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„Noch einmal mit Gefühl“ – Zugänge zum subjektiven Empfinden in der Antike

Foto: Wikimedia
Die Abbildung zeigt den griechischen Sänger Orpheus auf einem Bodenmosaik aus Paphos. Der Sage nach betörte er mit seiner Musik sogar wilde Tiere, Bäume und Flüsse und rührte selbst Felsen zu Tränen. Er steht für die emotionale Kraft der Kunst an sich und ist deshalb symbolischer Pate unserer Ringvorlesung.

Ringvorlesung des MCAW im Wintersemester 2022/23

Die Begriffe „Affekt“, „Emotion“, „Gefühl“ und ihre wechselseitigen Abgrenzungen haben in den letzten Jahren Konjunktur in vielen kultur- und auch naturwissenschaftlichen Disziplinen. Diese Diskurse berücksichtigen Faktoren wie Wahrnehmung und Erfahrung, Körper und soziales Handeln. Gefühle werden gesellschaftlich normiert und habituell eingeübt - sie sind somit in historischer Perspektive keineswegs konstant und deshalb schwer zu greifen.

Trotz dieser Problematik üben die „fernen“ Gefühle historischer Gesellschaften und ihrer Individuen bis heute einen hohen Reiz aus, und so beschäftigen sich zunehmend auch Historikerinnen und Historiker mit den Gefühlsordnungen der Vergangenheit.

In unserer interdisziplinären Vortragsreihe nutzen wir unterschiedliche Annäherungsmöglichkeiten an das Thema: Der Weg führt u.a. über die Sinne und die in Literatur und Kunst beschriebenen Wahrnehmungen, über die philosophische Affektelehre sowie über die objektgeschichtlich, körpergeschichtlich oder performanzbezogen greifbare Repräsentation von Gefühl.

Die Ringvorlesung versteht sich in erster Linie als Einladung, die verschiedenen Zugänge zum subjektiven Empfinden in der Antike auszuprobieren, kritisch zu prüfen und einander in Bezug auf ihre Eignung für eine bestimmte Disziplin oder Überlieferungssituation gegenüberzustellen. Wir sind überzeugt, dass es nicht DEN Schlüssel zu den Gefühlen altorientalischer Briefeschreiberinnen, frühchristlicher Märtyrer oder gar prähistorischer Menschen gibt, aber dass sich doch theoretisch und methodisch rückgebunden zumindest partielle Ausschnitte von Emotionalität rekonstruieren und diskutieren lassen.

In diesem Sinne hoffen wir, mit Ihnen gemeinsam den Empfindungen der Antike einen Schritt näher zu kommen und versuchen es dafür „noch einmal mit Gefühl“.

Termin: Mittwoch 18 Uhr c.t.
Raum: Hörsaalgebäude Biegenstr. 10, Raum 00/0020

Geplant ist eine Durchführung im Hybridformat:

Interessentinnen und Interessenten, die sich digital zuschalten möchten, können sich hier via Mail registrieren und erhalten zum betreffenden Zeitpunkt die Zugangsdaten für jeden Vortrag:

26.10.2022 - Andreas Müller-Karpe Archäologie der Gefühle ‒ Rekonstruktionsversuch der Emotionalität prähistorischer Menschen

02.11.2022 - Angelos Chaniotis Emotionen in der politischen Kultur des Hellenismus

09.11.2022 - Angela Standhartinger „Weint nicht über mich... Weint über eure Kinder“ (Lk 23,28). Gefühlspolitiken in frühjüdischen und frühchristlichen Märtyrererzählungen.

16.11.2022 - Boris Dunsch Edax livor ‒ der Neid in der Philosophie Senecas

23.11.2022 - Alexandra Grund-Wittenberg „Ich rede vor Königen von deinen Bestimmungen und schäme mich nicht“ (Ps. 119,46). Zu Scham, Ehre und Schande in der Hebräischen Bibel

30.11.2022 - Arbogast Schmitt Die drei ‚Teile‘ der Psyche bei Platon und Aristoteles und die Einheit von Denken, Fühlen und Wollen

07.12.2022 - Bärbel Beinhauer-Köhler Tränenreiche Trauer - Aushandlungsprozesse kultureller Codes im frühen Islam

14.12.2022 - Jacob Jan de Ridder Zwischen Wut und Angst: persönliche Briefe im Alten Orient

21.12.2022 - Susanne Görke und Theresa Roth What a feeling?! Linguistische und philologische Zugriffe auf das Gefühlsleben der Hethiter

11.01.2023 - Monique Scheer Emotionspraktiken: Zur kulturellen und historischen Spezifik des doing emotion

18.01.2023 - Gerrit Lange Gefühl als „Saft“ und „Geschmack“: Ansätze zur Subjektivität, Intersubjektivität und Objektivität von Stimmungen und Emotionen in altindischen Rasa-Theorien

25.01.2023 - Thomas Schierl Abschied zwischen Trauer und Wut – Emotionale Äußerungen in Gräbern von Kindern und Jugendlichen im Römischen Reich und in der Germania Magna zwischen dem 1. und 5. Jh. n. Chr.

01.02.2023 - Asuman Lätzer-Lasar Emotionsräume: Zu Affordanz und Atmosphäre von Grabbauten Roms in der Antike

08.02.2023 - Florian Krüpe Angst vor dem Krieg, Angst vor dem Feind