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Forschungsschwerpunkte

In der Vergangenheit konnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ICWC diverse interdisziplinäre Forschungsvorhaben im Zusammenhang mit Kriegsverbrecherprozessen und der Bewältigung von Massengewalt verwirklichen.

Zweiter Weltkrieg

Im Rahmen einer deutsch-chinesischen Forschungskooperation wurden deutsche und japanische Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg, aufgearbeitet. Dies umfasste vor allem die Erprobung des Einsatzes biologischer und chemischer Waffen sowie die Durchführung medizinischer Experimente an tausenden von Opfern. Weiterhin betreute das ICWC mehrere Dissertationsprojekte, die sich der Erforschung des Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozesses widmeten, und realisierte ein Forschungs- und Dokumentationsprojekt zur Beschreibung, Digitalisierung und Präsentation der belgischen Kriegsverbrecherprozesse nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie Prozesse ab den 1990er Jahren. Schließlich wurde eine Reihe von Forschungsarbeiten im Zusammenhang mit deutschen, französischen und britischen Strafverfahren durchgeführt.

Völkerstrafprozessrecht

Völkerstrafprozessrecht (international criminal procedure) umschreibt als Oberbegriff dasjenige Verfahrensrecht, welches von internationalen Strafgerichtshöfen zur Durchsetzung von Völkerstrafrecht angewendet wird. Im Rahmen dieses Projekts wurden in verschiedenen Einzelprojekten besonders kritische Punkte des internationalen Strafverfahrens bearbeitet. Dies umfasst Fragen des Zeugen- und Opferschutzes insbesondere an den Extraordinary Chambers in Kambodscha, das Thema "Untersuchungshaft im Völkerstrafverfahren – Menschenrechtliche Vorgaben bei der Implementierung und Durchsetzung der Untersuchungshaft vor Internationalen Strafgerichten" sowie eine Untersuchung der disclosure rules und ihrer historischen Entwicklung seit dem Nürnberger Hauptkriegsverbrechertribunal, den UN ad hoc Tribunalen bis hin zum ICC.

Transitional Justice

Transitional Justice (TJ) gehört zu den zentralen Konzepten der Friedenskonsolidierung in Nachkriegsgesellschaften, die seit Mitte der 1990er Jahre von der internationalen Gemeinschaft und der globalen Zivilgesellschaft entwickelt wurden, um nachhaltigen Frieden in Postkonfliktgesellschaften zu gewährleisten. In Kooperation mit dem Zentrum für Konfliktforschung wurden die folgenden Projekte durchgeführt: Transitional Justice and Reconciliation in Cambodia, Europäische Erfahrungen mit strafrechtlicher Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen sowie ein Workshop über Transitional Justice. Schließlich wurde in einem eigenen Projekt die Rolle der Opfer am Khmer-Rouge-Tribunal untersucht.

Legal Tools

Die Legal Tools sind eine virtuelle Bibliothek mit integrierter Datenverwaltungssoftware zum Völkerstrafrecht. Der Nutzer oder die Nutzerin soll in die Lage versetzt werden, internet-basiert auf eine Fülle von Informationen zuzugreifen und zu verwalten und damit praktisch zu nutzen.

Die Legal Tools bestehen aus drei Teilen. Die Basis bildet eine Datenbank, die völkerstrafrechtliche Quellen aller Art enthält, wie Gesetze, völkerrechtliche Verträge, Gerichtsentscheidungen, Aufsätze etc.
Die zweite Ebene der Legal Tools besteht aus einem eigens geschaffenen Kommentar zum materiellen Völkerstrafrecht, Strafprozessrecht sowie Anwendungsbeispielen von Beweismitteln aus der internationalen juristischen Praxis, den so genannten Means of proof.
Die dritte Ebene schließlich beinhaltet eine Verwaltungs- und Anwendungssoftware, die so genannte Case Matrix. Von hier aus kann zum einen auf die beiden anderen Ebenen der Legal Tools zugegriffen werden, gleichzeitig bietet die Software aber auch Hilfsmittel zum Prozessmanagement von praktischen Fällen, wie etwa der Verwaltung von Beweismitteln in einem völkerrechtlichen Strafverfahren.

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