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Diversitätsorientierte Lehre gestalten
Auf dieser Seite stellen wir verschiedene Aspekte diversitätsorientierter Lehre vor. Diese sollen Ihnen einen Einstieg in die Thematik ermöglichen und aufzeigen, welchen Einfluss der jeweilige Aspekt auf Lernen und Lehren haben kann. Daran anknüpfend werden mögliche Handlungsoptionen aufgezeigt, mit denen Sie Ihre Lehre studierendenorientierter und diversitätssensibler gestalten können. Zudem finden Sie zu jedem Aspekt weiterführende Links zu Informationen, Angeboten und Materialien.
Inhalte
Diskriminierung in der Hochschullehre verhindern und darauf reagieren
Diversitykompetenzen aufbauen und Verbündetsein (Allyship)
Zugänglichkeit und Barrierefreiheit
Prüfungen und Nachteilsausgleiche
Umgang mit heterogenen Lerngruppen und heterogenen Lernvoraussetzungen
Studieren mit zeitlichen Einschränkungen
Mentale Gesundheit im Studium
Diskriminierung in der Hochschullehre verhindern und darauf reagieren
Diskriminierung ist die bewusste oder unbewusste Benachteiligung oder Abwertung von Personen aufgrund zugeschriebener oder tatsächlicher persönlicher Merkmale. Sie kann direkt oder indirekt (durch Regeln und Praktiken, die bestimmte Gruppen unverhältnismäßig benachteiligen), kulturell (durch Normen-, Ideal- und Wertvorstellungen) oder strukturell (durch historisch gewachsene, institutionelle Muster) auftreten. Studien zeigen, dass Diskriminierung an Universitäten und Hochschulen vor allem im Rahmen der Lehrveranstaltungen stattfindet und von Lehrenden, aber auch von Mitstudierenden ausgehen kann (Vgl. z.B. Schinköthe et al. (2023) S. 16 (PDF); Bleicher-Rejditsch et al. (2015), S.10-11 (PDF); Berghan, Preuß, Dubbert (2016), S. 23 (Webseite); Klein, Rebitzer (2012), S. 132; Teichert (Hrsg.). (2018), S. 59, 61.
Soziale Kategorien wie Geschlecht, soziale Herkunft, Ethnizität, Behinderung, sexuelle Orientierung oder Religion können sich überschneiden und sind oft miteinander verwoben. Dies kann zu spezifischen Arten von Diskriminierungs- und Benachteiligungserfahrungen führen und wird mit dem Begriff der Intersektionalität beschrieben.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Kurzüberblick über verschiedene Diskriminierungsformen
Folgend finden Sie eine nicht abgeschlossene Liste mit Beispielen von Diskriminierungsformen:
o Rassismus: Diskriminierung aufgrund zugeschriebener ethnischer oder äußerlicher Merkmale wie Hautfarbe, Haare usw., z. B. in Form von antimuslimischem Rassismus (Definition der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
o Religionsbezogene Diskriminierung: Benachteiligung aufgrund von religiösen und weltanschaulichen Zugehörigkeiten. (Definition der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
o Antisemitismus: Abwertung und Feindlichkeit gegenüber Jüdinnen und Juden, Personen mit jüdischer Familiengeschichte sowie das Absprechen des Existenzrechtes des Staates Israel. (Definition der Amadeu Antonio Stiftung)
o Sexismus: Abwertung oder Benachteiligung aufgrund von Geschlecht; betrifft auch trans*, inter* und nicht-binäre Personen. (Definition der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
o Queerfeindlichkeit: Benachteiligung aufgrund von (empfundener) Abweichung von cis-heteronormativen Vorstellungen. (Definition Queeres Lexikon )
o Klassismus: Vorurteile oder Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder der sozialen Position. (Definition der Universität zu Köln)
o Ableismus: Benachteiligung von Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen sowie neurodivergenten Personen. (Definition der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
o Altersdiskriminierung (Ageismus): Benachteiligung von Personen oder Gruppen aufgrund ihres Lebensalters durch Etikettierung, Stereotypisierung und Diskriminierung. (Definition der Antidiskriminierungsstelle des Bundes)
Diskriminierung kann in der Lehre u. a. auftreten in Form von voreingenommenen (Leistungs-)Erwartungen, ungleichen Bewertungspraktiken, fehlender Zugänglichkeit und Barrierefreiheit, einer exkludierenden Lernumgebung sowie Mikroaggressionen, offener Diskriminierung und gruppen- und personenbezogenen Marginalisierungen. Weitere Informationen zu den verwendeten Begriffen finden Sie auf der Glossar-Seite.
Diskriminierung kann die Lernleistung, die psychische Gesundheit und den Studienerfolg beeinträchtigen, das Zugehörigkeitsgefühl schwächen und Abbruchrisiken erhöhen (z.B. Koch, Dollase (2009), S.345-347., Bittner, Fiebig (2018), S. 74-96., Schmitt et al (2014), Psychological Bulletin, 140(4), S. 921–948.).
Diversitätsorientierte Lehre fördert entsprechend Chancengerechtigkeit, wissenschaftliche Qualität, Perspektivenvielfalt und ein respektvolles, produktives Lernklima, indem sie die Verschiedenheit aller Lernenden anerkennt und in geeigneter Weise berücksichtigt, dadurch Diskriminierungen reduziert und gleichberechtigte Bildungschancen ermöglicht. Zudem gehört die diversitätssensible Gestaltung der Lehre sowie der Schutz vor Benachteiligung und Diskriminierung zu den Kernaufgaben der Hochschulen. Dies ist unter anderem im Hessischen Hochschulgesetz §3 Abs.5 verankert.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Praktische Tipps für diskriminierungssensible Lehre
Didaktische und methodische Überlegungen
o Nutzen Sie das Universal Design for Learning zur Planung Ihrer Lehre, um verschiedene Zugänge zu Inhalten, vielfältige Beteiligungsformen und differenzierte Leistungsnachweise zu ermöglichen.
o Etablieren Sie eine fehlerfreundliche Lernatmosphäre, in der thematisiert werden kann, dass Dinge auch anders laufen als geplant, ohne dass dies zu unumkehrbar negativen Ereignissen führt.
o Planen Sie Lernszenarien, in denen die Studierenden gemeinsam arbeiten und von verschiedenen Perspektiven, Kompetenzen und Erfahrungen profitieren können.
o Machen Sie die intendierten Lernergebnisse und Anforderungen transparent und ermöglichen Sie den Studierenden, sich darauf einzustellen.
o Machen Sie die Bewertung transparent: klare Kriterien, Feedback und möglichst konsistente, fachbezogene Korrekturen machen Bewertungen verständlich und lassen weitere Lerngelegenheiten entstehen.
o Bieten Sie begründete Flexibilität in den Prüfungen: alternative Prüfungsformate (im Rahmen der Prüfungsordnung), realistische Deadlines sowie frühzeitige Information über Anforderungen ermöglichen es den Studierenden, sich besser auf die Prüfung einzustellen und sich passend vorzubereiten.
o Diversifizieren Sie Beispiele, Literatur und Fallstudien. Vermeiden Sie die problemorientierte Darstellung einzelner Gruppen.
o Hinterfragen Sie ihre eigene Positionierung und überlegen Sie, ob es marginalisierte Personengruppen gibt, deren Perspektive Sie bei Ihrem Thema vergessen haben.
Sprache, Moderation und Interaktion
o Etablieren Sie von Beginn an eine offene, wertschätzende und anerkennende Diskussions- und Fragekultur. Signalisieren Sie, dass keine Frage "dumm" ist.
o Vereinbaren Sie zu Beginn des Semesters gemeinsam mit den Studierenden Regeln für den Umgang miteinander (Code of Conduct), indem Sie sich z. B. auf die einschlägigen von der Universität veröffentlichten Dokumente/Richtlinien beziehen. Machen Sie deutlich, dass Sie diskriminierendes Verhalten wie rassistische oder sexistische Äußerungen nicht tolerieren.
o Verwenden Sie inklusive, präzise Sprache und verwenden Sie die selbstgewählten Namen und Pronomen. Vermeiden Sie Stereotype und pauschalisierende Zuschreibungen.
o Führen Sie Fachbegriffe und allgemeine Fremdworte ein und stellen Sie Glossare o. Ä. als Referenzen bereit.
o Vereinbaren Sie Gesprächsregeln (z. B. respektvolle Debatte, keine persönlichen Angriffe). Greifen Sie bei Mikroaggressionen und Diskriminierung kurz, klar und unterstützend ein.
o Strukturieren Sie Diskussionen (Redezeit, Moderation, Think–Pair–Share), damit unterschiedliche Stimmen sicher zu Wort kommen.
Barrierefreiheit und Ressourcen
o Stellen Sie Materialien barrierearm bereit: gut lesbare Folien, Untertitel, Alternativ‑Texte, kompatible Dateien, zugängliche Lernplattformen.
o Minimieren Sie versteckte Kosten: nutzen Sie Open Educational Resources, machen Sie auf kostenfreie Zugänge aufmerksam (z.B. via UB), kommunizieren Sie Ausgaben rechtzeitig.
o Achten Sie auf räumliche Zugänglichkeit und Ruhearbeitsplätze; berücksichtigen Sie Pausen, Licht- und Geräuschumgebung.
Gruppenarbeit und Lernklima
o Gestalten Sie Gruppenarbeit fair: definieren Sie Rollen, lassen Sie Aufgaben rotieren, schaffen Sie klare Verantwortlichkeiten, nutzen Sie Peer‑Evaluation, fördern Sie eine aktive Prävention von Exklusion.
o Fördern Sie Zugehörigkeit: schaffen Sie eine Begrüßungskultur, bieten Sie niedrigschwellige Sprechstunden (auch online) an, verweisen Sie ggf. auf Mentorings und Lernpartnerprogramme.
Umgang mit Vorfälleno Reagieren Sie zeitnah und verhältnismäßig: Benennen Sie problematische Aussagen/Verhaltensweisen, schützen Sie Betroffene und stellen Sie den Bezug zu den vereinbarten Regeln her.
o Dokumentieren Sie relevante Vorfälle, kennen Sie die Meldewege und Ansprechstellen (z. B. Stabsstelle Antidiskriminierung und Diversität, Stabsstelle Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, weitere Beratungsstellen).
o Bieten Sie Unterstützung und Verweisberatung; wahren Sie Vertraulichkeit und vermeiden Sie „Outing“.
Selbstreflexion und Weiterbildung
o Reflektieren Sie regelmäßig eigene Routinen und mögliche implizite Voreingenommenheiten; holen Sie anonymes Feedback ein und reagieren Sie sichtbar darauf.
o Machen Sie sich mit verschiedenen Wegen vertraut, auf denen Diskriminierung geschehen kann. (Das Formular "Diskriminierung melden" ermöglicht über verschiedene Dropdownmenüs einen Blick auf unterschiedliche Wege, über die Diskriminierung stattfinden kann.)
o Besuchen Sie Fortbildungen zu diversitätsorientierter Didaktik, anti-bias Trainings, rechtlichen Rahmenbedingungen und barrierefreier Lehre.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Weiterführende Informationen und Links
Leitfaden für rassismuskritische Lehre der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Beschreibung verschiedener Diskriminierungsformen - Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Überblickstexte zu Intersektionalität - Portal Intersektionalität
Methodenpool der intersektionalen Bildungs- und Beratungsarbeit - Portal Intersektionalität
Diversitykompetenz aufbauen und Verbündetsein (Allyship)
Diversitykompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Vielfalt in Studierendengruppen zu erkennen, wertzuschätzen und aktiv einzubeziehen. Sie umfasst Wissen über unterschiedliche Lebensrealitäten, reflektierte eigene Haltungen und die Bereitschaft zur Anpassung von Lehr- und Prüfungsformaten.
Allyship bedeutet, sich bewusst und aktiv für marginalisierte Gruppen einzusetzen – nicht als „Sprecher*in“ für sie, sondern als unterstützende Person, die Strukturen hinterfragt, Barrieren abbaut und solidarisch handelt. Als Ally geht es nicht darum, „die Lösung“ zu sein, sondern darum, zuzuhören, zu lernen, zu unterstützen und zu handeln – auch wenn man selbst nicht direkt betroffen ist. Allyship ist dabei kein Label, welches sich selbst gegeben werden kann. Vielmehr ist es ein Ziel, das es gilt in einer von Diskriminierung geprägten Gesellschaft immer weiter anzustreben.
Lehrende mit hoher Diversitykompetenz und gelebtem Allyship schaffen ein Umfeld, in dem sich Studierende sicher und wertgeschätzt fühlen. Dies stärkt die Beteiligung, die Motivation und die Leistungsbereitschaft der Studierenden. Dadurch erleben alle Studierenden (privilegierte und marginalisierte) eine stärkere Zugehörigkeit, was sich positiv auf die Studienzufriedenheit, ihren Abschlusserfolg und spätere Karrierechancen auswirken kann.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Praktische Tipps für den Erwerb von Diversitykompetenz und die Umsetzung von Allyship in der Lehre
o Reflektieren Sie Ihre eigene Position: Ein wichtiger erster Schritt ist die Selbstreflexion. Fragen Sie sich, wie Ihre eigene gesellschaftliche Position (z.B. in Bezug auf Privilegien oder Benachteiligungen) Ihre Perspektive und Ihr Handeln in der Lehre beeinflusst. Machen Sie sich Ihre eigenen Denkmuster, Vorannahmen und unbewussten Vorurteile ("Unconscious Bias") bewusst. Nutzen Sie auch Möglichkeiten, sich mit anderen Personen darüber auszutauschen.
o Entwickeln Sie eine wertschätzende Haltung: Diversitykompetenz bedeutet, Studierende als Individuen wahrzunehmen, ihnen offen zu begegnen und eine wertschätzende Haltung zu etablieren. Dies schließt eine empathische und anerkennende Grundhaltung mit ein.
o Streben Sie an, Verbündete*r (Ally) zu sein: Verbündete sind Personen, die von einer bestimmten Diskriminierungsform nicht betroffen sind, sich aber aktiv gegen diese Diskriminierung einsetzen und Betroffene unterstützen.
o Informieren Sie sich: Eignen Sie sich Wissen über verschiedene Diskriminierungsformen an. Es ist nicht die Aufgabe von Betroffenen, Sie aufzuklären. Das Wissen von Betroffenen ist wertvoll und sollte respektiert werden.
o Hören Sie zu und geben Sie Raum: Geben Sie von Diskriminierung betroffenen Personen Sichtbarkeit und die Möglichkeit, ihre Perspektiven darzustellen. Nehmen Sie sich selbst in Ihrer unterstützenden Rolle zurück.
o Schreiten Sie ein: Widersprechen Sie rassistischen oder diskriminierenden Äußerungen, auch wenn keine Betroffenen anwesend sind. Fragen Sie Betroffene, ob und wie Sie unterstützend eingreifen sollen.
o Lernen Sie aus Fehlern: Verbündetsein ist ein fortwährender Prozess, in dem auch Fehler passieren. Seien Sie bereit, aus diesen zu lernen, sich zu entschuldigen und Ihr Verhalten zu ändern.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Weiterführende Informationen und Links
#Allyship - Informationen der Fachstelle Gender und Identität NRW - Begriffsdefinition
How to become an Ally: Die goldenen Regeln des Allyship
Podcast "Das Unbehagen am Konzept „Allyship“ - Deutschlandfunk - Kritische Betrachtung von Allyship
Privilegientest zur Reflexion der eigenen Privilegien - Portal Intersektionalität
Leitfaden Geschlechtergerechte Sprache der Philipps-Universität Marburg
Bereiche von Diversitykompetenz als Strukturmodell - KomDiM
Barrierefreies Blinddate - Persona-basierte Lernmaterialien zur diversen Studierendenschaft
Zugänglichkeit und Barrierefreiheit
Zugänglichkeit beschreibt, dass Lehrangebote ohne Hürden und von allen Studierenden gleichberechtigt genutzt werden können – unabhängig von persönlichen, sozialen und kulturellen Faktoren. Zugängliche Lehre ist z.B. Lehre, die auch asynchron verfolgt werden kann und so auch Personen mit Care-Verpflichtungen oder berufstätigen Studierenden eine Teilnahme ermöglicht.
Barrierefreiheit als spezifischer Teilaspekt der Zugänglichkeit bedeutet, dass Lehrmaterialien, Räume, digitale Plattformen und Prüfungsformate so gestaltet sind, dass physische, digitale, kommunikative oder sensorische Barrieren abgebaut sind und allen Studierenden (v.a. solchen mit einer Behinderung) eine gleichberechtigte Teilhabe möglich ist.
Fehlende Zugänglichkeit und Barrierefreiheit kann den Zugang zu Lehre bzw. Inhalten erschweren oder ganz verhindern. Dies kann einerseits bestimmte Gruppen von dem Zugang zu Hochschulbildung ausschließen und andererseits Lernerfolg und Studienabschluss gefährden oder ganz verhindern. Zugängliche und barrierefreie Lehre erhöht dagegen Teilhabe aller Studierenden an hochschulischer Bildung und unterstützt selbstbestimmtes Lernen. Sie schafft Chancengleichheit, verbessert die Studienzufriedenheit und erhöht die Studienmotivation bei allen Studierenden.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Praktische Tipps für die Gestaltung zugänglicher und barrierefreier Lehre
Ansprechmöglichkeiten anbieten:
o Bieten Sie Ihren Studierenden die Möglichkeit, Ihnen ihre Bedarfe in Bezug auf Barrierefreiheit niedrigschwellig mitteilen zu können (teilen Sie z.B. Ihre Sprechstundentermine mit oder bieten Sie bei Bedarf kurzfristige Termine an) und gehen Sie offen und wertschätzend mit diesen Rückmeldungen um.Räumliche Barrierefreiheit:
o Überprüfen Sie vorab, ob der Veranstaltungsraum für alle Studierenden, z.B. auch für Rollstuhlfahrer*innen, zugänglich ist. Weisen Sie in der Veranstaltungsankündigung darauf hin, dass Studierende sich bei Bedarf melden können, um den Veranstaltungsraum möglichst barrierearm zu gestalten.Barrierefreie Lehrmaterialien:
o Stellen Sie Lernmaterialien frühzeitig online zur Verfügung. Dies hilft insbesondere Studierenden mit langsamerem Lerntempo, Sprachbarrieren oder Seh- bzw. Hörbeeinträchtigungen.
o Gestalten Sie digitale Dokumente (PDFs, Word, PowerPoint) barrierefrei, indem Sie z.B. Formatvorlagen für eine klare Struktur nutzen und Bilder mit Alternativtexten/Bildbeschreibungen versehen. Achten Sie auf gute Lesbarkeit, erstellen Sie Untertitel und Alternativ‑Texte, achten Sie auf Datenkompatibilität und weitere Aspekte, die die Zugänglichkeit verbessern können.
o Berücksichtigen Sie das "Zwei-Sinne-Prinzip": Informationen sollten so gestaltet sein, dass sie mindestens zwei der drei Sinne Hören, Sehen und Tasten ansprechen (z.B. Gesprochenes visualisieren).
o Methodische Zugänglichkeit (Universal Design for Learning): Nutzen Sie einen Methodenmix mit variierenden didaktischen Zugängen, um unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu berücksichtigen. Das "Universal Design for Learning" (UDL) zielt darauf ab, Lernprozesse von vornherein so flexibel und barrierefrei zu gestalten, dass sie für alle Studierenden zugänglich sind. Bieten Sie z.B. Wahlmöglichkeiten bei Austausch- oder Präsentationsformen an.
o Achten Sie auf räumliche Zugänglichkeit und Ruhearbeitsplätze; berücksichtigen Sie Pausen, Licht- und Geräuschumgebung.
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Prüfungen und Nachteilsausgleiche
Nachteilsausgleiche sind individuell zugeschnittene Maßnahmen, die Studierenden mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen ermöglichen sollen, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten unter fairen Bedingungen zu zeigen. Sie gleichen studien- oder prüfungsbedingte Benachteiligungen aus, ohne die Anforderungen oder Lernziele zu verändern. Beispiele sind eine verlängerte Prüfungszeit, Aufgabenstellungen in angepassten Formaten (z.B. in vergrößerter Schrift) oder zusätzliche technische Hilfsmittel.
Standardisierte Prüfungsbedingungen können für Studierende mit Einschränkungen Barrieren schaffen – etwa durch zeitliche Vorgaben, ungeeignete Prüfungsorte, fehlende Hilfsmittel oder Formate, die bestimmte Fähigkeiten voraussetzen (z. B. schnelles Schreiben, visuelle Wahrnehmung). Solche Bedingungen können den tatsächlichen Leistungsstand verfälschen und unnötigen Stress verursachen.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Praktische Tipps zum Thema Prüfungen und Nachteilsausgleiche
o Informieren Sie proaktiv und frühzeitig: Da viele Studierende nicht von dieser Möglichkeit wissen oder sich scheuen, sie anzusprechen, ist es zentral, dass Sie als Lehrperson zu Beginn des Semesters aktiv auf die Möglichkeit des Nachteilsausgleichs hinweisen.
o Erklären Sie, was ein Nachteilsausgleich ist: Der Nachteilsausgleich unterstützt Studierende dabei, unter fairen und vergleichbaren Bedingungen zu studieren und Prüfungen abzulegen – unabhängig von einer Behinderung oder Erkrankung. Er dient dazu, Barrieren abzubauen, nicht dazu, Vorteile zu verschaffen. Die Leistungsanforderungen bleiben gleich – nur die Bedingungen werden so gestaltet, dass alle Studierenden die Chance haben, ihr Potenzial zu zeigen.
o Nennen Sie konkrete Beispiele: Mögliche Maßnahmen sind z.B. Verlängerung der Bearbeitungszeit oder individuelle Pausenregelungen bei zeitgebundenen Prüfungen, Anpassung von Aufgabenstellungen, z.B. in einem anderen Format (größere Schriftform, Einführung von Absätzen), die Nutzung technischer Hilfsmittel oder ein separater Prüfungsraum.
o Verweisen Sie an die zuständigen Stellen: Der Antrag muss von den Studierenden selbst im Prüfungsbüro bzw. dem Prüfungsausschuss gestellt werden. Informieren Sie darüber, wo eine Beratung dazu möglich ist (z.B. Prüfungsbüros der Fachbereiche, Service- und Beratungsstelle für ein inklusives Studium (SBS)).
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Weiterführende Informationen und Links
Informationsseite der SBS zu Nachteilsausgleichen
Informationen der Fachbereiche der Philipps-Universität Marburg zum Thema Nachteilsausgleich
Wenden Sie sich bitte auch an das Prüfungsbüro Ihres Fachbereiches.
Umgang mit heterogenen Lerngruppen und heterogenen Lernvoraussetzungen
Heterogene Lernvoraussetzungen bedeuten, dass Studierende mit unterschiedlichen Kenntnissen, Fähigkeiten, Lernerfahrungen und Ressourcen ins Studium starten. Ursachen können unter anderem verschiedene Bildungshintergründe, Sprachkenntnisse, berufliche Hintergründe oder individuelle Unterstützungsbedarfe sein.
Heterogene Lerngruppen sind Zusammensetzungen, in denen sich diese Vielfalt widerspiegelt – nicht nur bezogen auf Fachliches, sondern auch auf kulturelle Perspektiven, Motivation, Lernstrategien und persönliche Lebenssituationen.
Heterogene Lerngruppen stellen Lehrende vor die Herausforderung, Lehr-/Lernsettings so zu gestalten, dass alle Studierenden angemessen gefördert und gefordert werden. Eine entsprechende Gestaltung benötigt umfangreiches fachliches und didaktisches Verständnis sowie die Kompetenz, Hindernisse und Potenziale beim Lernen in der Lerngruppe zu analysieren und in der didaktischen Planung aufzugreifen. Eine vielfältige Lerngruppe kann die Lernumgebung jedoch auch bereichern, da unterschiedliche Ansätze und Sichtweisen neue Denkanstöße geben. Gleichzeitig braucht es gezielte Unterstützung, um Ungleichgewichte auszugleichen und Über- oder Unterforderung zu vermeiden.
Es ist nicht das Ziel, eine homogene Lerngruppe zu formen, sondern allen einen guten Zugang zur Lehre zu ermöglichen!
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Praktische Tipps zum Umgang mit heterogenen Lerngruppen und heterogenen Lernvoraussetzungen
Erheben Sie den Kenntnisstand und fördern Sie Transparenz:
o Machen Sie sich bewusst, dass Ihre Studierendengruppe heterogen ist und verschiedene Interessen, Bedürfnisse und Kenntnisstände mitbringt.
o Erzeugen Sie Transparenz über die Heterogenität der Lerngruppe und greifen Sie diese aktiv auf.
o Nutzen Sie die erste Sitzung, um einen Überblick über Interessen, Bedürfnisse und Kenntnisstände der Studierenden zu gewinnen. Anonyme Abfragen zu Beginn können über digitale Werkzeuge wie ILIAS (per Live-Voting oder Abstimmung) oder weitere Abstimmungstools erfolgen.
o Nutzen Sie kurze formative Prüfungen oder Aufgaben, um im Verlauf des Semesters den Kompetenzerwerb der Studierenden zu evaluieren.
o Geben Sie den Studierenden Möglichkeiten für individuelle Rückmeldungen zu Ihrer Lehre und fordern Sie Feedback aktiv ein. Stellen Sie explizite Fragen zu sinnvollen Unterstützungsmöglichkeiten. Nutzen Sie dazu auch die angebotenen Evaluationsmöglichkeiten an der Philipps-Universität Marburg für die Lehrveranstaltungsevaluation, die Evaluationen oberhalb der Veranstaltungsebene (z.B. Modulevaluation) oder individuelle qualitative Teaching Analysis Polls und Hospitationen.
o Machen Sie die Lernziele, Anforderungen und notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Besuch der Lehrveranstaltung in einer positiven und unterstützenden Weise transparent.
Gestalten Sie Lehre flexibel:
o Gestalten Sie Ihre Lehre methodisch vielfältig, um unterschiedliche Lernstile zu adressieren.
o Bieten Sie differenzierte Lernangebote an, die auf unterschiedliche Niveaus abgestimmt sind, z. B. indem Sie zusätzliche Aufgaben bereithalten oder Aufgaben unterschiedlicher Komplexität anbieten.
o Nutzen Sie kooperative Lernformen, in denen Studierende ihr unterschiedliches Wissen austauschen und gemeinsam neues entwickeln können. Sie können z. B. Studierende mit mehr Vorwissen als "Expert*innen" in Gruppen einsetzen, wovon alle profitieren.
o Die Methode "Lerntempoduett" ermöglicht es Studierenden, zunächst in ihrem individuellen Tempo zu arbeiten und sich dann im Tandem auszutauschen und an vertiefenden Aufgaben weiterzuarbeiten.
o Bieten Sie Möglichkeiten für selbstständiges Lernen an, indem Sie auf grundlegende Inhalte und Literatur zu diesen verweisen, verwendete Materialien (z. B. Skripte, Präsentationen, Literatur, etc.) und zusätzliche Aufgaben online bereitstellen und kommentierte Lösungen für gestellte Aufgaben anbieten. Zeigen Sie auch Möglichkeiten für eine weiterführende Beschäftigung mit dem Thema auf. Differenzieren Sie die Hinweise, z.B. in Grundlagen für die Vor- und Nachbereitung und weiterführende Inhalte und Aufgaben für die tiefergehende Beschäftigung mit dem Thema.
o Fördern Sie aktiv die Vernetzung der Studierenden zu Lerngruppen, z. B. durch einen gesonderten Bereich (Gruppen, Chatraum) in Ihrem ILIAS-Kurs oder durch kurze Vernetzungsübungen in der Lehrveranstaltung.
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Wissensbaustein Heterogene Lerngruppen, Begriffsbeschreibung und -Einordnung - wb-web
Wissensbaustein Binnendifferenzierung, Begriffsbeschreibung und -Einordnung - wb-web
Methodensammlungen (eine Auswahl):
o Schatzkiste Lehrmethoden - hochschuldidaktik-online.de
o Toolkit für die Lehre: Lehr- und Lernmethoden - Fachhochschule der Wirtschaft
o Lehr- Lernmethoden - Universität Bremen
o Macke, Hanke, Viehmann, Raether (2016) Kompetenzorientierte Hochschuldidaktik
o Toolbox Lehre - Universität Konstanz
o Toolbox Gender und Diversity in der Lehre - Freie Universität Berlin
Studieren mit zeitlichen Einschränkungen
Studierende, die neben dem Studium weitere zeitintensive Verpflichtungen haben, sind keine Seltenheit. Solche Verpflichtungen können z. B. Care-Arbeit für Kinder oder Angehörige, Berufstätigkeit oder ehrenamtliche Tätigkeiten sein. Auch persönliche gesundheitlich bedingte Belastungen können die zur Verfügung stehende Zeit für das Studium beeinflussen. Zeitliche Einschränkungen können die Teilnahme an Lehrveranstaltungen, die fristgerechte Abgabe von Arbeiten oder ein kontinuierliches Lernen erschweren und damit die Zugänglichkeit des Studiums einschränken.
Geringere zeitliche Kapazitäten können zu geringerer Beteiligung an Lehrveranstaltungen, reduzierter Lernzeit, sinkender Motivation und erhöhtem Stress führen und damit erfolgreiches Lernen erschweren. Wenn Lehrveranstaltungen wegen anderer wichtiger Verpflichtungen nicht mehr oder nicht vollständig besucht werden können, kann sich zudem der Studienverlauf verlängern oder ein erfolgreicher Abschluss des Studiums unmöglich werden. Ohne passende Unterstützung steigt das Risiko von Studienabbrüchen. Daher sollten Studiengänge und Lehrveranstaltungen so gestaltet sein, dass sie ein flexibles Studium ermöglichen.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Praktische Tipps zum Thema Studieren mit zeitlichen Einschränkungen
o Signalisieren Sie Verständnis und Flexibilität: Machen Sie zu Beginn der Veranstaltung deutlich, dass Sie sich der Herausforderungen von Studierenden bewusst sind. Bieten Sie an, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, z. B. für unvermeidbare Abwesenheiten.
o Stellen Sie Informationen digital zur Verfügung:
o Laden Sie Lehrmaterialien, Aufgaben, weiterführende Materialien und wichtige Informationen (z.B. zu Raumänderungen oder Klausuren) auf die Lernplattform hoch und kommunizieren Sie diese.
o Ermöglichen Sie die Aufzeichnung von Lehrveranstaltungen, sodass diese zeit- und ortsunabhängig nachgearbeitet werden können.
o Ermöglichen Sie, die Lehrveranstaltung ganz oder in Teilen auch asynchron zu absolvieren und nutzen Sie flipped classroom-Ansätze oder blended learning.
o Fördern Sie studentische Netzwerke: Regen Sie die Bildung von Lerngruppen an, damit Informationen und Inhalte unkompliziert geteilt werden können. Die Einrichtung von "Pat*innenschaften" bei längerer Abwesenheit kann ebenfalls hilfreich sein.
o Informieren Sie über Unterstützungsangebote: Weisen Sie z.B. auf den Familienservice hin.
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Mentale Gesundheit im Studium
Mentale Gesundheit umfasst das emotionale, mentale und soziale Wohlbefinden. Im Studium kann sie durch hohe Arbeitsbelastung, Leistungsdruck, soziale Isolation, finanzielle Sorgen oder persönliche Krisen negativ beeinträchtigt werden. Und auch weltweite Krisen, Kriege und gesellschaftliche Umbrüche können die mentale Gesundheit beeinflussen. Dabei sind psychische Herausforderungen nicht immer sichtbar und können alle Studierenden betreffen – unabhängig vom fachlichen Leistungsniveau. Entsprechend zeigt sich in Studien (z.B. beim "Gesundheitsreport 2023" der Techniker Krankenkasse und "best3 - Studieren mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung" vom Deutschen Studierendenwerk), dass für zahlreiche Studierende auch psychische Belastungen wie ein hohes Stresserleben, depressive Symptome, soziale Ängste und Panikattacken zum Studienalltag gehören – zumindest phasenweise.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Praktische Tipps zum Fördern von mentaler Gesundheit im Studium
o Signalisieren Sie eine wertschätzende und offene Haltung gegenüber mentaler Gesundheit.
o Seien Sie ansprechbar und nehmen Sie Rückmeldungen von Studierenden über ihre mentale Gesundheit ernst.
o Informieren Sie über vorhandene Unterstützungsangebote (z. B. Psychologische Beratungsangebote der Universität, Informationsseiten, Support-Gruppen).
o Fördern Sie die Transparenz Ihrer Lehre, indem Sie Lernziele, Anforderungen, Leistungspeaks, etc. klar kommunizieren.
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