01.02.2012
Vortrag am 08.02.2012 - Gesellschaft und Gewalt. Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs im Spiegel von Gerichtsurteilen
Wir möchten Sie ganz herzlich zum Vortrag von Herrn Sven Keller, Institut für Neuere und Neueste Geschichte, Universität Augsburg, einladen. Er wird über seine Forschungsarbeiten über Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs und ihre juristische Aufarbeitung sprechen. Der Vortrag findet Mittwoch, den 8. Februar 2012 um 18.°° Uhr c.t. im Landgrafenhaus, Raum LH 202 (Universitätsstraße 7) statt.
In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges kam es zu einer
letzten Klima nationalsozialistischer Gewalt. Das Spektrum der
„Verbrechen der Endphase“ ist groß, und ihrer Erforschung war das
Dissertationsprojekt gewidmet, aus dessen Ergebnissen der Vortrag
berichtet. Neben einem breiten phänomenologischen Überblick galt das
Forschungsinteresse der Einordnung der Gewalt in die Geschichte des
NS-Herrschaftssystems und der deutschen Gesellschaft in der Endphase
des Zweiten Weltkrieges und des „Dritten Reiches“. Trotz aller
Auflösungs- und Zerfallserscheinungen blieb das Regime bis zuletzt zur
Ausübung von Macht und Gewalt in der Lage, indem es Voraussetzungen und
Spielräume der Gewalt schuf, diese legitimierte und einforderte.
Gleichzeitig waren die Endphasenverbrechen individuelle Gewalttaten mit
individuellen Akteuren. Sie handelten in einem spezifischen
gesellschaftlichen Umfeld, das in der Kriegsendphase von erheblichen
Spannungen der Ungleichzeitigkeit geprägt war – Spannungen, die sich in
der Gewalt entluden, die die letzten Wochen und Monate des NS-Regimes
kennzeichnete.
Perspektiven auf diese Gewalt eröffnen vor allem die Akten der
Nachkriegsjustiz, die nach 1945 eine Vielzahl von Endphasenverbrechen
aburteilte. Der Vortrag wird auf diesen Quellenbestand in besonderer
Weise eingehen.


