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Das Geographische Institut und das Deutsche Haus

Deutschhaus - FB Geographie
Deutschhaus - Hauptgebäude des Fachbereichs (Foto: Maik Dobbermann)
1. Einführung
2. Der Deutsche Orden
3. Die Heilige Elisabeth
4. Die Elisabethkirche
5. Das Deutsche Haus
6. Universität


1. Einführung

Seit 1977 ist der Fachbereich Geographie im Deutschen Haus untergebracht. Hier befinden sich auf über 2.000 qm Hauptnutzungsfläche die Hörsäle, Bibliotheks-, Personal-, Sammlungs- und Seminarräume sowie Labors. Der Name geht auf die ursprüngliche Funktion des Gebäudes als Zentrum einer Niederlassung des Deutschen Ordens zurück. Es stand in enger funktionaler Verbindung zur benachbarten Elisabethkirche , einem überregional bekannten und bedeutenden Wahrzeichen Marburgs. Rund um die Elisabethkirche und auf dem Gelände, das heute u.a. vom Klinikum eingenommen wird, erstreckte sich länger als ein halbes Jahrtausend die Deutschordensniederlassung mit dem Deutschen Haus als Klausurbezirk und Zentrum. Die Gesamtanlage bestand aus etwa 30 Wohn-, Wirtschafts- und Verwaltungsgebäuden sowie zwei Hospitälern, war ummauert und bildete ein sowohl von der Stadt als auch von den Landgrafen autonomes Territorium.

2. Der Deutsche Orden

Der Deutsche Orden wurde 1190 als Hospitalorden gegründet und 1198 zum geistlichen Ritterorden erhoben, und zwar unter Mitwirkung der thüringisch-hessischen Landgrafen Ludwig III. (1172-1190) und Hermann I. (1190-1217). Obwohl die Interessen des Deutschen Ordens etwa ab 1236 schwerpunktmäßig auf die Kolonisierung Ostmitteleuropas gerichtet waren, besaß die Marburger Kommende, die 1255 zur Ballei Hessen aufstieg, im 13. und 14. Jahrhundert dennoch eine herausragende Stellung. Dafür waren die genannten Verbindungen zum Landgrafenhaus ebenso entscheidend wie die Wahl des Thüringers Hermann von Salza zum ersten und des Landgrafen Konrad von Thüringen zum zweiten Hochmeister sowie die Tatsache, daß Marburg zwischen 1291 und 1309 des Hochmeisters war. Die 1234 vom Papst vorgenommene Betrauung mit der Pflege des Grabes und der Weiterführung des Hospitals der 1235 kanonisierten Elisabeth sowie die Begünstigung, die der Deutsche Orden in Marburg seitens zahlreicher geistlicher und weltlicher Großen vor allem im 13. Jahrhundert erfuhr, begründeten dessen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Durch Schenkungen, Erbschaften, Einnahmen aus Wallfahrten, Ablaß usw. erwarben die Marburger Deutschherren in der Folgezeit umfangreiche Besitzungen im Marburger und hessischen Raum. Aus unterschiedlichen Gründen geriet man seit dem 15. Jahrhundert immer mehr in wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten, nach der Reformation auch in konfessionellen Gegensatz zu und in eine dauerhafte Abhängigkeit von den hessischen Landgrafen sowie in interne Glaubensstreitigkeiten. Die formale Aufhebung des Deutschen Ordens im Jahre 1809 durch Napoleon bedeutete lediglich den Schlußpunkt eines seit dem frühen 17. Jahrhundert währenden langsamen Zerfallsprozesses.

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Deutschhaus - Haupteingang (Foto: Renke Soete)

3. Die Heilige Elisabeth

Elisabeth (1207-1231), eine ungarische Königstochter, kam 1211 als Verlobte des späteren Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen auf die Wartburg. Durch Franziskanermönche aus Eisenach und unter dem Einfluß ihres Beichtvaters Konrad von Marburg fand sie offenbar Zugang zu den Ideen Franz von Assisis, so daß sie nach dem Tod Ludwig IV. (1227) nach Marburg übersiedelte (1228), ein Hospital gründete und die Pflege der Armen und Kranken zu ihrem Lebensinhalt machte. Nach ihrem Tod (17.11.1231) wurde Elisabeth in der zum Hospital gehörigen Franziskus-Kapelle bestattet. Aufgrund ihrer Lebensweise und ihres Wirkens sowie durch die Kunde von Wunderheilungen an ihrem Grab wurde Marburg innerhalb kürzester Zeit zum Ziel von Pilgern aus der gesamten christlichen Welt. Bis zu seiner Ermordung (1233) betrieb ihr Beichtvater, Konrad von Marburg, ein bedeutender Kreuzzugsprediger und Visitator aller deutschen Klöster, die Heiligsprechung Elisabeths. Sie erfolgte bereits an Pfingsten 1235, vor allem aufgrund der Bemühungen Konrads von Thüringen, des jüngsten Bruders Ludwig IV. und Schwagers Elisabeths, der 1234 dem Deutschen Orden beigetreten war und dort schnell Karriere machte (1239/40 Wahl zum Hochmeister). Er besaß offensichtlich eine Schlüsselfunktion bei den Verhandlungen zwischen Papst Gregor IX, Kaiser Friedrich II., dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Hermann von Salza, und den thüringischen Landgrafen, die 1234 zur übertragung ihres Hospitals (und somit auch der späteren Elisabethkirche) an den Deutschen Orden führten und - unterstützt durch reichliche Schenkungen - den Aufstieg des Marburger Deutschordenshauses einleiteten. Im Beisein von Kaiser Friedrich II. wurden die Gebeine Elisabeths am 1.5.1236 gehoben und in einem Bleisarg über der Grabstätte verwahrt. An dessen Stelle trat um 1250 der heute in der Sakristei befindliche goldene Elisabethschrein, aus dem Philipp der Großmütige 1539 die Gebeine entnahm und sie an einem nicht bekannten Ort begraben ließ. Außer dem Sarkophag wurden alle - echten und vermeintlichen - Reliquien und Erinnerungsstücke Elisabeths von Marburg aus über ganz Europa verteilt.

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4. Die Elisabethkirche

Die Grundsteinlegung der Elisabethkirche erfolgte am 14.8.1235. Zusammen mit der Liebfrauenkirche in Trier ist sie der an französischen Vorbildern (Reims, Amiens) orientierte erste Bau der deutschen Hochgotik. Der Ostchor (Hoher Chor) und das östliche Langhausjoch waren 1249, der Süd-(Landgrafen-)Chor und Nord-(Elisabeth-) Chor 1261 fertiggestellt. Im Bereich des Nordchors befand sich eine vermutlich 1228 errichtete hölzerne Hospitalkapelle, in der Elisabeth 1231 bestattet wurde. über dem Grab ließ Konrad von Marburg 1232 eine Steinkirche errichten, der die alte Kapelle und wohl auch das Hospital Elisabeths weichen mußten. Diese Franziskus-Kapelle, deren Grundmauern ergraben wurden, fiel um 1250 dem Fortgang der Bauarbeiten an der Elisabethkirche zum Opfer. 1277 wurde das Langhaus bedacht. Am 1.5.1283 erfolgte die Weihe der Elisabethkirche. Sie weist einen kreuzförmigen Grundriß auf (63 m Länge, 19 m Breite), wobei sich an einen Dreikonchenchor das aus drei gleichhohen Schiffen bestehende Hallenlanghaus anschließt (20 m Gewölbehöhe im Innern). Unnvollendet waren zu diesem Zeitpunkt noch die beiden 80 m hohen, mit steinernen Spitzhelmen versehenen Türme. Erst um 1350 fanden die Bauarbeiten mit der Fertigstellung des westlichen Mittelgiebels ihren Abschluß. Das äußere der Elisabethkirche, die als Vorbild für den Bau zahlreicher hessischer und deutscher Hallenkirchen diente, hat sich seit dem 13./14. Jahrhundert kaum gewandelt. Hingegen erfuhr das Innere zahlreiche Veränderungen.

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Deutschhaus - Hauptgebäude des Fachbereichs

5. Das Deutsche Haus

Das Deutsche Haus, welches wie eine Dreiflügelanlage wirkt, stammt in seinen ältesten Teilen (Kellergewölbe des Ostteils des Mittelbaus und des südlichen Westflügels) aus der Zeit zwischen 1234/35 und 1250. Um 1250/60 kamen das Komturhaus (nördlicher Teil des Ostflügels), dem 1480 der sog. Neue Bau vorgesetzt wurde, und der Westflügel hinzu. Seine heutige Form hat das Deutsche Haus erst durch eine Vielzahl von An- und Umbauten erhalten. Die Nutzung der einzelnen Gebäudeteile und Geschosse hat sich während der Klosterzeit (bis etwa 1475) und in der Residenzzeit (bis 1809) mehrfach gewandelt. Die komplizierte Baugeschichte ist im Detail noch ungeklärt. Im Mittelbau, dem sog. Herrenhaus, befanden sich ursprünglich verschiedene Offizinen (=Werk- und Arbeitsräume). Um 1480 ließ Landkomtur Ludwig von Nordeck die zunächst offene Arkadenwand hofseits vorbauen; in den 1780er Jahren traten das Fachwerkobergeschoß und das Mansardendach an die Stelle eines Spitzdaches. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verlegte der Landkomtur Hugo Damian von Schönborn (1700-1743), dessen Wappen über dem Haupteingang angebracht ist und unter dem der Deutsche Orden nochmals einen kurzfristigen Aufschwung erlebte, seine Residenz in den Mittelbau. Das barocke Eingangsportal wurde nach dem Abbruch der alten Komturei an seinen jetzigen Platz versetzt. Im Innern sind vor allem die sog. Herrenküche ("Ochsenbraterei") im Kellergeschoß und der mächtige Kamin beeindruckend. Der Westflügel, das sog. Brüderhaus, diente u.a. als Schlaf- und Speisesaal. Der niedrigere, hofseitige (östliche) Renaissance-Vorbau mit drei Wappensteinen entstand 1572. Im nördlichen, ältesten Teil des Ostflügels lag u.a. die Wohnung des Komturs. Ludwig von Nordeck begann 1484 und Dietrich von Cleen (Wappen am Schmuckerker der südlichen Staffelgiebelwand) vollendete 1495 den sog. Neuen Bau als südlichen Teil des Ostflügels. 1530/31 wurde an seiner Ostwand ein Chorerker der Hauskapelle vorgesetzt. Von der östlich an den älteren Teil des Ostflügels anschließenden, 1893 abgebrochenen alten Komturei ist nur eine Säulengalerie erhalten geblieben.

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6. Universität

Seit den 1820er Jahren wird das Deutsche Haus von der Universität genutzt: Physik (1823-1838), Entbindungsanstalt (1823-1868), Zoologie (1824-1903), Chemie (1825-1881), Mineralogie und Geologie (1881 bzw. 1904 bis jeweils Mitte der 1970er Jahre). Zum Sommersemester 1977 bezog der Fachbereich Geographie das Gebäude. Fast immer gingen dem Einzug der o.g. Institute bauliche Veränderungen voraus, so zuletzt 1975 bis 1977.

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Zuletzt aktualisiert: 25.06.2013 · Christoph Reudenbach

 
 
Fb. 19 - Geographie

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