Aus der Geschichte lernen, Zukunft zu gestalten
Inklusive Bildung und Erziehung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
Symposion am 20. und 21. Januar 2012 anlässlich des 200. Geburtstags von
Edouard Séguin
„Wenn es möglich wäre, dass wir beim Bestreben, die einfache Idiotenerziehung zu finden, auf Bedingungen stoßen, die bestimmt genug sind, dass es nur notwendig wäre, sie zu generalisieren, um eine auf die allgemeine Erziehung anwendbare Formel zu erhalten, dann hätten wir nicht nur in unserer bescheidenen Sphäre einen kleinen Nutzen gestiftet, sondern wir hätten außerdem die Elemente für eine Methode der physiologischen Erziehung der Menschheit vorbereitet. Es bliebe nur noch übrig, sie zu schreiben.“
Mit diesem Satz, den er 1866 in seinem Buch „Idiocy“ erneut aufgreift, beschließt Edouard Séguin sein 1846 erschienenes Werk Traitement moral, hygiène et éducation des idiots, das weltweit wohl erste Lehrbuch einer – wir würden heute sagen – Pädagogik der geistig Behinderten. Er formuliert damit also schon vor mehr als 160 Jahren die besondere historische Aufgabe der Behindertenpädagogik, sich selbst und diejenige Pädagogik, die bis heute unter der irreführenden Bezeichnung „Regelpädagogik“ firmiert, kompromisslos zu einer allgemeinen und basalen Pädagogik, die niemanden mehr ausgrenzt, sondern gleichermaßen allen Menschen ohne Ausnahme und in allen Lebensbereichen zu fortschreitender Vergesellschaftung verhilft, in Theorie und Praxis weiterzuentwickeln und letztlich darin aufzuheben.
Das Symposion wird an Séguins historischem Auftrag anknüpfen, diesen zunächst aus seinem kulturhistorischen Kontext heraus entwickeln, den aktuellen Stand seiner Umsetzung reflektieren und schließlich Perspektiven für die Zukunft vor dem Hintergrund aktueller behinderten- und bildungspädagogischer und –politischer Entwicklungen und Debatten entwickeln.
Edouard Séguin (1812-1880)
Die Veranstaltung findet mit freundlicher Unterstützung des Ursula-Kuhlmann-Fonds statt.

