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Die Figur der heiligen Elisabeth von Thüringen

Lindenholzstatue der heiligen Elisabeth von Thüringen. Dargestellt ist die 132 cm hohe Skulptur mit einem Modell einer kleinen eintürmigen Kirche in ihren Händen.
© Foto: Bildarchiv - Foto Marburg, Horst Fenchel
Die heilige Elisabeth von Thüringen (stilistisch-geographische Zuordnung: schwäbisch), Lindenholzstatue, um 1490, Inventar-Nr.: 15026.

Elisabeth mit Kirchenmodell, schwäbische Stilmerkmale, um 1490, Skulptur aus Lindenholz, Höhe: 32 cm, Inventar-Nr. 15026, Wilhelmsbau Etage 3 im Landgrafenschloss Marburg, Abteilung Kulturgeschichte - Landesherrschaft, ursprünglicher Standort und ikonographischer Zusammenhang unbekannt

Die 132 cm große Statue zeigt die heilige Elisabeth von Thüringen. Sie entstammt im Gegensatz zu den anderen hier gezeigten Objekten nicht aus der Elisabethkirche in Marburg. Sie stellt jedoch deren Patronin dar, die heilige Elisabeth von Thüringen, deren Wirken weit über die Region hinausreichte.
Die Figur hält ein Kirchenmodell in ihren Händen und ist in ein langes Gewand gekleidet. Dazu trägt sie auf dem Gebende um ihren Kopf einen schmalen Kronreif. Aufgrund dieser Merkmale kann die Figur als heilige Elisabeth identifiziert werden.

Elisabeth als Schutzheilige

Bei dem Kirchenmodell in Elisabeths Händen handelt es sich um eine einschiffige, zweijochige Kirche mit halbrundem Chorabschluss und Einturmfassade. Sie entspricht also nicht dem Erscheinungsbild der Elisabethkirche. Ab dem späten 15. Jahrhundert verbreitete sich dieser Typus der Heiligen im hessischen Raum, die in Marburg ein Hospital mit Kapelle gestiftet hatte. Viele Kirchen und Kapellen wurden der heiligen Elisabeth geweiht. Aufgrund dieser weit verbreiteten Verehrung ist sie eine der bekanntesten Schutzheiligen in Deutschland (Rechberg, 1983).

  • Das Kronen-Attribut

    Kopf und Krone der heiligen Elisabeth
    © Foto: Bildarchiv - Foto Marburg, Horst Fenchel

    Der auf dem Gebende sitzende Kronreif ist dem Attribut der Krone gleichzusetzen. Dieses Attribut der heiligen Elisabeth kann individuell als weltliche Krone der Königstochter und Fürstin oder als himmlische Krone gedeutet werden. Sie steht also für die Verbindung zwischen ihrem himmlischen Status und ihrem irdischen Wirken, eine für die heilige Elisabeth typische Kombination: Die „vita contemplativa" meint hierbei die religiöse Hingabe zu Gott und die „vita activa" die gelebte Nächstenliebe (Rechberg, 1983).

  • Die Patronin

    Kirchenmodell aus Lindenholz der Skulptur der heiligen Elisabeth von Thüringen
    © Foto: Bildarchiv - Foto Marburg, Horst Fenchel

    Die Elisabethdarstellung mit Miniaturkirche verbildlicht das Patrozinium der Sakralräume und ist deshalb oft in den ihr geweihten Kirchen aufzufinden, wie beim Altarretabel der Kirche in Bad Wildungen (Rechberg, 1983). Das lange Gewand wird häufig mit Elisabeths Einkleidung als Hospitalschwester assoziiert. In anderen Quellen wird in dem Gewand ein Hinweis auf die Kleidung der Terziarinnen gesehen. Ihre Zugehörigkeit zu dem dritten Orden der Franziskaner ist jedoch bis heute umstritten.