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Ms. 72 - Mariengedicht

Neben diversen Predigentwürfen und Werken des Dichters Hinrich Boger enthält die Handschrift Ms. 72 auch vier Gedichte, die zum Teil in ostwestfälischem bzw. nordniedersächsischem Dialekt wiedergegeben sind. Darunter fällt auch die ausgestellte Seite, die den ersten Teil eines Mariengedichts mit einigen Varianten zum Leittext enthält. Zu sehen sind die ersten vier Strophen und der Beginn der fünften des Mariengedichts Maria zart. Die ersten vier Strophen lauten nach der Edition von Philipp Wackernagel: 

Maria zart, von edler art, ein roß an allen doren, Dw hast auß macht, her wider pracht, das vor lang was verlorenn, Durch adams fall; dir hat die wall, sandt gabriel versprochen. hilff, das nit werd gerochen, mein sündt und schuld, erwirb mir huld, Dann kain trost ist, wo dw nit pist, barmherzigkait erberben. Am lesten endt, ich pitt, nit wendt, von mir in meinem sterben.

Maria milt, dq hast gestilt, der altväter verlangen, Die iar unnd tag, in wee und klag, die vorhell het gesangen. w aller keyt, wünschten in streit, dar durch des himmels pforten, zerriß allen orten, und herab kam, der in abnam, Graussammlich pein: das alles durch dein keusch junckfreulichs geperen ist abgestelt, darumb dich zellt, all welt ain kron der eren.

Maria rain, du pist alain, der sünder trost auf erden. Dar umb dich hat, der ewig rat, erwelt, ain muter werden. Des hoechsten hayll, der durch urtayll, am jungsten tag wirt richten. halt mich in deinen pflichten, o werde frucht, all mein zwflucht, hab ich zq dir, am kreucz pist mir, mit sandt Johannes geben, Das dw auch mein, muter wellest sein, frist hier und dort mein leben. 

Maria clar, dw pist für war, in grossem schmertzen gangen, Da dir dein frucht, mit vil unzucht, unschuldig wardt gefangen, Durch meine thadt: erwirb mir gnad, zw pessern hier mein leben. netzund bin ich umb geben, mit schwaerer pein, geet als durch mein, Groß sünd und schuld, vil ich verdult, am leib an ellen enden: O werde roß, mein krankhayt ploß, dein gnad nit von mir wende. 

Vgl.: Wackernagel, Philipp: Das deutsche Kirchenlied von der ältesten Zeit bis zu Anfang des XVII. Jahrhunderts. Mit Berücksichtigung der deuschen kirchlichen Liederdichtung im weiteren Sinne und der lateinischen von Hilarius bis Georg Fabricius und Wolfgang Ammonius Bd. 2, Leipzig 1867, Nr. 1036, S. 804f.

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