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Architektur

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Foto: HeliCam-Hessen/ Oliver Ebert

Die ältesten Teile der „Marburg“ lassen sich bereits ins späte 10./ frühe 11. Jahrhundert datieren. Das sogenannte Feste Haus, ein Saalgeschosshaus, wurde etwa ein Jahrhundert später von einer mehrteiligen Turmburg abgelöst, die einen Wohnturm mit umlaufender Ringmauer und wahrscheinlich auch Nebengebäude umfasste. Der erste hessische Landgraf Heinrich I. (1244 – 1308) ließ die Burg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zu einer großen mehrflügeligen Höhenburg  ausbauen. Er dokumentierte damit seinen Anspruch auf das 1247 verwaiste thüringische Erbe. Die Herrschaft über den hessischen Landesteil dieses Erbes konnte er schließlich durchsetzen und wurde 1292 in den Reichsfürstenstand aufgenommen. Aus der erfolgreichen Gründungsphase der neuen Landgrafschaft Hessen stammen die weithin sichtbare Schlosskapelle (Weihe: 1288) sowie der Fürstensaal. Er war für seine Zeit ungewöhnlich großzügig angelegt und wurde um 1300 fertiggestellt. Beide Räume zählen als frühe Beispiele der Gotik zu den Spitzenleistungen der hessischen Architekturgeschichte.

Obwohl Marburg als Wirkungsstätte und Grablege der Heiligen Elisabeth ein besonderes Ansehen genoss, baute ihr Enkel Heinrich I. bereits ab 1277 die Stadt Kassel zu einem weiteren Hauptort der Landgrafschaft mit eigener Residenz aus. Im Laufe des 14. Jahrhunderts erlangte Kassel den Vorrang gegenüber Marburg. Von 1458 bis 1500 diente das Marburger Schloss unter Heinrich III. und Wilhelm III. ein zweites Mal als Residenz. Gegen Ende dieser Zeit entstand der große, spätmittelalterliche Erweiterungsbau im Osten, der Wilhelmsbau, benannt nach Landgraf Wilhelm III. Ein drittes und letztes Mal residierte ein regierendes Oberhaupt in Marburg, nachdem Philipp der Großmütige die Landgrafschaft testamentarisch in vier Teile aufgeteilt hatte. Sein zweitgeborener Sohn herrschte ab 1567 als Ludwig IV. in Hessen-Marburg. Im neuen Renaissancestil ließ er dem mächtigen Schlosskörper die Rentkammer vorsetzen. Im gleichen Stil entstanden die prächtigen hölzernen Schmuckportale im Fürstensaal sowie der ebenfalls dort aufgestellte monumentale Ofen.