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M.A. Iranistik / Iranian Studies
Wir freuen uns, dass Sie sich für den Master-Studiengang Iranistik interessieren!
In Marburg bieten wir ein breites thematisches Angebot zu Geschichte, Kultur und Literatur der iranischen Welt. Innerhalb dieses Angebots haben Sie die Möglichkeit, Schwerpunkte zu setzen und Ihr eigenes fachliches Interesse auszubauen. Gerne unterstützen wir Sie bei der Umsetzung eigener Ideen und Projekte.
Detaillierte Informationen zu unserem Master-Studiengang: M.A. Iranistik / Iranian Studies
Abgeschlossene Master-Arbeiten
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Afghanische Fluchtlyrik als poetischer Widerspruch zu europäischen Grenzdiskursen, Elena Preussler (2026)
Die Masterarbeit untersucht Gedichte afghanischer Dichter*innen im europäischen Exil, die zwischen 2015 und 2025 in den sozialen Medien Facebook und Telegram veröffentlicht wurden. Im Zentrum steht die Frage, wie diese Texte Erfahrungen mit europäischer Grenz- und Asylpolitik artikulieren und in welchem Verhältnis sie zu hegemonialen politischen und medialen Diskursen über Flucht, Sicherheit und Zugehörigkeit stehen.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Migration insbesondere im Kontext der sogenannten „Flüchtlingskrise“ seit 2015 in europäischen politischen Debatten, Medienberichten und sicherheitspolitischen Programmatiken als Ausnahmezustand und als ordnungspolitische Herausforderung dargestellt wird. In diesen Diskursen erscheinen Menschen auf der Flucht häufig als verwaltete Fälle innerhalb bürokratischer Verfahren, als statistische Größen migrationspolitischer Steuerung oder als sicherheitspolitische Risiken. Die Arbeit reagiert auf diese diskursive Objektivierung, indem sie die literarische Selbstpositionierung der Dichterinnen in den Mittelpunkt stellt. Methodisch verbindet sie eine hermeneutische und diskursanalytische Analyse ausgewählter Gedichte mit offenen Interviews, in denen die Autorinnen als aktive Interpret*innen ihrer eigenen Texte einbezogen werden. Auf diese Weise werden die Gedichte nicht lediglich als ästhetische Ausdrucksformen gelesen, sondern auch als eigenständige Wissensquellen zu Flucht, Grenzerfahrung und Asylverfahren untersucht. Die Perspektive verschiebt sich damit von einem überwiegend extern geführten Flüchtlingsdiskurs hin zu einer literarisch artikulierten Innenansicht.
Die Ergebnisse der Gedichtanalyse verweisen auf strukturelle Defizite des europäischen Asylsystems, rechtliche Blockaden, langwierige Verfahren, institutionalisierte Unsicherheit sowie gesellschaftliche Ausgrenzung. Unter einer postkolonial informierten Perspektive werden die Texte als Formen epistemischer Gegenrede gelesen, die historische und globale Fluchtursachen ebenso sichtbar machen wie fortwirkende Machtasymmetrien, die in europäischen Asylregimen häufig ausgeblendet bleiben.
Die Arbeit schließt damit eine Forschungslücke, indem sie afghanische Fluchtlyrik systematisch in Beziehung zur europäischen Migrationspolitik setzt und deren literarische Artikulation als eigenständigen Beitrag zur politischen und kulturellen Wissensproduktion ausweist. (E. Preussler)Inhalt ausklappen Inhalt einklappen Erinnerungen an anti-afghanischen Rassismus in Iran: Eine ethnographische Annäherung an erzählte und literarische Auseinandersetzung in der afghanischen Diaspora, Roxana Varasteh (2026)
Diese Masterarbeit untersucht die Lebensrealitäten afghanischer Migrant:innen in Iran sowie die Bedeutung dieser Erfahrungen für diasporische Identitätsbildungsprozesse. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit Erinnerungen an anti-afghanischen Rassismus in Iran Teil der kollektiven Erinnerung und Identitätsbildung innerhalb der afghanischen Diaspora in Europa sind.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass ein erheblicher Teil der afghanischen Bevölkerung außerhalb Afghanistans lebt, wodurch die Diaspora eine zentrale analytische Kategorie zur Beschreibung transnationaler afghanischer Lebenswelten darstellt. Methodisch verfolgt diese Masterarbeit einen qualitativ-anthropologischen Ansatz und verbindet Oral-History-Gespräche mit der Analyse literarischer Werke afghanischer Autor:innen. Dadurch werden sowohl mündliche als auch schriftliche Erinnerungen als eigenständige Wissensquellen einbezogen und miteinander verbunden.
Die Untersuchung zeigt, dass Erfahrungen von Ausgrenzung und strukturellem Rassismus in Iran einen festen Bestandteil eines kollektiven Erinnerungsnarrativs bilden. Die literarische Ebene der Erinnerung hebt die ausgrenzenden Facetten der iranischen Gesellschaft symbolisch hervor. Beispielsweise gilt die Rückkehr von Iran nach Afghanistan mit leeren Händen als wichtiges vom Dichter Kazem Kazemi geprägtes Motiv, das auch Arif Farmān am Ende seines Romans Afġānī wieder aufgreift. Dieses Motiv verweist auf eine kollektive Erinnerung und ein kollektives Wissen, die innerhalb der afghanischen Diaspora transnationale Brücken bilden. Insgesamt beleuchtet die Arbeit den anti-afghanischen Rassismus in Iran, zeichnet dessen Ursprünge nach und versteht sich als ethnographische Annäherung, die vertiefte Einblicke in individuelle und kollektive Erinnerungswelten ermöglicht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Sie leistet damit einen Beitrag zum Verständnis von Diaspora, Erinnerung und Rassismus im afghanisch-iranischen Kontext. (R. Varasteh)