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„90 Kilo Gips für Palästina“. Die ca. 100jährige Köppel-Karte in der Alten Universität
Dr. Martina Kepper (Altes Testament)
16.11.2026 18 Uhr c.t.
Im größten Hörsaal in der Alten Universität, in der die regulären Lehrveranstaltungen der Theologischen Fakultät stattfinden, hängt ein ca. 1,5 mal 3,5m großes Exponat, das ein wissenschaftshistorisches Kleinod ist, aber derzeit ein eher stiefmütterliches Dasein führt. Studierende und Lehrende des Fachbereichs, aber auch die Teilnehmenden internationaler Tagungen und Kongresse der Universität haben dieses Exponat stets vor Augen, dürften aber über dessen Herkunft oder Bedeutung kaum informiert sein.
Es handelt sich um eine Palästina-Reliefkarte, mutmaßlich aus der Zeit von 1925-35, die aus der fruchtbaren Kooperation eines enthusiastischen jesuitischen Geographen, eines ebenso enthusiastisch an den Realien des sog. „Heiligen Landes“ interessierten protestantischen Theologieprofessors, mehrerer Gruppen von Jugendlichen sowie eines versierten Stukkateur entstanden ist.
Die Idee der dreidimensional gestalteten Karte des damaligen Britischen Protektorates Palästina (vor der Staatsgründung des heutigen Staates Israel) ist, die Lagen der in der Bibel genannten Orte zu verzeichnen und damit auch die geographischen Gegebenheiten vor Ort für Studierende erfahrbar zu machen, die ganz überwiegend nicht die Gelegenheit hatten, die „heiligen Stätten“ real vor Ort zu besuchen. Gleichzeitig ist die Karte eine Momentaufnahme für den Stand der theologisch-archäologischen Forschung über Palästina am Vorabend bzw. in den ersten Jahren des sog. Dritten Reiches.
Derzeit sind lediglich zwei weitere Karten dieser Größe bekannt. Aufgrund des spezifischen Herstellungsverfahrens mit Handkolorierungen und weiteren Eigenarten hat allerdings jede Karte den Status eines Unikates eigener Bedeutung. Das Exponat in Marburg legt Zeugnis für das Bemühen der wissenschaftlichen Theologie an der Philipps-Universität ab, die Auslegungen der biblischen Texte mit den Realien zu korrelieren und damit sowohl dogmatischen als auch politischen Vereinnahmungen entgegen zu wirken.