Ehrensenatorinnen und Ehrensenatoren der Philipps-Universität Marburg

Ehrenbürger und Ehrensenatoren

Die Philipps-Universität kann gemäß § 1 der „Satzung für Ehrungen der Philipps-Universität Marburg“ vom 26. Juni 2000 Persönlichkeiten ehren, die sich durch besondere Verbundenheit zur Universität auszeichnen. 1921 führte die Philipps-Universität den Titel „Ehrenbürger“ der Universität durch Senatsbeschluss ein, 1927 erfolgte die Unbenennung in „Ehrensenator“.

Senatskommission "Ehrungen"

Die Senatskommission „Ehrungen“ hat sich im Winter- und Sommersemester 2015 bis 2016 mit der Vergabe der Ehrensenatorenwürde seit ihrer Einführung im Jahr 1921 befasst und die Ergebnisse ihrer Arbeit dem Senat vorgelegt. Auf Beschluss des Senats vom 14. September 2016 sind die Ergebnisse auf dem Kenntnisstand von April 2016 öffentlich zugänglich und können im Licht neuerer Forschungen fortlaufend ergänzt werden. Die Übersicht ist nach dem Datum der Ernennung geordnet und enthält biographische Hinweise und differenzierende Einschätzungen zu den Geehrten sowie Hinweise zu den Gründen der Ehrung.

Kritische Würdigung

Die Philipps-Universität Marburg unternimmt mit diesen Kommentierungen den Versuch, die Vergabe des Ehrensenatorentitels kritisch zu würdigen und die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Universität als einen Prozess zu begreifen, der beständig weiterzuführen ist. Der Senat der Philipps-Universität Marburg hat entschieden, keine Aberkennungen von Ehrungen vorzunehmen. Die Übersicht führt auch Personen auf, die aufgrund ihrer Nähe zur völkischen und nationalsozialistischen Ideologie geehrt oder zur Ehrung vorgeschlagen wurden und die der an eine Ehrung geknüpften Vorbildfunktion nicht gerecht wurden oder durch deren Verhalten andere zu Schaden kamen. Personen, denen die Ehrensenatorenwürde 1938 aberkannt wurde, hat der Senat wieder in die Liste der Ehrensenatorinnen und Ehrensenatoren aufgenommen.

Einzelfallprüfung

Mit den auf jeden Einzelfall bezogenen Kommentierungen trägt die Philipps-Universität der Individualität von Lebensläufen Rechnung. Sie machen deutlich, dass Verstrickungen in ein Unrechtsregime unterschiedliche Formen annehmen konnten, Handlungsspielräume bestanden und formale Kriterien wie Mitgliedschaften in NS-Parteiorganisationen oder Entlastungen in Spruchkammerverfahren kein hinreichendes Kriterium darstellen, um konformistisches, verbrecherisches oder widerständiges Verhalten zu beurteilen.

Aufarbeitung der Geschichte

In diesem Sinne versteht die Philipps-Universität Marburg die Aufarbeitung der Vergabe des Ehrensenatorentitels als kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte, insbesondere in der NS-Zeit. Sie möchte damit das Bewusstsein für die Rolle der Universität und ihrer Mitglieder im historischen Kontext fördern.

1921

Adolf Haeuser (26.11.1857-18.03.1938), Geheimrat. Jurist und Chemiker. Studium der Rechtswissenschaften in Marburg, 1889 Justitiar der Farbwerke Hoechst AG, ab 1904 Vorstandsmitglied und von 1916 bis 1925 Vorstandsvorsitzender sowie von 1925 bis 1932 Mitglied im Aufsichtsrat der I.G. Farbenindustrie AG in Frankfurt-Höchst, anschließend im Ruhestand. Von 1915 bis 1918 Abgeordneter der Nationalliberalen Partei im Preußischen Abgeordnetenhaus. Die Farbwerke in Hoechst hatten 1894 die fabrikmäßige Herstellung des von Behring entwickelten Diphtherieserums übernommen und für den an der Marburger Universität lehrenden Behring ein privates Serumforschungsinstitut eingerichtet.
Die Würdigung erfolgte am 14.10. 1921, um Haeuser für seine Verdienste um die Universität und den Jubiläumsbau zu ehren. 1921 war er zum ersten Vorsitzenden des neu gegründeten Marburger Universitätsbundes gewählt worden.

Prof. Dr. Otto Ubbelohde (05.01.1867-08.05.1922), Maler, Radierer und Illustrator. Geboren in Goßfelden bei Marburg, weltweite Bekanntheit erlangte er durch seine Illustrationen der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm.
Aus Anlass seines 50. Geburtstags im Jahre 1917 verlieh ihm die Philipps-Universität den Professorentitel. Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 06.07.1921.

1922

Dr. med. h.c. George D. Horst (27.02.1863-21.11.1934), Unternehmer für Strumpf- und Maschenwaren, Kunstsammler. Er emigrierte 1885 aus Hessen nach Reading, Pennsylvania, USA. 1932 Präsident der Farmers National Bank and Trust Company.
Horst erhielt die Ehrensenatorenwürde am 14.10.1922. Er wurde für seine Spende in Höhe von 1 Million Mark zur Errichtung der Kinderklinik geehrt. Das „Carolinenhaus“ wurde nach seiner Tochter benannt.

1923

Dr. Dr. h. c. Ludwig Pfeiffer (05.09.1874-14.06.1952), Jurist, bis 1934 Direktor der Deutsche Bank-Filiale in Kassel und ab 1945 Vorsitzender der IHK Kassel, Mitbegründer und Schatzmeister des Universitätsbundes. Pfeiffer erhielt 1928 auch die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Philipps-Universität Marburg für seine Verdienste als Malakologe (Weichtierkundler).
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 10.02.1923 für „wertvolle und erfolgreiche Hilfe bei der Begründung und Verwaltung des Universitätsbundes“.

Dr. Paul Guder (1855-12.12.1925), Geheimer Medizinalrat. Assistenzarzt in der Psychiatrischen Universitätsklinik Jena, 1886 in der Provinzial-Irrenanstalt Ueckermühle unter Friedrich Siemens tätig. 1889 Ernennung zum Kreis-Physicus des Kreises Wittgenstein in Laasphe.
Die Ehrung erfolgte am 10.02.1923 als Anerkennung für die Zuweisung von wertvollem Sektionsmaterial und von Kranken mit seltenen Krankheitsbildern sowie für die Überlassung von wissenschaftlichen Werken an die Bibliothek.

1926

Dr. Emil Sardemann, Medizinalrat (?-03.02.1930), Praktischer Arzt, 1856 Promotion in Marburg, 1887 Heirat mit Marie von Heusinger, der Tochter des Medizinprofessors und langjährigen Stadtrats Otto von Heusinger in Marburg.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 15.07.1926 in Anerkennung des Engagements für die medizinische Fakultät und für die reibungslose Zusammenarbeit zwischen praktischen Ärzten und den Universitätsinstituten.

1927

Gottlieb Braun (03.07.1885-16.01.1953), Verlagsbuchhändler in Marburg, Inhaber der Buchhandlung Elwert. Braun unterstützte in den politischen Auseinandersetzungen zu Beginn der Weimarer Republik die Marburger Korporationen und ihren Mentor Bogislav von Selchow aktiv in ihrem Antisemitismus und Kampf gegen die Verfassung. Er wurde 1945 im Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft. Die Universität, die den wirtschaftlichen Ruin der Universitätsbuchhandlung befürchtete, unterstützte seinen Antrag auf Erlass der hohen Spruchkammerkosten.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 25.06.1927 anlässlich der 400-Jahrfeier der Philipps-Universität auf Antrag der juristischen Fakultät wegen „großer Verdienste um die Pflege hessischer Literatur und um die Herausgabe wissenschaftlicher Werke“ sowie „in Anerkennung des Eintretens seines Verlags und seiner Buchhandlung unter ihm wie unter seinem Vater für die Förderung der Universität.“
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Brauns in der Weimarer Republik und in der NS-Zeit. Eine abschließende Würdigung ist aber bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich.

Prof. Dr. Friedrich Grimm (17.06.1888-16.05.1959), Studium in Marburg, außerordentlicher Professor in Münster, Rechtsanwalt und Publizist. Grimm vertrat Mitglieder der politischen Rechten im sogenannten Ruhrkampf, unterhielt Beziehungen zu Protagonisten des Nationalsozialismus, gehörte als NSDAP-Mitglied von 1933 bis 1945 dem Reichstag an und war an der Vorbereitung und Durchführung von Prozessen beteiligt, die im Sinne des NS-Staats für Propagandazwecke nutzbar gemacht wurden (sog. Kairoer Judenprozess, Prozesse wegen der Ermordung Wilhelm Gustloffs und Ernst vom Raths). Ab 1949 verteidigte er NS-Täter und Kriegsverbrecher, er trat publizistisch als NS-Apologet auf und engagierte sich in der Deutschen Reichspartei, die 1964 in der NPD aufging.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 auf Vorschlag der medizinischen Fakultät aus politischen Gründen, da er als ehemaliger Student „tapfer und unentwegt sich für die Interessen seines Vaterlandes in schwerster Bedrängnis eingesetzt hat“.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt die Ehrung und verurteilt das menschenverachtende Wirken Grimms in der Weimarer Republik, der NS-Zeit und der Nachkriegszeit auf das schärfste.

Heinrich Hopf (?-10.03.1929), Sozialdemokrat und Kommunalpolitiker. Stadtverordnetenvorsteher in Frankfurt von 1919 bis 1924, Vorsitzender des Provinziallandtags der Provinz Hessen-Nassau von 1920 bis 1928.
Hopf erhielt die Ehrensenatorenwürde am 25.06.1927 anlässlich der 400-Jahrfeier der Philipps-Universität.

Hans Jenner (1882-17.04.1954), Landrat, Kommunaldezernent, Regierungsvizepräsident und Ministerialdirektor. Jenner war in den Jahren 1937 bis 1945 als Kommunaldezernent tätig, von 1945 bis 1947 war er als Regierungsvizepräsident in Arnsberg und anschließend bis 1950 als Ministerialdirektor im Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen tätig.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 für „sein Eintreten in seinem Verwaltungskreis für die Universität und die Jubiläumsstiftung“.

Christian Jakob Kappus (21.12.1882-02.04.1945), Mittelschullehrer in Wiesbaden. Kappus war als Soldat an beiden Weltkriegen beteiligt. Aufgrund seiner deutschnationalen Einstellung und aus Protest gegen die französische Besatzung, die in Wiesbaden von 1918 bis 1924 währte, lebte er zeitweilig in Marburg. 1943 wurde er im Rang eines Majors aus Altersgründen aus dem Militärdienst entlassen. Er war Mitglied der NSDAP und Sturmführer der SA Reiterstaffel, sowie Vorsitzender der Militärkameradschaft Wiesbaden. Die Umstände seines Todes sind ungeklärt. Nach Einschätzung der NSDAP-Kreisleitung war er als Mitglied der Bekennenden Kirche politisch unzuverlässig und wurde aus seinem politischen Amt entlassen.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 für seine landeskundlichen Forschungen und Beiträge zum Deutschen Sprachatlas sowie zum Hessen-Nassauischen Volkswörterbuch.
Der Senat der Philipps-Universität missbilligt das Wirken von Kappus in der NS-Zeit. Eine abschließende Würdigung ist aber bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich.

Alexander von Keudell (16.01.1861-24.06.1939), Jurist, Landrat, Vorsitzender des Kommunallandtags und der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Kassel. Von Keudell gehörte dem ritterschaftlichen hessischen Adel an und war Vizemarschall ihrer Standesorganisation, der Althessischen Ritterschaft. Er studierte in Tübingen und Berlin, verbrachte sein Referendariat in Eschwege und Kassel und war ab 1893 als Landrat in Eschwege tätig. Ab 1917 war er Vorsitzender der Landwirtschaftskammer und mit Unterbrechungen bis 1932 Mitglied des Kommunallandtags Kassel. Von 1919 bis 1932 war er Mitglied der DNVP.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 für „unermüdliches Eintreten für die gesamten Interessen der Universität und insbesondere für die denkwürdige Jubiläumsstiftung“.

Dr. Dr. h. c. Robert Lehr (20.08.1883-13.10.1956), Oberbürgermeister von Düsseldorf und Bundesinnenminister. Lehr studierte u.a. in Marburg Rechtswissenschaften, war Gerichtsassessor in Kassel und seit 1924 Oberbürgermeister von Düsseldorf, bis er 1933 aus dem Dienst gedrängt wurde. Er schloss sich einer Widerstandsgruppe an und 1945 setzte er seine Karriere als Oberpräsident der Nordrhein-Provinz, Landtagspräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundesinnenminister von 1950 bis 1953 fort. Er war Mitbegründer der CDU und gehörte 1948/49 dem Parlamentarischen Rat an. Von 1952 bis 1956 war er Vorsitzender des Universitätsbundes.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 „wegen seines Eintretens für die Interessen seiner alten Universität trotz anderer Aufgaben“ und weil er „zu diesem Jubiläum grosse Beträge zusammengebracht“ hatte. Als der Senat am 21. Mai 1938 die Entziehung der Ehrensenatorenwürden von Dr. Wilhelm Lutsch und Georg Thöne beschloss, wurde die Aberkennungsentscheidung im Fall von Robert Lehr diskutiert, aber vertagt.

Dr. h. c. Wilhelm Lutsch (1879-), Landeshauptmann in Wiesbaden und Zentrumspolitiker. Lutsch war bis 1939 gewählter Landeshauptmann in Wiesbaden, seit März 1933 jedoch zwangsbeurlaubt und anschließend wegen seiner bisherigen politischen Tätigkeit nach dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem Amt entlassen worden. Wilhelm Traupel folgte ihm im Amt als Landeshauptmann.
Die Ernennung zum Ehrensenator am 25.06.1927 erfolgte in Anerkennung seines Wirkens zugunsten der Jubiläumsstiftung und allgemein für die Universität. Die Aberkennung der Ehrensenatorenwürde erfolgte wie bei Georg Thöne in der Senatssitzung vom 21.05.1938 aufgrund der angeordneten Überprüfung aller Ehrensenatoren auf politische Zuverlässigkeit und Regimetreue im Sinne der „Rassegesetze“ und des Bekenntnisses zum NS-Staat unter Rektor Leopold Zimmerl.

Johannes Mueller (10.07.1880-19.04.1964), Jurist, Oberbürgermeister von Marburg. Mueller war 1913 zum Ersten Beigeordneten der Marburger Stadtverordnetenversammlung und 1927 zum Bürgermeister von Marburg gewählt worden. 1933 wurde er aus politischen Gründen in den Ruhestand versetzt. Von 1939 bis 1945 arbeitete er bei der Firma Carl Zeiss in Jena und kehrte 1946 als Zweiter Beigeordneter in die Marburger Kommunalvertretung zurück. Von 1949-1954 lehrte er Kommunalverwaltung an der Philipps-Universität Marburg.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 aufgrund seiner Verdienste um die Universität, seines „Interesse[s] am Wohlergehen der Universität, in Dankbarkeit für Alles“ und zur „Kundgebung der untrennbaren Verbundenheit von Stadt und Universität“.

Gottfried Rabe von Pappenheim (25.11.1874-18.06.1955), Jurist, Landrat und Landeshauptmann in Hessen. Von Pappenheim studierte in Göttingen und war ab 1907 Landrat des Kreises Kassel, zwischenzeitlich Vorsitzender des Landkreistages und ab 1930 Landeshauptmann in Hessen. 1936 trat er in den Ruhestand und 1945/46 kehrte er für kurze Zeit als Landrat des Kreises Kassel zurück.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 für „unermüdliches Eintreten für die gesamten Interessen der Universität und insbesondere für die denkwürdige Jubiläumsstiftung“.

August Rohde (25.08.1862-11.08.1947), Justizrat und Stadtverordnetenvorsteher von Marburg. Rohde war zwanzig Jahre lang bis 1933 Vorsteher der Marburger Stadtverordnetenversammlung.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 „für sein Eintreten für die Universität und als Dank an die von ihm geleitete städtische Körperschaft“.

Prof. Dr. William Rosenblath (09.06.1875-01.08.1935), Neurologe. 1884 Promotion in Göttingen, ab 1896 im Land-Krankenhaus in Kassel tätig, 1912 Professur, ab 1927 im Ruhestand in Wernigerode.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.6.1927 für sein Engagement für die medizinische Fakultät.

Dr. Otto Schellmann (19.11.1880-02.10.1953), Jurist, Landesrat, stellvertretender Landeshauptmann in Kassel. Schellmann war ab 1911 in der Bezirksverwaltung in Kassel tätig, ab 1914 als Landesrat mit den Tätigkeitsfeldern Fürsorgeverwaltung und Kulturpflege. 1933 trat er in die NSDAP ein. Seit 1941 war er ständiger Vertreter von Landeshauptmann und SS-Oberführer Wilhelm Traupel. Bei der Ausführung des NS-Euthanasieprogramms T4 nahm er keine führende, aber eine unklare Rolle ein. Von der Spruchkammer Kassel wurde er 1947 als „Entlasteter“ eingestuft.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 für „unermüdliches Eintreten für die gesamten Interessen der Universität und insbesondere für die denkwürdige Jubiläumsstiftung“.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Schellmanns in der NS-Zeit. Eine abschließende Würdigung ist aber bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich.

Dr. Wilhelm Schmieding (20.05.1879-06.02.1929), Jurist. 1902 Promotion, Landrat im Kreis der Eder, von 1917 bis 1919 gehörte er dem Landtag von Waldeck als Mitglied der nationalliberalen Fraktion an. 1920 kommissarischer Landesdirektor, ab 1921 dann Landesdirektor des Freistaates Waldeck-Pyrmont bis 1928. Nach 1918 war er Mitglied der DVP.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 25.06.1927 anlässlich der 400-Jahrfeier.

Dr. med. Adolfo Schürmann (1853-27.03.1935), Arzt. Student der Philipps-Universität Marburg, emigrierte vermutlich 1884 nach Chile, wo er am Krankenhaus in Osorno tätig war.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 25.06.1927 anlässlich der 400-Jahrfeier der Philipps-Universität „für den Vorkämpfer des Deutschtums in Chile“.

Ernst-August Schwebel (23.03.1886-31.10.1955), Landrat des Kreises Marburg, Reichsrichter am Reichsverwaltungsgericht und Geschäftsführer der Christlichen Nothilfe Marburg. Schwebel war ab 1924 Landrat in Marburg, ab 1934 am Preußischen Oberverwaltungsgericht und von 1942-1944 als Reichsrichter am Reichsverwaltungsgericht tätig. Von 1940 bis 1945 war er Beauftragter des Reichskommissars für die Provinz Südholland und Den Haag in den besetzten Niederlanden. Reichskommissar Arthur Seyss-Inquart wurde in Nürnberg als Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet. Schwebels Rolle als Beauftragter des Reichskommissars einerseits und als Angehöriger der Bekennenden Kirche andererseits ist nicht hinreichend aufgearbeitet und auf der Grundlage gegenwärtiger Erkenntnisse nicht abschließend zu beurteilen. Der Alliierte Kontrollrat erkannte die Mitglieder der Bekennenden Kirche als Widerstandskämpfer an. Von 1948-1952 leitete Schwebel die Christliche Nothilfe in Marburg.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 für „unermüdliches Eintreten für die gesamten Interessen der Universität und insbesondere für die denkwürdige Jubiläumsstiftung“. Die ambivalente Rolle des Geehrten als Angehöriger der Bekennenden Kirche und als Beauftragter des Reichskommissars für die Provinz Südholland ist nicht hinreichend geklärt.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Schwebels in der NS-Zeit. Eine abschließende Würdigung ist aber bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich.

Georg Thöne (?-03.01.1950), Präsident der Landesversicherungsanstalt für Hessen-Nassau und SPD-Politiker. Thöne war Bezirkssekretär der Sozialdemokratischen Partei in Kassel, Stadtverordneter in Kassel und Mitglied des Reichstags. In der Novemberrevolution von 1918 gehörte er dem Kasseler Arbeiter- und Soldatenrat an. Er war Landrat von Witzenhausen und von 1919 bis 1933 Mitglied des Kommunallandtags Kassel sowie des Provinziallandtags der Provinz Hessen-Nassau, von 1930 bis 1933 als dessen Präsident.
Die Ehrensenatorenwürde war Thöne am 25.06.1927 anlässlich der 400-Jahrfeier der Universität für seine Verdienste um die Universität verliehen worden. Die Aberkennung der Würde 1938 erfolgte nach einer Überprüfung aller Ehrensenatoren unter Rektor Leopold Zimmerl auf Regimetreue im Sinne der „Rassegesetze“ und des Bekenntnisses zum NS-Staat.

Werner Tönsmann (1882-03.01.1950), Generaldirektor der deutschen landwirtschaftlichen Hauptgenossenschaft in Korbach. Ein überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus und aktiv in der antisemitischen, christlich-sozialen Bewegung des Pfarrers Adolf Stöcker. Er war Mitglied im Völkischen Schutz- und Trutzbund, in der Völkischen Freiheitspartei und Anhänger Hitlers seit 1920.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 für die „unentgeltliche Belieferung des Studentenheims in den Nachkriegsjahren“ und für „Spenden zum Bau des Jubiläumsinstituts“.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Tönsmanns in der Weimarer Republik und in der NS-Zeit. Eine abschließende Würdigung ist aber bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich.

Oswald Waldschmidt (?-19.05.1949), Amtsgerichtsrat in Korbach und Präsident der Waldeckischen Landesvertretung in Arolsen. Waldschmidt war von 1922 bis 1929 Präsident der Landesvertretung des Freistaates Waldeck und Mitglied der DNVP. Seine weitere berufliche Tätigkeit ist unklar.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 „als Zeugnis warmer Anerkennung seines erfolgreichen Wirkens für die Jubiläumsstiftung und zugleich als Zeichen herzlichen Dankes für die Opferbereitschaft des Landes Waldeck für die Hessische Landesuniversität“.

Richard Weber (29.04.1882-27.01.1928), Herausgeber der „Kasseler Post“ und Vorsitzender des mitteldeutschen Zeitungsverlegerverbandes. Sohn eines Alsfelder Buchdruckers und Redakteur in Eisenach, Plauen und Thorn. Seit 1923 Herausgeber der „Kasseler Post“, die aus der Zusammenlegung von Hessischer Post und Kasseler Allgemeinen Zeitung entstand. Weber gehörte dem Hauptvorstand des Vereins deutscher Zeitungsverleger in Berlin an und war in der Kommunalpolitik aktiv.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte anlässlich der 400-Jahrfeier am 25.06.1927 für Verdienste des Zeitungsverlegerverbandes um die Universität.

1928

Prof. Dr. Dr. h.c. Paul Duden (30.10.1868-07.02.1954), Direktor der Farbwerke Hoechst, Sohn des Germanisten Konrad Duden. Studium der Chemie in Marburg, außerordentliche Professur in Jena und 1905 wissenschaftlicher Leiter des Hauptlabors der Farbwerke Hoechst. Seit 1914 war Duden Vorstandsmitglied und von 1925 bis 1932 Direktor der Farbwerke. 1932 zog er sich ins Privatleben zurück. Als Verbandspolitiker trug er nach 1933 aktiv zur Gleichschaltung der Berufsverbände und zur Verdrängung jüdischer Mitglieder nach 1933 bei. Er hatte von 1938 an den Vorsitz des Universitätsbundes inne, ab 1951 als Ehrenvorsitzender.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte auf Initiative des Ehrensenators und Direktors der Farbwerke Hoechst Adolf Haeuser anlässlich der Jahresversammlung des Universitätsbundes am 30.6.1928 für die Verdienste der gesamten I.G. Farbenindustrie zugunsten der Universität.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Dudens in der NS-Zeit. Eine abschließende Würdigung ist aber bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich.

Dr. phil. Hermann Mengel (19.01.1890-?), Chemiker, leitender Mitarbeiter der Farbwerke Hoechst. Mengel war seit 1914 bei den Farbwerken Hoechst als Chemiker in leitender Position tätig und hatte die Ortsgruppe des Marburger Universitätsbundes in Höchst gegründet. Er war dessen langjähriger Vorsitzender, tat aber zugunsten von Paul Duden von diesem Posten zurück.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte auf Initiative des Ehrensenators und Direktors der Farbwerke Hoechst Adolf Haeuser anlässlich der Jahresversammlung des Universitätsbundes am 30.06.1928 für „Verdienste um den Jubiläumsbau (Spenden der Ortsgruppe für das zu errichtende Kunstinstitut)“.

1929

Julius Grimm (?-21.03.1945), Landgerichtspräsident und Stadtverordnetenvorsteher in Hanau. Grimm war nach seiner Tätigkeit als Gerichtspräsident von 1924 bis 1931 Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung in Hanau.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 29.07.1929, weil er „trotz sonstiger Belastung mit Dienstpflichten und Ehrenämtern dem Verwaltungsamt unseres Universitätsbundes von Anbeginn an bis heute als treusorgendes Mitglied angehört und die Hanauer Bundesgruppe Jahre hinaus eifrig gefördert hat.“

Hermann Wenzel (10.1859-?), Geheimer Justizrat.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 31.10.1029 anlässlich des 70. Geburtstags an Wenzel, „der durch lange Jahre hindurch als Universitätsrichter und Universitätsrat die Rechtsprechung des Universitätsgerichts in hervorragender Weise gefördert und sich diesen Aufgaben in unermüdlicher Weise gewidmet hat“.

1931

Dr. med. h. c. Dr. phil. h. c. Ernst Leitz (01.03.1871-15.06.1956), Leiter der Optischen Werke in Wetzlar. Leitz war 1918 Gründungsmitglied der DDP in Wetzlar, aktives Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, einer Organisation zum Schutz der Weimarer Republik. Zwischen 1933 und 1945 half er 86 Personen, darunter 68 Juden, wofür er 2007 den Anti-Defamation League Award erhielt. 1942 trat er in die NSDAP ein, um die drohende Übernahme seines Werks durch die Nationalsozialisten zu verhindern. Er war Ehrenbürger der Stadt Wetzlar, Ehrensenator der Universität Köln, der Technischen Hochschulen Darmstadt und Karlsruhe. 1952 erhielt er das große Bundesverdienstkreuz.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte zum Universitätstag am 25.07.1931 „in dankbarer Anerkennung der verständnisvollen und hochherzigen Förderung, die Wissenschaft und Kunst auf Marburger Boden dauernd durch ihn erfahren“.

1932

Dr. Dr. h. c. mult. Ernst von Hülsen (28.11.1875-01.11.1950), Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau in den Jahren 1932 und 1933, Kurator der Philipps-Universität Marburg von 1920 bis 1932 sowie vom 1933 bis 1945. Er betrieb den Ausbau der Universität durch die Kinderklinik und die Hals-Nasen-Ohren-Klinik sowie die Errichtung eines Gebäudes für die mit Objekten arbeitenden geisteswissenschaftlichen Fächer und das Museum (Jubiläumsbau, posthum: Ernst von Hülsen-Haus). Bei der Entlassung und Verfolgung jüdischer Universitätsmitglieder widersetzte sich Hülsen den Vorgaben aus dem Ministerium nicht. Er leistete Unterstützung bei der Verfolgung von Prof. Dr. Albrecht Götze und Landgerichtsdirektor Dr. Walter Krenzien als Universitätsrat. An der Leitung der Universität im Sinn der nationalsozialistischen Ideologie wirkte er aktiv mit, nutzte seine Möglichkeiten als Kurator aber auch, um einzelne Persönlichkeiten vor politisch motivierter Verfolgung zu schützen. Er sorgte dafür, dass die Universität von „Arisierungen“ profitierte. Die Universität Halle verlieh ihm eine Ehrendoktorwürde, die Philipps-Universität Marburg verlieh ihm mindestens drei Ehrendoktorwürden.
Hülsen wurde während seiner Zeit als Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau am 13.11.1932 zum Ehrensenator ernannt in Anerkennung seiner Verdienste um die Universität.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken von Hülsens in der NS-Zeit.

1934

Prof. D. Heinrich Hackmann (31.08.1864-13.07.1935), Ordentlicher Professor für Religionsgeschichte an der Universität Amsterdam.
Die Verleihung der Ehrensenatorwürde erfolgte am 31.8.1934 zu dessen Emeritierung an der Universität Amsterdam für die Überlassung seiner wissenschaftlichen Bibliothek an die Religionskundliche Sammlung der Philipps-Universität Marburg. Initiiert wurde die Ehrung von dem Direktor der Religionskundlichen Sammlung der Philipps-Universität Marburg, Prof. Heinrich Frick, der die Bestände damit für die Universität sicherte. Die Verbindung zur Philipps-Universität ging auf die langjährige Freundschaft zwischen Hackmann und dem Gründer der Sammlung zurück, der zugleich Fricks Vorgänger im Amt war.

1938

Dr. h. c. Max Schindowski (15.06.1873-1938), Ministerialrat a. D. in der Hochbauabteilung des Preußischen Finanzministeriums. Schindowski wurde für sein langjähriges Engagement in der baulichen Erweiterung der Universität als Leiter des Preußischen Staatshochbauamts in Marburg von 1909 bis 1913 und in der Hochbauabteilung des Preußischen Finanzministeriums geehrt. Er war Mitglied der NSDAP und in NS-Organisationen, eine darüber hinausgehende, tiefere Verbindung zum Regime ist auf Grundlage des aktuellen Kenntnisstandes nicht nachweisbar.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 30.6.1938 auf Betreiben des Universitätskurators Ernst von Hülsen anlässlich der Verabschiedung Schindowskis in den Ruhestand und mit Billigung des preußischen Finanzministers.

1939

Bogislav Freiherr von Selchow (04.07.1877-06.02.1943), Fregattenkapitän a. D. Von Selchow kämpfte nach seinem Ausscheiden aus der Marine als Kommandant des Studentenkorps Marburg, einem bewaffneten Zeitfreiwilligenverband der Reichswehr, und als Anführer der paramilitärischen „Organisation Escherich“ in Westdeutschland gegen die Weimarer Republik. In seinen antisemitischen, völkisch-nationalistischen und republikfeindlichen Schriften trat er für den NS-Staat ein. Die Beteiligung an der Ermordung politischer Gegner konnte ihm nicht nachgewiesen werden. In dem bereits 1920 als Justizskandal wahrgenommenen Prozess gegen Mitglieder des Marburger Studentenkorps verteidigte von Selchow jedoch die Erschießung von 15 unbewaffneten Arbeitern nahe Mechterstädt und den anschließenden Freispruch durch das Kriegsgericht in Marburg.
Die Ehrensenatorwürde wurde ihm am 09.07.1939 im Rahmen des vom Nationalsozialistischen Studentenbund veranstalteten Marburger Studententags „für seinen Kampf für die nationalen Ideale“ verliehen.
Die Ehrung ist aus heutiger Sicht untragbar. Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt und distanziert sich von der Verleihung der Ehrensenatorenwürde. Er verurteilt das menschenverachtende Wirken von Selchows in der Weimarer Republik auf das schärfste.

1940

Dr. med. Emil Krückmann (14.05.1865-23.06.1944), Geheimer Medizinalrat und Professor für Augenheilkunde an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin.
Auf Vorschlag der medizinischen Fakultät erhielt er am 14.5.1940 die Ehrensenatorenwürde wegen seiner wissenschaftlichen Verdienste um die Blindenfürsorge und wegen seines Engagements für die Marburger Blindenstudienanstalt, deren Gründungsmitglied, langjähriges Vorstandsmitglied und Vorsitzender er war.

Karl Weinrich (02.12.1887-22.07.1973), Gauleiter Kassel. Die Ehrung war für den 21.06.1940 auf Vorschlag von Rektor Theodor Mayer aus politischen Gründen beabsichtigt, um die „Verwachsenheit der Universität mit dem geistigen Leben des deutschen Volkes“ und die „Einstellung auf Ziele und Aufgaben der NSDAP“ zu demonstrieren. Weinrich lehnte die Ehrung auf Weisung der Partei ab, weil Ehrungen dieser Art für hohe Parteifunktionäre als unerwünscht galten. Weinrich wurde 1949 von der Spruchkammer in Kassel als ein Hauptschuldiger des NS-Regimes zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Karl Weinrich ist nie Ehrensenator der Philipps-Universität Marburg gewesen. Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt die Initiative zur Verleihung und distanziert sich davon.

Wilhelm Traupel (06.05.1891-07.02.1946), Landeshauptmann der Provinz Hessen-Nassau in Kassel und SS-Oberführer. Traupel war bereits 1930 in die NSDAP eingetreten, er war Mitglied der SA und der SS, seit 1939 SS-Oberführer und 1940 im Reichssicherheitshauptamt tätig. Als Landeshauptmann des Bezirksverbands Nassau in Wiesbaden ab 1933 und des Bezirksverbands Hessen in Kassel ab 1936 organisierte er die Verlegung von Patienten der Heil- und Pflegeanstalten in der Provinz Hessen-Nassau in die Vernichtungsanstalt Hadamar. Ein Ermittlungsverfahren des amerikanischen Militärgerichts gegen ihn als leitenden Beamten und Organisator der Krankenmorde führte nicht zu einem Strafverfahren, weil Traupel 1946 starb.
Auf Betreiben des Universitätsrektors erhielt Traupel am 06.07.1940 die Ehrensenatorenwürde „für die Zusammenlegung der kulturellen Ämter der Landesverwaltung in Marburg“. Der spätere Rektor mutmaßte 1946, Traupel sei für seine Unterstützung der nationalsozialistischen Kulturpolitik geehrt worden, und schlug die Aberkennung der Ehrung vor. Die Aberkennung unterblieb, weil Traupel im Internierungslager in Recklinghausen am 07.02.1946 starb.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt die Ehrung und distanziert sich davon. Er verurteilt das menschenverachtende Wirken Traupels in der NS-Zeit auf das schärfste.

1941

Dr. ing. Dr. med. Carl-Ludwig Lautenschläger (27.02.1888-06.12.1962), stellvertretendes Vorstandsmitglied der I.G. Farben. Als stellvertretendes Vorstandsmitglied der I.G. Farben und Leiter des Werks Hoechst sowie Verantwortlicher für die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen und Schädlingsbekämpfungsmitteln hatte Lautenschläger Kenntnis davon, dass Häftlinge im Konzentrationslager Buchenwald von SS-Ärzten mit dem Fleckflieberbazillus infiziert wurden, um Medikamente der I.G. Farben klinisch zu erproben, und daran starben. Eine individuelle Schuld konnte Lautenschläger in den Nürnberger Prozessen jedoch nicht nachgewiesen werden.
Für seine Verdienste um die Förderung der Chemie und Pharmakologie, insbesondere die Herstellung von Adrenalin erhielt er am 12.7.1941 die Ehrensenatorenwürde.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt die Ehrung und verurteilt das menschenverachtende Wirken Lautenschlägers in der NS-Zeit auf das schärfste.

1942

Dr. Hans Alfred Engel (17.11.1887-17.08.1945), Jurist, Studium und Promotion in Marburg. Direktor der Sozialabteilung im Reichsarbeitsministerium, ab 1942 als Staatssekretär im Ministerium. Inwiefern Engel den NS-Funktionseliten zuzurechnen ist, ist nicht hinreichend geklärt.
Die Ehrung erfolgte am 11.07.1942 aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Blindenstudienanstalt für seine Verdienste um das Wohl der Kriegsblinden und die Blindenstudienanstalt. Er war als Jurist im Vorstand, seit 1936 als stellvertretender Vorsitzender und von 1943 bis 1945 als Vorsitzender für die Einrichtung tätig.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Engels in der NS-Zeit. Eine abschließende Würdigung ist aber bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich.

1944

Konrad von Monbart (13.08.1881-24.05.1945), Jurist, seit 1933 Regierungspräsident in Kassel. Eintritt in die NSDAP am 01.05.1937. Nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst mit Auflösung der Provinz Hessen-Nassau am 01.07.1944 wurde er Staatskommissar für die Landeskreditkasse in Kassel.
Die Ernennung zum Ehrensenator erfolgte am 09.06.1944 auf Vorschlag des Universitätskurators Ernst von Hülsen. Monbart habe die Hochbauverwaltung des Regierungspräsidiums für die Universität eingesetzt und bei Neubauten, baulichen Erweiterungen und Instandhaltungen großzügig Mittel zur Verfügung gestellt, so die Begründung für die Ehrung.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Monbarts in der NS-Zeit. Eine abschließende Würdigung ist bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich, eine wissenschaftliche Untersuchung zu seiner Tätigkeit als Regierungspräsident in Kassel aber ist in Vorbereitung.

1949

Prof. Dr. Anton Kippenberg (22.05.1874-21.09.1950), Germanist, Verleger und Leiter des Insel-Verlags von 1905 bis 1950, Präsident der Goethe-Gesellschaft 1938 bis 1950. Als Vizepräsident der Goethe-Gesellschaft betrieb er 1933 ihre Gleichschaltung und säuberte den Vorstand von jüdischen Mitgliedern. Seine bedeutende Goethe-Sammlung brachten die US-Alliierten zum Schutz zunächst nach Marburg, heute wird sie im Goethe-Museum in Düsseldorf bewahrt. Das Germanistische Seminar der Philipps-Universität Marburg erhielt einige wertvolle Texte als Schenkung.
Kippenberg erhielt am 30.04.1949 die Ehrensenatorenwürde anlässlich seines 75. Geburtstages für seine Verdienste um die Literatur. Er lebte seit 1945 in Marburg.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Kippenbergs in der NS-Zeit. Eine abschließende Würdigung ist aber bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich.

Prof. Dr. jur. Alexander Beck (05.08.1900-10.12.1981), geboren in Bern, Promotion in Heidelberg 1923, Privatdozentur und ordentliche Professur 1930 bis 1939 in Königsberg, 1944 Rechtsberater beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes und von 1947 an Professor für römisches und schweizerisches Recht an der Universität Bern.
Beck wurde am 19.11.1949 mit der Ehrensenatorenwürde bedacht für seinen Einsatz als Präsident der Senatskommission für akademische Nachkriegshilfe der Universität Bern und in der Leitung des Berner Hilfswerks für Studierende und Dozenten der Philipps-Universität Marburg.

1950

Prof. Dr. Paul Ferdinand Jacobsthal (23.02.1875-27.10.1957), Archäologe. Von 1912 an Professor in Marburg, ab 1915 Direktor des Archäologischen Seminars und der Sammlung der Gipsabgüsse, durch den Entzug der Venia legendi am 31. Dezember 1935 ins Exil nach Oxford gezwungen. Seit 1937 Professor am Christ Church College Oxford, verstorben in Oxford.
Jacobsthal erhielt die Ehrensenatorenwürde anlässlich seines 70. Geburtstags am 23. Februar 1950 in Anerkennung seines Engagements für die Planung, Errichtung und Verwaltung des Jubiläumsbaus sowie seine „wissenschaftliche Hilfe nach 1945“. Die Ehrung war auch als Wiedergutmachung für den antisemitisch motivierten Entzug der Lehrerlaubnis gedacht, „in dem Wunsche, seiner durch politischen Eingriff unterbrochenen Zugehörigkeit zur Philipps-Universität neuen Ausdruck zu geben“.

Friedrich August Pinkerneil (16.04.1890-21.05.1967), Fachmann für Bergbau und Bergrecht. 1916 Promotion in Marburg, von 1921 bis 1928 Abgeordneter im preußischen Landtag für die DVP, von 1922 bis 1944 Syndikus und Mitglied der Geschäftsführung der Spitzenorganisation des Deutschen Bergbaus, Mitglied verschiedener Aufsichtsräte und Grubenvorstände, u.a. langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Ableger der Singer-Company. Er war Gründungsmitglied, langjähriges Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Blindenstudienanstalt sowie Schatzmeister und späterer Ehrenvorsitzender des Marburger Universitätsbundes. Die Medizinische und die Juristische Fakultät der Philipps-Universität Marburg verliehen ihm Ehrendoktorwürden. 1966 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern.
Pinkerneil wurde am 16. April 1950 anlässlich seines 60. Geburtstages zum Ehrensenator ernannt in „Anerkennung seiner unablässigen Bemühungen um die Fürsorge für notleidende Akademiker, für kriegs- und friedensblinde Studierende, sowie für die gesamte Universität Marburg in schwerer Nachkriegszeit.“

1952

Reinhold Letschert (27.05.1882-03.07.1961), Leiter der Volksbank Kassel von 1918 bis 1954, von 1920 bis 1933 stellvertretender Direktor und Direktor des Verbandes hessischer Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, mit dem Zusammenschluss des Kasseler Verbandes mit dem Hessen-Mittelrheinischen Genossenschaftsverband 1933 wurde er stellvertretender Verbandsdirektor. 1951 wurde er wieder in das Amt gewählt. Er war Direktor des Verbandes hessischer Vorschuss- und Kreditvereine und trat mit Veröffentlichungen zum Prüfungswesen, Vorträgen und Lehrgängen zum Genossenschaftswesen hervor. Er war an der Gründung des Instituts für Genossenschaftswesen der Philipps-Universität beteiligt. Im Anschluss an die Verleihung der Ehrensenatorenwürde trat er in den Universitätsbund ein.
Letschert erhielt die Ehrensenatorenwürde am 27. Mai 1952 anlässlich seines 70. Geburtstags in Anerkennung seiner Verdienste um das gewerbliche Genossenschaftswesen.

Dr. Fritz Hoch (21.10.1896-20.10.1984), Jurist, Regierungspräsident Kassel. Mitglied der SPD von 1918 an. Als Beamter im preußischen Innenministerium 1932 nach dem Sturz der preußischen Regierung Versetzung aus politischen Gründen in das Oberpräsidium von Kurhessen in Kassel. Von 1933 bis 1945 Dezernent für Sparkassen- und Wasserrechtsangelegenheiten, 1946 Mitglied der Kommission zur Vorbereitung der Hessischen Verfassung, 1948/49 Angehöriger des Parlamentarischen Rats, bis 1961 Regierungspräsident im Regierungsbezirk Kassel.
Hoch erhielt am 21.06.1952 die Ehrensenatorenwürde anlässlich der 425-Jahrfeier der Philipps-Universität in Anerkennung seiner Verdienste um die Fürsorge für die Studierenden und seines Engagements im Universitätsbund.

Alan Coatsworth (22.05.1890-?), Geschäftsmann im Versicherungswesen und Förderer internationaler christlich-jüdischer Verständigung aus Toronto, Kanada. Unterstützte seit 1925 jüdische Jugendliche während ihrer Schul- und Studienzeit, nach Ende des Zweiten Weltkriegs ermöglichte er jungen Deutschen einen Aufenthalt in Kanada. Seinem mäzenatischen Engagement verdankt die Philipps-Universität die Alan-Coatsworth Canada Collection; ein nach ihm benanntes Stipendium unterstützt bedürftige Studierende an der Universität Toronto.
Coatsworth wurde die Ehrensenatorenwürde am 28.06.1952 anlässlich der 425-Jahrfeier der Philipps-Universität verliehen als Würdigung für seine Förderung kultureller Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Kanada, für sein Engagement in der internationalen christlich-jüdischer Zusammenarbeit und für die Stiftung der Kanada-Bibliothek der Universität. 1955 erhielt er außerdem die Philipps-Plakette der Universität.

Georg Häring (05.03.1885-24.08.1973), Landeshauptmann in Kassel. Zunächst Eisendreher und Arbeitersekretär in Süddeutschland, von 1913 bis 1920 Lokalredakteur bei der sozialdemokratischen Parteizeitung Vorwärts in Kassel. Ab 1920 besoldeter Stadtrat und Ratsmitglied in Kassel und von 1923 bis 1933 Mitglied des Preußischen Staatsrats für die Provinz Hessen-Nassau. Im gleichen Zeitraum leitete er die Hauptfürsorgestelle bei der Kasseler Provinzialverwaltung, nach 1933 wurde er inhaftiert und in den Ruhestand versetzt. 1945 ernannte ihn die amerikanische Militärregierung zum hessischen Staatsminister für Ernährung und Landwirtschaft in der von Karl Geiler geleiteten Regierung. 1947 war er Landeshauptmann im Kasseler Bezirkskommunalverband.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 28.6.1952 für seine Förderung der Universität, ihrer sozialen Einrichtungen, des Universitätsmuseums und der Kunstgeschichte sowie der akademischen Jugend.

Wilhelm Schoof (18.06.1876-16.05.1975), Germanist und Oberstudiendirektor in Bad Hersfeld. Schoof studierte und promovierte in Marburg, seit 1908 war er Direktor der Luisenschule, einer Mädchenschule, in Bad Hersfeld. Er gründete den Hersfelder Geschichtsverein, das Heimatmuseum und war als Heimatforscher in zahlreichen landesgeschichtlichen Vereinen aktiv. Er veröffentlichte wissenschaftliche Beiträge und Briefeditionen zu den Brüdern Grimm. Seine Publikationen in den Jahren 1933 bis 1945 werden kritisch beurteilt im Hinblick auf die Nähe zu völkisch-nationalsozialistischem Gedankengut.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 28.06.1952 anlässlich der 425-Jahrfeier für seine Verdienste um die Grimm-Forschung und um die hessische Volks- und Namenskunde.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Schoofs in der NS-Zeit.

1955

Dr. Michel Erlenbach (05.03.1902-08.01.1962), Chemiker, Mitglied des Vorstands der Farbwerke Hoechst und Aufsichtsratsvorsitzender der Behringwerke. Erlenbach hatte als promovierter Chemiker 1928 seine Tätigkeit bei den Farbwerken Hoechst begonnen. Als herausragender Wissenschaftler behielt er während der NS-Herrschaft in Hoechst seine Beschäftigung, wurde jedoch 1944 wegen seiner jüdischen Herkunft zu Zwangsarbeit deportiert. 1945 setzte ihn die amerikanische Militärregierung als Treuhandverwalter des Werks Hoechst ein. 1953 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz, er ist Ehrenbürger der Goethe-Universität Frankfurt.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 16.6.1955 auf Vorschlag von Professor W. Walcher vom Physikalischen Institut für seine Tätigkeit im Universitätsbund und seine Spenden zugunsten der Universität.

1958

Prof. Dr. Willy Viehweg (09.05.1888-16.12.1978), Reformpädagoge und Ministerialdirektor im hessischen Kultusministerium. Viehweg war von 1923 bis 1933 Studienrat am Realgymnasium in Weimar, wo er reformpädagogische Ideen umsetzte, und SPD-Stadtrat. 1933 wurde er aus politischen Gründen aus dem Schuldienst entlassen und nach Buchenwald gebracht. Durch die Hilfe eines Bekannten wurde er entlassen. Von 1946 bis 1953 war er als Ministerialdirektor für die SPD im Kultusministerium des Landes Hessen am Aufbau des Schul- und Erziehungswesens beteiligt. Viehweg beförderte die Gründung des ersten Lehrstuhls für Kinder- und Jugendpsychiatrie in der Bundesrepublik an der Philipps-Universität Marburg sowie den Aufbau der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und weiterer Fachgebiete in der Medizinischen Fakultät. Er setzte sich für die universitäre Ausbildung von Sonderschullehrern ein und schuf das Institut für Sonderschulpädagogik.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 07.06.1958 für seine Verdienste um den Wiederaufbau von Kliniken und Instituten an der Universität.

1959

Prof. Dr. Karl Winnacker (01.09.1903-05.06.1989), Chemiker und Direktor der Farbwerke Hoechst. Winnacker nahm 1933 seine Tätigkeit im Werk Hoechst der I.G. Farbenindustrie auf, 1938 übernahm er die Leitung der Anorganischen Abteilung in Hoechst, 1943 wurde er Direktor in Hoechst. In die SA trat er 1933 ein, in die NSDAP 1937. 1947 war er zunächst in der Duisburger Kupferhütte tätig, bevor er 1951 in das Stammwerk Hoechst zurückkehrte und Technischer Leiter der neugegründeten Farbwerke wurde. 1952 wurde er Vorstandsvorsitzender und 1969 wechselte er in den Aufsichtsrat. Winnacker gehörte nicht zu den in Nürnberg angeklagten Managern der IG-Farben. Er gab an, von den Versuchen an Menschen und von Massenmorden nichts gewusst zu haben. Entschädigungen für Zwangsarbeiter durch das Unternehmen versuchte er nach dem Krieg zu verhindern, die Versorgung ehemaliger und verurteilter Hoechst-Manager unterstützte er dagegen tatkräftig.
Für die sozialen Belange der Studierenden und der Philipps-Universität Marburg engagierte er sich als Vorsitzender des Universitätsbundes von 1957-1984. Die Ehrensenatorenwürde erhielt er am 20.06.1959.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Winnackers in der NS-Zeit.

1961

Bertram Schaefer (1879-21.08.1966), Unternehmer und Inhaber einer Tapetenfabrik. Leutnant im Ersten Weltkrieg und Mitglied im Reserve-Jäger-Bataillon, kandidierte 1919 für die DNVP-DVP bei den Kommunalwahlen. Unter dem Tarnnamen „Marburger Tapetenfabrik Werk II“ wurde die Firma Norm- und Gewindeteile GmbH aus Metz nach Marburg verlagert. Ein Teil der dort eingesetzten Zwangsarbeiter wurde in den Räumlichkeiten der Fabrik in Marburg untergebracht. Bei der Entnazifizierung wurde Schaefer als entlastet eingestuft. Ihm wurde das Bundesverdienstkreuz verliehen und er war Ehrenbürger der Stadt Kirchhain.
Schaefer erhielt am 24.06.1961 die Ehrensenatorenwürde für seine Verdienste als langjähriger Förderer der Philipps-Universität. 1955 war ihm bereits die Philipps-Plakette der Universität verliehen worden.

1965

Dr. jur. Karl Larsen (25.02.1900-11.10.1978), Direktor der Rheingauer Volksbank in Geisenheim, Vorsitzender des deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes. Nahm als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teil und war nach Kriegsende Mitglied in einem Würzburger Freikorps. 1933 trat er in die NSDAP ein, 1936 wurde er vom Kommunalbeauftragten der NSDAP zum Stadtrat in Geisenheim ernannt. Als Kreiswirtschaftsberater war er am Verkauf jüdischer Vermögen beteiligt, deren Erlös auf ein Treuhandkonto der Rheingauer Volksbank überwiesen wurde. Im Spruchkammerverfahren wurde Larsen entlastet.
Larsen wurde 19. 06. 1965 als „tatkräftiger Förderer des Instituts für Genossenschaftswesen an der Philipps-Universität“ mit der Ehrensenatorenwürde geehrt. 1955 hatte er bereits die Philipps-Plakette erhalten.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Larsens in der NS-Zeit. Eine abschließende Würdigung ist aber bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich.

1966

Heinz Massingh (17.09.1897-24.12.1966), Direktor eines Montanunternehmens, Präsident der Industrie- und Handelskammer Kassel von 1952 bis 1966. Vorstandsmitglied der A. Riebeck’sche Montanwerke, die 1926 in die IG-Farben integriert wurden.
Massingh wurde am 17.10.1966 für seine materielle Unterstützung der Philipps-Universität mit der Ehrensenatorenwürde geehrt. Er hatte sich bei den Gremien der Industrie- und Handelskammer für eine Förderung der Universität eingesetzt.

1967

Herbert Reichel (1920-23.07.1977), Textilunternehmer. Angesichts drohender Enteignung in der Sowjetischen Besatzungszone gründete er seine im Sudetenland gelegene Textilfabrik in Rheinsberg neu. Der Unternehmer bot 1.800 Arbeitsplätze in der Hochzeit und investierte in den sozialen Wohnungsbau (Arbeitersiedlungen). Der wirtschaftliche Niedergang des Unternehmens in den 1980er Jahren war begleitet von Skandalen um Parteispenden und staatliche Zuschüsse.
Reichel wurde am 26. April 1967 für seine Verdienste um den Ausbau der Orientalistik der Philipps-Universität mit der Ehrensenatorenwürde geehrt. Mit der 1966 erfolgten Schenkung sollten die Forschungs- und Sammlungsaufgaben der Orientwissenschaften der Philipps-Universität gestärkt werden.
Der Senat der Philipps-Universität Marburg missbilligt das Wirken Reichels. Eine abschließende Würdigung ist aber bei dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich.

1968

Dr. h.c. Dr. h.c. Karl Vötterle (12.04.1903-29.10.1975), Verleger in Kassel. Vötterle gründete 1923 den Bärenreiter-Verlag, der für den Druck von Liedblättern für die musikalische Jugendbewegung und für adventliches und weihnachtliches Liedgut Bekanntheit erlangte. 1935 wurde er aus der Reichspressekammer ausgeschlossen, weil er den christlichen Sonntagsbrief verlegte. 1936 trat er in die NSDAP und die Reiterstaffel der SA ein. 1944 wurde er wegen seiner anthroposophischen und konfessionellen Bindung denunziert. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er freigesprochen wegen aktiven Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Ab 1945 veröffentlichte Vötterle wissenschaftlich-kritische Gesamtausgaben der Werke u. a. von Gluck, Telemann und Bach. 1953 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Musikwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kiel und der Theologischen Fakultät Leipzig. 1968 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.
Die Verleihung der Ehrensenatorenwürde erfolgte am 23.04.1968 anlässlich des 65. Geburtstags von Vötterle in „Anerkennung seiner verdienstvollen Förderung der Philipps-Universität für die tatkräftige Hilfe beim Ausbau des musikwissenschaftlichen Instituts der Universität“.

Prof. Dr. med. Martha Schmidtmann (04.08.1892-28.04.1981), Pathologin, Außerordentliche Professorin an der Universität Leipzig. Schmidtmann wurde 1916 in Marburg promoviert, 1925 habilitierte sie in Leipzig, wo sie von 1932-1934 Extraordinaria war. Ihr Vater Adolf Schmidtmann war von 1911-1914 Kurator der Philipps-Universität und nach ihm wurde die von Martha Schmidtmann eingerichtete Stiftung benannt. Die Stiftung vergibt bis heute Stipendien an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fächer Medizin und Geschichte.
Die Verleihung der Ehrensenatorinnenwürde erfolgte während des Universitätstages, der jährlichen Gründungsfeier der Philipps-Universität, am 22.06.1968 auf Antrag der Medizinischen Fakultät „für ihre unermüdliche, großzügige Unterstützung des akademischen Nachwuchses und in besonderer Anerkennung ihrer Förderung des Ausbaus wissenschaftlicher Beziehungen zu ausländischen Universitäten“.

1996

Dr. rer. nat. Marie Luise Zarnitz, Chemikerin und Kunstsammlerin, arbeitete von 1960 bis 1964 am Max-Planck-Institut für Biologie in Tübingen und wechselte dann zur Volkswagen-Stiftung, wo sie von 1969 bis 1989 als Abteilungsleiterin tätig war.
Die Ernennung zur Ehrensenatorin erfolgte auf Beschluss des Senats vom 06.11.1995 am 29.01.1996 „in Anbetracht Ihrer Verdienste um die Förderung der deutschen Hochschulen und der Philipps-Universität Marburg – insbesondere der Unterstützung des Bildarchivs Foto Marburg, das die Philipps-Universität zum Zentrum der Kunstgeschichtlichen Dokumentation in Deutschland werden ließ.“

1998

Dr. jur. Dr. hc. Reinfried Pohl (26.04.1928-12.06.2014), Unternehmer. Pohl studierte Rechtswissenschaften in Marburg und wurde 1953 promoviert. Von 1956 bis 1960 und von 1964 bis 1968 war er für die FDP Mitglied der Marburger Stadtverordnetenversammlung. 1975 gründete er die deutsche Vermögensberatung, 1997 die Dr. Reinfried Pohl Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. Insbesondere die Fachbereiche Rechtswissenschaften und Medizin wurden mit namhaften Geldern unterstützt. Das Dr. Reinfried Pohl Zentrum für Medizinische Lehre nahm im WS 2011/12 seinen Betrieb auf. 2006 erhielt Pohl das Bundesverdienstkreuz.
Die Ernennung zum Ehrensenator erfolgte am 23.10.1998 „in Anbetracht seiner Verdienste um die Philipps-Universität durch langjährige ideelle Unterstützung und großzügige materielle Förderung der Wissenschaften.“

2002

Hilde Eitel (12.01.1915-17.12.2010), Unternehmerin und Textildesignerin. Eitel studierte von 1935 bis 1938 Tapeten- und Textilentwurf in München, leistete während des Kriegs Arbeitsdienst und baute die Marburger Tapetenfabrik ihres Vaters wieder auf. Später widmete sie sich den gestalterischen Aufgaben und knüpfte Kontakte zu zahlreichen Künstlern, die für das Unternehmen entwarfen. Sie setzte das Engagement ihres Vaters Bertram Schaefer, der 1961 zum Ehrensenator der Universität ernannt worden war, zugunsten der Philipps-Universität fort.
Die Verleihung der Ehrensenatorinnenwürde erfolgte am 28.06.2002 „in Anbetracht ihrer Verdienste um die Philipps-Universität durch langjährige ideelle Unterstützung und großzügige materielle Förderung“, etwa für das Universitätsmuseum.