Hauptinhalt

Das Unausstellbare ausstellen. Dämonen exponieren

Joost Herman M.A., Dr. Marion Steinicke (Altorientalistik/Religionswissenschaft)

08.02.2027 18 Uhr c.t.

Das Heilige und das Dämonische sind wissenschaftlich umstrittene Kategorien. Der "belief in spiritual beings" (E. Tylor) ist eng mit ihrer Erscheinungsmacht verbunden, die Epiphanie von Göttern und Dämonen bedarf spezifischer atmosphärischer Verdichtungen und Arrangements, diese werden gleichermaßen von rituellen (Sprach-)Handlungen, (natur-)räumlichen Gegebenheiten und sensitiven Effekten geprägt. Im Ausstellungskontext liegt die Herausforderung darin, diese atmosphärischen Wirkungen zu vermitteln und damit eine Annäherung an räumlich und/oder zeitlich entfernte Kulturen zu schaffen, die eine aufklärende Durcharbeitung ermöglicht und nicht den Überwältigungsstrategien gegenwärtiger Eventisierungen von Kunst und Religion das Wort redet. 

Ausgehend von ausgewählten Exponaten, die in der Sektion "Steine im alten Mesopotamien" im Rahmen der Sonderausstellung "Minerale – Schätze der Erde" im Landgrafenschloss Marburg bis Ende Juli 2026 zu sehen waren, sollen die konzeptionellen Überlegungen zu Göttern und Dämonen und ihren Erscheinungsweisen, die in Zusammenarbeit zwischen Altorientalistik und Religionswissenschaft im GRK 2844 entstanden sind, zu einer virtuellen Ausstellung "Das Unausstellbare ausstellen" weiterentwickelt werden. Dabei werden unterschiedliche Aspekte des Dämonischen im Alten Orient – Gestalt oder Ungestalt, Ausstrahlung, akustische, olfaktorische, haptische Wahrnehmungen – sowie das Wechselspiel von Beschwörung und Bannung, von rituellen Vorkehrungen und therapeutischen Effekten im Vordergrund stehen. Neben Ritualtexten, antiken Berichten und Beschreibungen sowie materialen Zeugnissen, die einen Eindruck von dämonisch heimgesuchten Räumlichkeiten und ihrer Atmosphäre vermitteln, werden komparativ weitere Exponate aus (Marburger) Sammlungen einbezogen. Implizit und explizit wird die Frage im (virtuellen) Raum stehen und soll darin zumindest partiell beantwortet werden, wie sich atmosphärische Momente anderer Epochen oder Kulturen auf wissenschaftlicher Grundlage exponieren lassen.