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13.12.2011

Vortrag am 14. Dezember 2011 von Kerstin von Lingen: "Operation Sunrise" und Immunitätsversprechen

Nachkriegsschutz der CIA für SS-General Karl Wolff

Mittwoch, den 14. Dezember 2011

Landgrafenhaus (Universitätsstraße 7)

Raum: LH 209

Zeit: 16:°° bis 18.°° Uhr

 

Entgegen der Vereinbarungen von Casablanca (unconditional surrender) hat es im Frühjahr 1945 nicht nur Verhandlungen über einen Separatfrieden gegeben, sondern sogar Verhandlungen mit Vertretern der SS: Der erste Waffenstillstand des Zweiten Weltkrieges in Europa, die vorzeitige Kapitulation der Heeresgruppe C in Norditalien am 2.Mai 1945, bekannt unter ihrem Codenamen „Operation Sunrise“, ist das Ergebnis von Verhandlungen des amerikanischen Geheimdienst-Emissärs des OSS in Bern, Allen W. Dulles und des Höchsten SS- und Polizeiführers Italien, SS-Obergruppenführers Karl Wolff. Im Vortrag werden Interessenlage und Risiken der beiden Verhandlungsparteien Wolff und Dulles sowie den Verhandlungsverlauf der Kapitulationsgespräche im Frühjahr 1945 nachgezeichnet, und die militärischen, wirtschaftlichen und politischen Vorteile einer schnellen Teilkapitulation – ohne den sowjetischen Alliierten – in Norditalien herausgearbeitet.

Brisanter noch als die Geheimverhandlungen sind die Auswirkungen auf das alliierte Prozessprogramm, das durch Sondervereinbarungen ausgehöhlt wurde, wie am Beispiel deutlich wird. Im zweiten Teil des Vortrags wird es daher um ein in den Kapitulationsverhandlungen gegebenes Immunitätsversprechen an den SS-General gehen. Dulles sicherte Wolffs Stillschweigen über die Einzelheiten des Deals dadurch, dass es ihm kraft seines Amtes durch Beeinflussung von Ermittlungs- und Verfolgungsbehörden in Nürnberg gelang, ihn von Strafverfolgung auszunehmen, und zwar in Nürnberg beim IMT Verfahren, während der Entnazifizierungsverhandlung vor einem Spruchgericht in der britischen Zone. Erst nach 1962 gelang es dem Landgericht München, Wolff wegen seiner Mitwisserschaft an den Deportationen von Treblinka vor Gericht zu bringen. Dulles und seine Getreuen konnten zwar diesmal den Schuldspruch nicht verhindern, jedoch auf Strafmaß und Haftdauer einwirken: Wolff wurde nach einer Kampagne zu seiner Begnadigung bereits nach 5 Jahren aus „gesundheitlichen Gründen“ aus der Haft entlassen. Er starb 1984.

Zuletzt aktualisiert: 13.12.2011 · Dr.Wolfgang Form , Fb. 01

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