziale Isolation, finanzielle Sorgen oder persönliche Krisen negativ beeinträchtigt werden. Und auch weltweite Krisen, Kriege und gesellschaftliche Umbrüche können die mentale Gesundheit beeinflussen. Dabei sind psychische Herausforderungen nicht immer sichtbar und können alle Studierenden betreffen – unabhängig vom fachlichen Leistungsniveau. Entsprechend zeigt sich in Studien (z.B. beim "Gesundheitsreport 2023" der Techniker Krankenkasse und "best3 - Studieren mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung" vom Deutschen Studierendenwerk), dass für zahlreiche Studierende auch psychische Belastungen wie ein hohes Stresserleben, depressive Symptome, soziale Ängste und Panikattacken zum Studienalltag gehören – zumindest phasenweise. 

zurück nach oben