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Bücher, die noch Paten benötigen

Philosophie und Theologie

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Foto: Heike Heuser
Gesangbuch des Landgrafen Moritz von Hessen
Kassel, Wilhelm Wessel, 1612. - 095 VIII A 1039 s

Die beiden hier in einem Band vereinigten Gesangbücher, auf Geheiß des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel (1572-1632) gedruckt, enthalten das lutherische und das reformierte Kirchenliedgut. Obwohl sie als zwei getrennte Veröffentlichungen anzusehen sind, bilden sie nach dem Willen ihres Auftraggebers eine Einheit. Wie in der Vorrede zum "Christlichen Gesangbuch" hervorgehoben wird, sollten die lutherischen und die reformierten Lieder neben­einander in den hessen-kasselschen Kirchen und Schulen "hinführo geübt / gesungen vnd gebraucht werden". Hieran wird deutlich, dass Moritz trotz seiner Hinwendung zum Calvinismus auf den Liederschatz des Luthertums nicht ver­zichten wollte. Für das besondere Engagement des Landgrafen spricht auch, dass er persönlich zu allen Kirchenliedern vierstimmige Sätze komponiert hat.
Das Marburger Exemplar stammt aus dem Besitz des Marburger Juristen Johann Georg Estor (1699-1773), der seine umfangreiche Bibliothek der Universität ver­machte, als er zu deren Kanzler ernannt wurde.

Schaden: Der Einband ist stark beschädigt: Einbandleder entlang den Buchfalzen durchtrennt, ferner kleinere Fehlstellen. Der hintere Holzdeckel hat an der Vorderkante Fehlstellen infolge eines Insektenschadens. Die Schließenhaken fehlen. Die Vorsatzseiten sind lose, ebenso die erste Lage des Buches.

Behandlung:
Restaurierungsarbeiten am Buchblock; Einbandrestaurierung. Kosten: ca. 1500 Euro

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Foto: Heike Heuser

Philipp Melanchthon: Comentarii in epistolam Pauli ad Romanos
Marburg, Franz Rhode, 1532. - 095 XIXb C 516 aad # Marburg

Melanchthons Kommentar zum Römerbrief des Apostels Paulus zählt zu den ältesten in Marburg gedruckten Büchern.

Schaden:
Der Einband weist schwere Schäden und Spuren unsachgemäßer Reparaturarbeiten auf. Die Schließen fehlen, beide Kapitalen sind beschädigt. Die Bünde sind vorn gebrochen, einzelne Lagen des Buchblocks lose. Das Papier weist teilweise Risse, Wasserränder und Spuren von Insektenfraß auf.
Behandlung: Restaurierung von Buchblock und Einband. Kosten: ca. 1600 Euro

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Foto: Heike Heuser

Kirchengeseng, darinnen die Heubtartickel des christlichen glaubens kurtz gefasset und ausgeleget sind
Ohne Angabe des Druckorts, 1566. - 095 XIXe B 1394 d

Das von Michael Thamm herausgegebene Werk mit Liedern und Noten zu den "Hauptartikeln des christlichen Glaubens" ist Kaiser Maximilian gewidmet.

Schaden:
Schließen und Bänder fehlen größtenteils, Schäden an Einband, Kapitalen und Bünden, einzelne Lagen lose, Risse und Fehlstellen am Papier
Behandlung: Restaurierung des Einbands, Ergänzung der Schließen. Die losen Lagen müssen geheftet, Bünde ergänzt, Risse und Fehlstellen am Papier geschlossen bzw. ergänzt werden. Kosten: ca. 1500 Euro

Künste und Handwerke

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Foto: Heike Heuser

Johann Heinrich Behr: Der verschantzte Turenne oder Gründliche Alt- und Neue Kriegs-Bau-Kunst
Frankfurt am Main, Weidmann, 1677. - 095 9 068

Erstausgabe des von dem Berliner Baudirektor und Ingenieur Johann Heinrich Behr (1647-1717) stammenden Werks.

Schaden:
Vom Einband sind nur noch Reste erhalten, die Bünde und Gelenke gebrochen. Am Buchblock Spuren von Insektenfraß, Risse und Fehlstellen.
Behandlung: Die Buchdeckel müssen ergänzt bzw. erneuert und bezogen werden. Vorsatzblätter und Bünde sind zu ergänzen, Fehlstellen und Risse am Papier zu schließen. Kosten: ca. 1600 Euro

Geschichte

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Foto: Heike Heuser
Johann Ludwig Gottfried: Historische Chronica Oder Beschreibung der fürnemsten Geschichten so sich von Anfang der Welt biß auf unsere Zeiten zugetragen
Frankfurt am Main, Wolfgang Hoffmann, 1642. - 095 VIIa A 35

Das in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts noch mehrfach aufgelegte Werk enthält im Text über 300 Kupferstiche von Matthäus Merian, außerdem zahlreiche ganzseitige Portraitmedaillons sowie drei doppelblattgroße Kupfertafeln. Die Abbildungen zeigen biblische und historische Szenen, teils nach Vorlagen bekannter Gemälde berühmter Meister, einige mit kleinen topographisch exakten Stadtansichten im Hintergrund.

Schaden: Der vordere Buchdeckel ist vom Rücken getrennt, die Bünde teilweise gebrochen, einzelne Lagen lose. Papierschäden wurden mit säurehaltigem Material überklebt.
Behandlung: Restaurierung von Buchblock und Einband. Die Überklebungen müssen entfernt, Risse geschlossen, einzelne Blätter entsäuert und nachgeleimt werden. Kosten: ca. 1600 Euro

Geographie und Reisebeschreibungen

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Foto: Heike Heuser
Athanasius Kircher: La Chine illustrée
Amsterdam, Jansson à Waesberge, 1670. - 095 VIa A 63 zb

Athanasius Kircher (1601-1680), aus Hessen gebürtiger Jesuitenpater und Professor der Mathematik, Physik und der orientalischen Sprachen in Rom, zählt zu den bedeutendsten und vielseitigsten Gelehrten des 17. Jahrhunderts. Sein hier in französischer Übersetzung vorliegendes Werk "China monumentis qua sacris qua profanis illustrata" (China illustriert in seinen heiligen und weltlichen Denkmälern) erschien erstmals 1667. Kircher veröffentlicht darin Berichte seiner Ordensbrüder über chinesische Landeskunde, Sitten, Gebräuche und Glaubensvorstellungen, Architektur und Geographie und über die chinesische Pflanzen- und Tierwelt. Nicht zuletzt die vorzüglichen Kupferstiche förderten die Ver­brei­tung und Beliebtheit des Werkes.

Schaden: Das Marburger Exemplar wurde während des Zweiten Weltkriegs in ein Salzbergwerk ausgelagert, in dem es 1945 zu einem Brand kam. Durch das Feuer selbst hat das Buch keinen Schaden erlitten, wohl aber durch das von der Decke des Stollens tropfende Salz. Am Bezug des Ledereinbandes und den Seitenrändern im ersten Drittel des Buchs Salzausblühungen. Außerdem ist der Buchdeckel bestoßen und an den Ecken beschädigt.
Behandlung: Auslösung der Salzkrusten, Festigung des Deckels. Kosten: ca. 3200 Euro

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Foto: Heike Heuser
Abraham Ortelius: Theatrum orbis terrarum
Antwerpen 1575. - 095 1 2016/00178

Das "Theatrum orbis terrarum" des Kartographen und Altertumswissenschaftlers Abraham Ortelius (1527-1595) ist für die Geschichte der Kartographie von besonderer Bedeutung. Es erschien erstmals 1570 in Antwerpen und enthielt 53 Karten, die Ortelius größtenteils nach fremden Vorlagen überarbeitet hatte. Die zweite Auflage, zu der auch das Marburger Exemplar gehört, hatte bereits 72 Karten; bis zur letzten Ausgabe von 1608 steigerte sich der Umfang auf 166 Karten. Das vorliegende Exemplar stammt aus der Bibliothek des Klosters Corvey, deren Bestände durch König Jérôme von Westfalen der Universitätsbibliothek Marburg zugewiesen wurden.

Schaden: Einrisse am Einband, das Innengelenk vorne liegt offen, das fliegende Blatt und ca. 6 Faltkarten sind stark geschädigt mit Knicken, Rissen und Fehlstellen. Das Kupfergrün ist teils durchgeschlagen.
Behandlung: Trockenreinigung von Buchblock und Einband, Schließung von Rissen, Sichern oder Ergänzen von Fehlstellen im Papier des Buchblocks und der Vorsätze, Stabilisierung der Innengelenke, Festigung der Einrisse am Pergamenteinband. Kosten: ca. 1.800 Euro

Naturwissenschaften und Medizin

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Foto: Heike Heuser
Konrad Gesner: Epistolarum medicinalium libri III
Zürich, Froschauer, 1577. - 095 XIa B 111

Neben den "medizinischen Briefen" enthält der mit einer mittelalterlichen Pergamenthandschrift bezogene Band zwei weitere Werke des berühmten Arztes, Naturforschers und Polyhistors Konrad Gesner (1516-1565): Aconiti primi dioscoridis asseveratio und De oxymelitis elleborati utriusque descriptione et usu libellus.

Schaden:
Das als Einbandbezug verwendete Pergament ist am Rücken stark beschädigt, die Gelenke des Einbands sind außen und innen gebrochen.
Behandlung: Restaurierung des Einbands. Kosten: ca. 760 Euro

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Foto: Heike Heuser
Gabriele Falloppio: De ulceribus liber
Erfurt, Baumann, 1577. - 095 XId B 353 b

De ulceribus liber, das "Buch von den Geschwüren" ist ein Werk des Arztes und Naturwissenschaftlers Gabriele Falloppio (1523-1563). Falloppio lehrte an den Universitäten von Ferrara, Pisa und Padua und zählte zu den bedeutendsten Anatomen seiner Zeit. Er gilt auch als Erfinder des Präservativs. Das vorliegende Exemplar der 1577 in Erfurt gedruckten Ausgabe wurde, wie die Prägung auf dem Vorderdeckel zeigt, im Erscheinungsjahr für die Marburger Universitätsbibliothek erworben, zählt also zum ältesten Bestand der Bibliothek.

Schaden:
Der Ledereinband weist Risse und Fehlstellen sowie Schäden durch Insektenfraß auf. Der Überzug an den Kapitalen fehlt bzw. ist beschädigt.
Behandlung: Restaurierung des Einbands. Kosten: ca. 700 Euro

Nähere Auskünfte erteilen Ihnen gern

Dr. Bernd Reifenberg, Tel.: 06421 28-25101 oder

Gesine Brakhage, Tel.: 06421 28-25124 oder