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80 Jahre Ende des Völkerbundes

Foto: Bundesarchiv, Bild 102-02454 / CC-BY-SA 3.0
Schlusssitzung des Völkerbundrates, Genf im März 1926.

Was war der Völkerbund?

Der Völkerbund war die erste internationale Organisation mit dem klaren Ziel, den Weltfrieden dauerhaft zu sichern. Er entstand als direkte Reaktion auf die verheerenden Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. Mit dem Versailler Vertrag wurde 1920 seine Gründung beschlossen.

Im Kern beruhte die Idee des Völkerbundes darauf, dass Konflikte zwischen Staaten nicht mehr mit Gewalt, sondern durch Dialog und internationale Zusammenarbeit gelöst werden sollten. Staaten verpflichteten sich, Streitigkeiten gemeinsam zu besprechen, internationale Regeln zu achten und sich gegenseitig zu unterstützen. Ziel war es, ein System zu schaffen, in dem die Sicherheit eines Landes auch die Sicherheit aller anderen betrifft. Der Völkerbund arbeitete dabei auf mehreren Ebenen: Er bot eine Plattform für diplomatische Verhandlungen, förderte die Entwicklung internationalen Rechts und setzte sich in verschiedenen Bereichen für Zusammenarbeit ein, etwa in der Gesundheitsversorgung, der Wirtschaft oder der Bekämpfung von Menschenhandel. Gleichzeitig sollten wirtschaftliche Sanktionen Staaten davon abhalten, aggressive Politik zu betreiben.

Trotz dieser ambitionierten Ziele hatte der Völkerbund erhebliche Schwächen. Wichtige Staaten waren zeitweise nicht Mitglied oder traten wieder aus, viele Entscheidungen mussten einstimmig getroffen werden und es fehlte an wirksamen Mitteln, um Beschlüsse auch durchzusetzen. Diese strukturellen Probleme führten dazu, dass der Völkerbund letztlich nicht in der Lage war, den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu verhindern. 

Nach Gründung der Vereinten Nationen (UNO) im Jahr 1945 verlor der Völkerbund seine Bedeutung. Am 18. April 1946 beschlossen die verbliebenen 34 Mitglieder einstimmig, den Völkerbund mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Dennoch war der Völkerbund ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte internationaler Zusammenarbeit. Viele seiner Ideen und Ansätze wurden später wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.

Chronologie der Gründung des Völkerbunds

Was ist „Kollektive Sicherheit“?

Historisch kennen wir Bündnisse, in denen sich mehrere Staaten zusammentun, um die Bedrohung durch einen anderen Staat oder ein anderes Bündnis abfangen zu können. Aber spätestens seit der Gründung des Völkerbundes, kennen wir noch ein anderes Modell. In einem System kollektiver Sicherheit verpflichten sich alle Staaten zu Hilfe zu kommen, wenn einer von ihnen angegriffen wird, selbst wenn er von einem anderen Mitglied des Systems angegriffen wird. 

Kollektive Sicherheit geht davon aus, dass die Sicherheit eines einzelnen Staates Auswirkung auf die Sicherheit aller Staaten hat. Deshalb wird auch der Gegner, wie in den früheren Bündnissystemen, nicht vorher festgelegt.

Quellen

Gärtner, Heinz, Internationale Sicherheit und Frieden: Definitionen von A - Z, Baden-Baden: Nomos, 2018. https://doi.org/10.5771/9783845284675

Woyke, Wichard, Weltpolitik im Wandel: Revolutionen, Kriege, Ereignisse … und was man daraus lernen kann, Wiesbaden: Springer VS, 2016. https://doi.org/10.1007/978-3-531-94262-9