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Exponierte Marburger Epigraphik: Anton Ritter von Premerstein und das Monumentum Ancyranum
Prof. Dr. Kai Ruffing (Kassel - Alte Geschichte)
01.02.2027 18 Uhr c.t.
Anton Ritter von Premerstein (1869-1935) gehört zu den bekannteren Namen unter den deutschen Althistorikern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach seiner Berufung nach Marburg 1916 auf den Lehrstuhl für Alte Geschichte blieb er seinen thematischen Schwerpunkten treu: dem Donauraum, der Papyrologie und Fragen der klassischen Philologie sowie der Kodikologie.
Seine besondere Aufmerksamkeit galt jedoch Studien zum Monumentum Ancyranum, der von Mommsen so apostrophierten ‚Königin der Inschriften‘. Dieser „Meilenstein“ der Epigraphik war auch ein persönlicher, denn Premersteins seinerzeit innovative reconstructio textus der lateinischen Version des 34. Kapitels der Res gestae Divi Augusti unterschied sich in einem Punkt erheblich von derjenigen von Theodor Mommsen und warf ein neues Licht auf die Eigenart der Position des Augustus im römischen Staat.
Premersteins Rekonstruktion der res gestae wird im Mittelpunkt des Vortrags stehen, der ein besonderes Licht auf eine durchaus kontroverse Forscherpersönlichkeit, aber auch auf besondere „Exponate“ Marburger Forschungsgeschichte werfen wird: Premersteins Forschungen hatten zu einem intensiven Briefwechsel zwischen ihm und dem in Edinburgh lebenden William Mitchell Ramsay geführt, dessen Grabungen in Pisidien nicht weniger als 220 neue Bruchstücke dieser monumentalen Inschrift an das Tageslicht gebracht hatten. Zwischen beiden Gelehrten entspann sich im Zuge der Arbeit eine intensive Kommunikation, im Rahmen derer Ramsay seinem deutschen Kollegen Fotos und Abklatsche zur Verfügung stellte, die teilweise heute noch in den Beständen des Marburger Seminars für Alte Geschichte bzw. im Nachlaß Premersteins vorhanden sind.