Themenjahr 2026: Aushandlung der globalen Ordnung
Bereits mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gründeten die Alliierten die Vereinten Nationen und machten einen weiteren Schritt zur Neuordnung der Welt. Die Generalversammlung und der Sicherheitsrat tagten zum ersten Mal und die Zukunft Europas wurde vor allem zwischen den vier Siegermächten kontrovers diskutiert. Der Kalte Krieg deutete sich bereits am Beginn der Aushandlung der Nachkriegsordnung an und prägte sie bis 1991. Das Ende des Kalten Krieges erhielt mit Francis Fukuyama die missverstandene Zuschreibung „Vom Ende der Geschichte“ und resultierte in den 1990er Jahren neben humanitären Katastrophen im zerfallenden Ostblock, im ehemaligen Jugoslawien und in Ruanda auch in einer Welle völkerrechtlicher Entwicklungen wie dem Völkerstrafrecht. 35 Jahre später ist eine Zeit militärischer Auslandseinsätze des Westens unter Schlagworten wie humanitärer Hilfe zu Ende gegangen und spätestens mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist der Abgesang der Nachkriegsordnung in der Öffentlichkeit laut hörbar geworden.
Die Nachkriegsordnung des Zweiten Weltkriegs war bereits in ihrer Entstehung ein Konfliktgegenstand und ist es bis heute geblieben. Dennoch hat sie dieser konflikthaften und gewaltsamen Austragung einen institutionellen Rahmen gegeben. Das Oszillieren zwischen Handlungsfähigkeit und Ohnmacht und das Aushandeln der Bedeutung der Nachkriegsordnung sind ihre Eigenschaften. Doch vor welchem Wandel der Nachkriegsordnung des Zweiten Weltkriegs stehen wir heute?