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Das Kruzifix als Zeichen des Leidens Christi
im 15. Jahrhundert

Kruzifixe des 11. bis 13. Jahrhunderts zeigen Christus meist aufrecht stehend und triumphierend. Ab dem 14. Jahrhundert und besonders im 15. Jahrhundert sind die Darstellungen des Gekreuzigten durch eine sich verändernde geistige Bewegung geprägt, die sich stärker mit den Leiden des Erlösers beschäftigte. Entsprechend wird in Darstellungen des 15. Jahrhunderts oft die Leidensgeschichte Christi deutlich betont.

Leidender Christus

Kleines Kruzifix aus Marburg. Leidender Christus mit dem Haupt auf die Schulter geneigt und durch Farbe Blut am Körper markiert.
© Foto: Bildarchiv - Foto Marburg, Horst Fenchel

Kleines Kruzifix mit leidendem Christus, letztes Viertel 15. Jahrhundert, Lindenholz,
26,5 x 23,5 cm, Inventar-Nr. 16250, Herkunft: Elisabethkirche in Marburg

Bei diesem Kruzifix sind die Leiden Christi vor allem durch die Körperhaltung und die angedeuteten Wundmale verdeutlicht. Neben der spärlichen Bekleidung und dem tief niedergesunkenen Kopf betonen besonders die roten Farbpartien als Darstellungen des Blutes von Kopf bis Fuß das Martyrium. Die leblos erscheinende Mimik wurde sorgfältig in das Holz gearbeitet. Die Hüfte erscheint leicht zur Seite gedreht und die Beine sind überschlagen. Beide Füße sind, dem sogenannten Dreinageltypus entsprechend, durch nur einen Nagel am Kreuz befestigt.

Da dieses Kruzifix mit einer Höhe von nur 26,5 cm in Relation zu den anderen Exponaten in seinen Maßen sehr klein ist, hing es möglicherweise in einem Nebenraum oder einer Nische auf Augenhöhe für die Gläubigen in der Kirche. Die linke Hand ist beschädigt. An der Haltung der rechten Hand erkennt man den Segensgruß, angedeutet durch den ausgestreckten Zeige- und Mittelfinger. Es ist anzunehmen, dass das Kunstwerk die Nähe und persönliche Identifikation mit dem leidenden Christus ermöglichen sollte.