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Das Zollamt in Marburg. Kolonialismuskritik und Politische Ikonographie in der frühen Bundesrepublik

26.06.20 -27.09.20

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Foto: Marie Winter

In den Jahren 1949/50 errichtet, ist das Zollamt in Marburg der erste Repräsentationsbau in Marburg nach Gründung der Bundesrepublik. Das Gebäude beherbergt die Behörde zur Beaufsichtigung des internationalen Warenverkehrs. Doch was genau verrät das Bauwerk und sein umstrittener Skulpturenschmuck über das Verhältnis der frühen Bundesrepublik zur Welt? Bisher weitgehend unerforscht, spiegelt das Zollamt die Ambivalenz der Wiederaufbaujahre zwischen nationalistischem Trotz und weltoffenem demokratischem Neuanfang wieder.
Die kleine Ausstellung im Brunnensaal des Kunstmuseum Marburg zeigt erstmals Dokumente zur Baugeschichte sowie zur Entstehung des kontrovers diskutierten Reliefs des Zollamts. Sie zieht Parallelen zur politischen Ikonographie der deutschen Nachkriegszeit. Neben den Exponaten, die in direktem Zusammenhang mit dem Marburger Zollamt stehen, wird die Ausstellung durch Materialien ergänzt, an denen die Verwendung teils rassistischer Stereotype in der Werbung für aus Afrika, Asien und Amerika importierte Produkte offensichtlich wird. Eine kritische Auseinandersetzung erfährt dieser Themenkomplex durch eine Installation der Künstlerin Laura Morón Martínez. Zur Orientierung in der Ausstellung dient den Besucherinnen und Besuchern ein Thesenblatt, das die wichtigsten Aspekte der Material-Präsentation vor Augen führt.
Die Ausstellung ist das Ergebnis des interdisziplinären Forschungsprojekts „Global lokal. Das Marburger Zollamt (1949-50). Ein Repräsentationsbau der frühen Bundesrepublik zwischen politischer Ikonographie und Kolonialismusdiskurs“ (Leitung: Prof. Dr. Ingo Herklotz, Prof. Dr. Thomas Noetzel; Konzeption: Dr. Jörg Probst) an der Philipps-Universität Marburg, gefördert durch die universitäre Stabstelle „UMR2027-Interaktion in Forschung und Lehre ausbauen“.

Sammlung Hilde Eitel

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© Bildarchiv Foto Marburg

Aktuell zeigt das Kunstmuseum Marburg erstmals den gesamten Bestand der „Sammlung Hilde Eitel“, wie ihn die Unternehmerin (1915-2010) dem Marburger Universitätsbund vermachte. Beginnend in den 1950er Jahren entwickelte sich ihre Sammeltätigkeit im Laufe der Jahrzehnte stetig weiter bis hin zur Formung der Sammlung im Hinblick auf eine museale Präsenz. Während ihrer eigenen Tätigkeit für das Familienunternehmen, die Marburger Tapetenfabrik, nutzte die studierte Designerin die Kunst als Inspirationsquelle. Eitels Leidenschaft für Farben, Formen und Strukturen lassen sich an ihrer Sammlung ablesen und damit auch die Begeisterung für künstlerische Experimente ihrer Zeit. Die 57 neu ins Museum gekommenen Werke gehören zur internationalen Avantgarde von 1945 bis in die 1970er Jahre. Die Arbeiten, unter anderem von Josef Albers, Jean Dubuffet, Lucio Fontana, Yves Klein und Niki de Saint Phalle, erweitern das Spektrum der Kunst im Marburger Museum und erfüllen den Wunsch der Sammlerin, einer breiten Öffentlichkeit den Zugang zu moderner Kunst zu ermöglichen.