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80 Jahre Ende des Völkerbundes
Was war der Völkerbund?
Der Völkerbund war die erste internationale Organisation mit dem klaren Ziel, den Weltfrieden dauerhaft zu sichern. Er entstand als direkte Reaktion auf die verheerenden Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. Mit dem Versailler Vertrag wurde 1920 seine Gründung beschlossen.
Im Kern beruhte die Idee des Völkerbundes darauf, dass Konflikte zwischen Staaten nicht mehr mit Gewalt, sondern durch Dialog und internationale Zusammenarbeit gelöst werden sollten. Staaten verpflichteten sich, Streitigkeiten gemeinsam zu besprechen, internationale Regeln zu achten und sich gegenseitig zu unterstützen. Ziel war es, ein System zu schaffen, in dem die Sicherheit eines Landes auch die Sicherheit aller anderen betrifft. Der Völkerbund arbeitete dabei auf mehreren Ebenen: Er bot eine Plattform für diplomatische Verhandlungen, förderte die Entwicklung internationalen Rechts und setzte sich in verschiedenen Bereichen für Zusammenarbeit ein, etwa in der Gesundheitsversorgung, der Wirtschaft oder der Bekämpfung von Menschenhandel. Gleichzeitig sollten wirtschaftliche Sanktionen Staaten davon abhalten, aggressive Politik zu betreiben.
Trotz dieser ambitionierten Ziele hatte der Völkerbund erhebliche Schwächen. Wichtige Staaten waren zeitweise nicht Mitglied oder traten wieder aus, viele Entscheidungen mussten einstimmig getroffen werden und es fehlte an wirksamen Mitteln, um Beschlüsse auch durchzusetzen. Diese strukturellen Probleme führten dazu, dass der Völkerbund letztlich nicht in der Lage war, den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu verhindern.
Nach Gründung der Vereinten Nationen (UNO) im Jahr 1945 verlor der Völkerbund seine Bedeutung. Am 18. April 1946 beschlossen die verbliebenen 34 Mitglieder einstimmig, den Völkerbund mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Dennoch war der Völkerbund ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte internationaler Zusammenarbeit. Viele seiner Ideen und Ansätze wurden später wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.
Chronologie der Gründung des Völkerbunds
10. Januar 1920
Der Versailler Vertrag trat in Kraft. Er legte nicht nur die Gründung des Völkerbundes fest, sondern sah auch die Einrichtung eines internationalen Gerichtshofs vor.
13. Februar 1920
Der Völkerbundrat setzte ein Expertengremium ein: das Advisory Committee of Jurists (ACJ). Dieses Komitee erhielt den Auftrag, die Grundlagen für ein unabhängiges internationales Gericht zu erarbeiten.
16. Juni bis 12. Juli 1920
Das ACJ begann seine Arbeit. Die Aufgabe war anspruchsvoll, denn frühere Versuche, ein solches Gericht zu etablieren, waren gescheitert. Dennoch gelang es dem Komitee, schnell Fortschritte zu machen. Bereits am 12. Juli 1920 legte das ACJ einen ersten Entwurf für den Gerichtshof vor. Dieser wurde in den folgenden Monaten weiter überarbeitet.
12. November bis 16. Dezember 1920
Der Entwurf wurde intensiv diskutiert und in überarbeiteter Form schließlich angenommen.
15. Februar 1922
Der Internationale Gerichtshof des Völkerbundes wurde in Den Haag feierlich eröffnet. Von dort aus entschied er bis zum Zweiten Weltkrieg über Streitigkeiten zwischen den Mitgliedstaaten. Damit entstand erstmals ein dauerhaftes internationales Gericht. Ein wichtiger Schritt hin zu einer regelbasierten Weltordnung.
Was ist „Kollektive Sicherheit“?
Historisch kennen wir Bündnisse, in denen sich mehrere Staaten zusammentun, um die Bedrohung durch einen anderen Staat oder ein anderes Bündnis abfangen zu können. Aber spätestens seit der Gründung des Völkerbundes, kennen wir noch ein anderes Modell. In einem System kollektiver Sicherheit verpflichten sich alle Staaten zu Hilfe zu kommen, wenn einer von ihnen angegriffen wird, selbst wenn er von einem anderen Mitglied des Systems angegriffen wird.
Kollektive Sicherheit geht davon aus, dass die Sicherheit eines einzelnen Staates Auswirkung auf die Sicherheit aller Staaten hat. Deshalb wird auch der Gegner, wie in den früheren Bündnissystemen, nicht vorher festgelegt.
Quellen
Gärtner, Heinz, Internationale Sicherheit und Frieden: Definitionen von A - Z, Baden-Baden: Nomos, 2018. https://doi.org/10.5771/9783845284675
Woyke, Wichard, Weltpolitik im Wandel: Revolutionen, Kriege, Ereignisse … und was man daraus lernen kann, Wiesbaden: Springer VS, 2016. https://doi.org/10.1007/978-3-531-94262-9