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Peter-Becker-Preis (2004-2016)
Der Peter Becker-Preis für Friedens- und Konfliktforschung wurde bis 2016 alle zwei Jahre von der Philipps-Universität Marburg für besondere Leistungen in der Friedensforschung verliehen. Es gab einen Hauptpreis und einen Nachwuchspreis. Die erste Preisverleihung fand 2004 statt. Dotiert mit 5.000 € handelte es sich hierbei um den höchsten Preis für Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland. Mit dem Preis sollten herausragende Arbeiten und Projekte gefördert werden, die einen bedeutsamen Beitrag zur Friedensförderung leisten. Gestiftet wurde der Preis vom Marburger Anwalt Peter Becker. Er ist Vorstandsmitglied der International Association of Lawyers against Nuclear Arms (IALANA).
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen 2016
Der Peter-Becker-Preis für Friedens- und Konfliktforschung 2016 der Philipps-Universität Marburg wurde der Berghof Foundation, dem Theologe Clemens Ronnefeldt und Özden Melis Uluğ zuerkannt. Die öffentliche Preisverleihung fand am 20. Januar 2017 in der Aula der Alten Universität statt.
Die Berghof Foundation (Berlin) erhielt die Auszeichnung für ihre erfolgreiche Verknüpfung von Forschung und Praxis zur friedlichen Transformation von Konflikten. Mit der Entwicklung und Verbreitung ihrer praktischen Methoden und der Unterstützung von Peacebuildung-Prozessen vor Ort setzt die Berghof Foundation wichtige Impulse zur nachhaltigen Stärkung von Friedensprozessen.
Clemens Ronnefeldt (Friedensreferent des Versöhnungsbundes) erhielt den Preis für seine erfolgreiche Arbeit in der Schnittstelle zwischen Friedensbewegung und Friedensforschung. Er vernetzt verschiedene soziale Bewegungen im Nahen und Mittleren Osten, im Kaukasus sowie auf dem Balkan. Zudem leistet er mit seiner Kampagnen- und Öffentlichkeitsarbeit einen essentiellen Beitrag, in der Bevölkerung ein friedenspolitisches Bewusstsein zu schaffen.
Der Nachwuchspreis geht an Özden Melis Uluğ (PhD, Amherst) und ehrte ihre hervorragende und politisch hochaktuelle Dissertation, die sich mit dem Kurdenkonflikt beschäftigt.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen 2014
Der Peter-Becker-Preis für Friedens- und Konfliktforschung 2014 der Philipps-Universität Marburg wurde der Refugee Law Clinic (Gießen), Dr. Natasha Gill (ETH Zürich) und dem Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung zuerkannt. Die öffentliche Preisverleihung fand am 11. Dezember 2015 in der Aula der Alten Universität statt.
Die Refugee Law Clinic erhielt für ihr Ausbildungsprogramm im Bereich des Flüchtlingsrechts sowie für ihre Beratung für Flüchtlinge im Asylverfahren. Sie ist ein Ausbildungsprojekt der Universität Gießen und bildet Studierende sowohl theoretisch als auch praktisch im Asyl- und Flüchtlingsrecht aus. So können Studierende im Laufe der Ausbildung bereits ihr gelerntes Wissen anwenden, praktische Erfahrungen sammeln und ehrenamtliche Asylver-fahrensberatung leisten. Die Refugee Law Clinic bietet einmal wöchentlich in der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen einen Informationsabend an. Ziel ist es, den Geflüchteten einen Überblick über das deutsche Asylver-fahren zu vermitteln und sie in der Wahrnehmung ihrer Rechte zu unterstützen. Darüber hinaus unterstützt die Refugee Law Clinic auch einzelne Geflüchtete, indem sie sie auf ihre Anhörung im Asylverfahren vorbereitet.
Dr. Natasha Gill von der Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich erhielt den Preis für Ihr Buch "Inside the Box", in dem die Mediationsmethode der "Integrierten Simulationen" beschrieben und analysiert wird. Das Buch wurde vom renommierten Konfliktmediator Christopher W. Moore als zurzeit modernste und beste Arbeit gelobt, die den Nutzen von Simulationstechniken für die Verbesserung von Mediations- und Verhandlungsfähigkeiten untersucht.
Einen Anerkennungspreis, vom Preisstifter zusätzlich zur Verfügung gestellt, verlieh die Universität dem Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung für seine Arbeit. Das Institut veröffentlicht seit 1992 jährlich ein Konfliktbarometer. Es präsentiert Informationen über die Entstehung, den Verlauf und die Beilegung inner- und zwischenstaatlicher politischer Konflikte. Das Barometer trägt so zum Verständnis des globalen Konflikt-geschehens bei. Gewaltlose und gewaltsame Krisen, Kriege, Staatsstreiche sowie Friedensverhandlungen stehen dabei im Mittelpunkt der Untersuchung.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen 2012
Der Peter-Becker-Preis für Friedens- und Konfliktforschung 2012 der Philipps-Universität Marburg wurde Dr. Rama Mani, DEM Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V. und Dipl.-Psych. Nina Winkler zuerkannt. Die öffentliche Preisverleihung fand am 22. November 2012 in der Aula der Alten Universität statt.
Dr. Rama Mani ist eine international renommierte Expertin auf den Gebieten Friedens- und Konfliktforschung, Internationales Recht und Internationale Beziehungen. Sie ist Senior Research Associate am Oxford’s Centre for International Studies sowie Direktorin des multidisziplinären Forschungsprojekts “Ending Mass Atrocities: Protect: Southern Cultural Perspectives“. Momentan forscht sie zur Bedeutung von Religion in Konflikten und Peacebuilding. Seit Beginn ihres akademischen Werdeganges setzt sie sich für die Verbindung und gegenseitige Bereicherung von praktischer Friedensarbeit und Friedensforschung ein. Als Vertreterin des „globalen Südens“ sucht sie hierbei den direkten Austausch zwischen Basisgruppen und Zivilbevölkerung, sowie Studierenden und internationalen Akademiker_innen. Dr. Rama Mani sprach als Keynote Speaker bei den Zentrumstagen 2012 zum Thema „The constitution of Peace. Current Debates and Future Perspectives.“
Das Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V. engagiert sich seit 1980 für die Einhaltung und Umsetzung von demokratischen Grund- und Freiheitsrechten in Deutschland sowie weltweit und ist dabei einer pazifistischen politischen Tradition verhaftet. Durch „Ferien vom Krieg“, d.h. Ferienbegegnungen mit Jugendlichen aus Kriegs- und Spannungsgebieten, sowie die Entsendung von Beobachtern zu Schauplätzen möglicher Menschenrechtsverletzungen und durch viele andere Projekten engagiert sich das Komitee aktiv für die friedliche Lösung von Konflikten, sowie die Respektierung und Förderung von demokratischen und Grundrechten.
Dipl.-Psych. Nina Winkler, Vorstandsmitglied der Hilfsorganisation vivo und PhD-Kandidatin in klinischer Psychologie an der Universität Konstanz erhält den Peter-Becker-Nachwuchspreis 2012. Sie arbeitet zur Zeit für die Vereinten Nationen im Südsudan (UNESCO) an Trainingsprogrammen, die ehemaligen Bürgerkriegskämpfern die Fähigkeiten zur friedlichen Konfliktlösung, zu zivilbürgerlichem Handeln und psychosozialem Coping in ihren Dörfern vermitteln und damit die Konfliktspirale auf gesellschaftlicher Ebene unterbrechen sollen. Darüber hinaus ist sie als Kurzzeitexpertin für verschiedene Organisationen tätig. Durch ihre Arbeit strebt sie sowohl eine verbesserte Verbreitung wissenschaftlicher Ergebnisse in die Praxis, als auch den intensivierten Wissensaustausch zwischen verschiedenen Fachdisziplinen an.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen 2010
Der Peter-Becker-Preis für Friedens- und Konfliktforschung 2008 der Philipps-Universität Marburg wurde Prof. Dr. Gavi Salomon von der Universität Haifa (Israel) für sein Lebenswerk als Friedenspädagoge, dem Minds of Peace Experiment bzw. Dr. Sapir Handelman (Wayne State University, Detroit, USA), und dem Day Care Center for Arab and Jewish Children at Risk in Jaffa (Israel) zuerkannt. Die öffentliche Preisverleihung fand am 6. Mai 2011 in der Aula der Alten Universität statt.
Prof. Dr. Gavi Salomon gibt als Wissenschaftler, der sich mit der Analyse von verschiedenen Begegnungsformen zwischen Palästinensern und Israelis beschäftigt, wichtige Impulse und bestärkt mit seinem Schaffen die Friedensbemühungen im Nahen Osten.
Das Day Care Center for Arab and Jewish Children at Risk in Jaffa betreut sozial benachteiligte Kinder und fördert die praktische Friedenserziehung, da die Kinder einen muslimischen, christlichen und jüdischen Hintergrund haben.
Das The Minds of Peace Experiment: a Simulation of an Israeli-Palestinian Public Negotiating Congress von Dr. Sapir Handelman fokussiert eine Art Graswurzel-Diplomatie zwischen Israelis und Palästinensern in Kleingruppengesprächen zu erarbeiten. Dabei leben Israelis und Palästinenser für drei bis fünf Tage zusammen mit dem Ziel, ein Übereinkommen zu finden, dass im weiteren Sinne den Kreislauf der wechselseitigen Gewalt beenden könnte.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen 2008
Der Peter-Becker-Preis für Friedens- und Konfliktforschung 2008 der Philipps-Universität Marburg wird dem Projekt "Peace Counts on Tour" zuerkannt. Die öffentliche Preisverleihung fand am 29. Mai 2009 in der Aula der Alten Universität statt.
Das Projekt "Peace Counts on Tour" seit 2001 vom Institut für Friedenspädagogik Tübingen und dem Journalistennetzwerk "Peace Counts Project" getragen. Die Repräsentanten des Projekts bei der Preisverleihung waren Uli Jäger und Uli Reinhardt.
Das Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Wahrnehmung für Ursachen und Eskalationsverläufe von gewaltsamen Auseinandersetzungen in Konflikt- und Krisensituationen zu erweitern. So soll Friedens- und Konfliktfähigkeit gefördert und ein Blick für neue Lösungs- und Handlungsansätze geschärft werden. Das Projekt verknüpft Erkenntnisse aus der Friedens- und Konfliktforschung mit moderner Friedenspädagogik und konstruktivem Journalismus. Demnach findet eine multimediale Ausstellungen statt („Die Erfolge der Friedensmacher“), bei der die Best Practice-Methoden für Friedensstiftung dargestellt werden und die Sammlung erfolgreicher Methoden als Quelle der Inspiration für Konflikte vor Ort dienen sollen.
Die Laudatio für die Preisträger hielt der renommierte Friedensforscher Prof. Dr. h.c. Senghaas. Anschließend wurde in einem Round Table mit Medienvertretern über die Darstellung von Frieden in den Medien diskutiert.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen 2006
Der Peter-Becker-Preis für Friedens- und Konfliktforschung 2006 der Philipps-Universität Marburg wird Prof. Dr. Herbert Wulf zuerkannt. Die öffentliche Preisverleihung fand am 9. Februar 2007 in der Aula der Alten Universität statt.
Neben Prof. Dr. Herbert Wulfs Lebenswerk galt der Jury vor allem das jüngste Buch des als international ausgewiesenen Friedensforschers und Experten für Sicherheitspolitik als preiswürdig, welches wissenschaftlich stringent ist und sich an ein breites Publikum richtet. In seinem 2005 veröffentlichtem Buch "Internationalisierung und Privatisierung von Krieg und Frieden" stellt er die demokratische Kontrolle über die Streitkräfte durch Privatisierung und Internationalisierung weltweiter Militäreinsätze in Frage – eine der wichtigsten sicherheitspolitischen Probleme der heutigen Zeit. Seinem Buch voraus führt er seit 2001 ein Forschungsprojekt zur Internationalisierung und Privatisierung von Krieg und Frieden durch.
Seine Expertise, die nie reine wissenschaftliche Tätigkeit in seinem Verständnis war, hat er demnach der Friedensbewegung, den Gewerkschaften, politischen Parteien und Stiftungen sowie in der politischen Bildung und Beratung zur Verfügung gestellt und in allgemein verständlicher Form in Zeitungsberichten als auch Rundfunkbeiträgen veröffentlicht.
Inhalt ausklappen Inhalt einklappen 2004
Der Peter-Becker-Preis wurde 2004 zum ersten Mal verliehen. Die Übergabe des Preises fand anlässlich der Feier zur Eröffnung des MA Studiengangs Friedens- und Konfliktforschung statt. Die ersten Preisträger waren Dr. Ulrich Schneckener, Dr. Simon Mason und Dr. Yakob Arsano.
Der Politikwissenschaftler Dr. Ulrich Schneckener erhielt die Auszeichnung für sein 2002 erschienenes Buch "Auswege aus dem Bürgerkrieg", in dem er sich mit vergangenen und aktuellen ethnischen Konflikten in Europa auseinandersetzt. Schneckener stellt mögliche Lösungsmodelle vor und diskutiert ihre Anwendbarkeit auf die jeweiligen Konflikte. Gerade der Praxisbezug in der Arbeit Schneckeners hat die Jury beeindruckt. Zum Zeitpunkt der Auszeichnung arbeitete Dr. Ulrich Schneckener bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.
Den Nachwuchspreis erhielten der Dr. Simon Mason (heute an der ETH Zurich) und Dr. Yacob Arsano (Universität Addis Abeba, Äthiopien), die in einer Forschungsarbeit am Beispiel der Wasserverteilungsprobleme am oberen Nil praktische Vorschläge zur Konfliktregelung vorstellen.