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Sommersemester 2013

Vorlesung:

Völkerstrafrecht

Dr. Stefan Kirsch

Donnerstags von 18°° bis 20°° Uhr

Ort: Landgrafenhaus (LH), Universitätsstraße 7, Hörsaal 103

Link zum Eintrag im Vorlesungsverzeichnis der Philipps-Universität

Neben der Entstehung des Völkerstrafrechts und einer Vorstellung der im Bereich des Völkerstrafrechts tätigen Institutionen (ad hoc Gerichtshöfe, IStGH) stehen die Besonderheiten der völkerstrafrechtlichen Kernverbrechen (Kriegsverbrechen, Aggression, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord) im Zentrum der Veranstaltung. Darüber hinaus werden die Teilnehmer mit den Grundzügen der Verfahren vor den verschiedenen Internationalen Strafgerichte vertraut gemacht. Englische Sprachkenntnisse sind erforderlich. Die Veranstaltung richtet sich auch an Studierende der Friedens- und Konfliktforschung.

Bibliographie: Lehrbücher: Ambos, Internationales Strafrecht, 3. Aufl. 2011; Safferling, Internationales Strafrecht, 2011; Satzger, Internationales und Europäisches Strafrecht, 5. Aufl. 2011; Werle, Völkerstrafrecht, 3. Aufl. 2012.
Übersichten: Kirsch, HuV-I 2008, 66; Safferling/Kirsch, JA 2012, 481.


Seminar:

Zwanzig Jahre Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien

Professor Dr. Christoph J.M. Safferling, LL.M. (LSE)

Einzeltermine

Am 25. Mai 1993 wurde der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (JStGH) auf der Grundlage der UN-Sicherheitsresolution 827 eingerichtet. Am 26. Mai und 20. Juli 2011 wurden die letzten beiden von 161 vom JStGH Angeklagten,
Ratko Mladić und Goran Hadžić, verhaftet. Damit nähert sich die Funktionsdauer des ad hoc Gerichtshofs ihrem Ende zu. Der dazu entworfene dreiphasige Plan, die sogenannte „Completion Strategy“ und ihre Mechanismen, wurde 2010 vom UN-Sicherheitsrat in seiner Resolution 1966 in Kraft gesetzt. Nach nun zwanzigjähriger Tätigkeit gilt es Bilanz zu ziehen und die Arbeit des JStGH, vor allem auch in Hinblick auf die Fortbildung internationaler Rechtsprechung und der Herausbildung eines internationalen Prozessrechts, kritisch aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Das Seminar ist den juristischen Schwerpunktbereichen 5 (Völker- und Europarecht) und 6 (Nationale und internationale Strafrechtspflege) zugeordnet. Mit der Themenvergabe müssen sich die Teilnehmenden entscheiden, ob sie die Seminararbeit als wissenschaftliche Hausarbeit im Sinne der Schwerpunktbereichsprüfungsordnung werten lassen möchten. Studierende, die sich für den Schwerpunktbereich verbindlich anmelden, haben Vorrang.


Vorlesungsreihe:

Terroristenprozesse

Professor Dr. Christoph J.M. Safferling, LL.M. (LSE)

Einzeltermine, Mittwochs von 19°° bis 21°° Uhr

Ort: Landgrafenhaus (LH), Universitätsstraße 7, Hörsaal 101; außer am 15.05.2013, dann im Savignyhaus (SH), Universitätsstraße 6, Hörsaal 120.

Link zum Eintrag im Vorlesungsverzeichnis der Philipps-Universität

In dieser Veranstaltung werden verschiedene Aspekte aus dem Themenkomplex Terrorismus, Strafverfolgung und prozessuale Maßnahmen beleuchtet.  Dazu gehören unter anderem allgemeine rechtliche Grundlagen, die Attentate des 11. September, die RAF-Prozesse, die Anschläge der NSU und Aspekte der prozessualen Aufarbeitung. Zudem wird für die Teilnehmer ein Besuch einer Justizvollzugsanstalt (JVA) angeboten. Bei regelmäßiger Teilnahme wird zum Ende der Vortragsreihe ein Teilnahme-Zertifikat ausgestellt.

Bibliographie: Literaturhinweise werden in der Veranstaltung gegeben.



Praxiseminar mit Archivstudien/Projektarbeit:

Herrschaft und Gesellschaft im Nationalsozialismus

Dr. Wolfgang Form & Dr. Nicola Wurthmann

Montag von 12°° bis 16.°° Uhr

Ort: Staatsarchiv Marburg, Friedrichsplatz 15, Hörsaal II

Link zum Eintrag im Vorlesungsverzeichnis der Philipps-Universität

Die Machtübernahme der Regierung Hitler-Papen im Januar 1933 markierte eine tiefe Zäsur in der politischen Kultur des Deutschen Reiches. Mit der unmittelbar einsetzenden Verfolgung und Zerschlagung der politischen Opposition begann die "Gleichschaltung" und "Nazifizierung" von Staat und Gesellschaft, die eine wesentliche Grundlage für die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs und den im Namen des Deutschen Reiches begangenen europäischen Völkermord bildete.

Gegenstand des Seminars, das sich an fortgeschrittene Studierende richtet, ist die Auseinandersetzung mit politischer Verfolgung im "Dritten Reich" in Hessen. In den Eingangssitzungen werden dafür zunächst die organisatorischen Grundlagen des NS-Verfolgungssystems und der politischen NS-Justiz – Volksgerichtshof, Oberlandesgerichte, Sondergerichte und Militärgerichtsbarkeit – erarbeitet (Referat und Verschriftlichung). Anschließend werden die Teilnehmenden die Biografien einzelner Opfer und Täter der politischen Justiz (Volksgerichtshof und politische Senate der Oberlandesgerichte Kassel und Darmstadt) rekonstruieren und textlich darstellen (Seminarleistung).

Eine Grundlage für diese Arbeit bildet das Gedenkbuch für die "Verfolgten der politischen NS-Strafjustiz in Hessen". Anhand historischer Originaldokumente sollen die Studierenden ihre Fähigkeiten zur quellenkritischen Textanalyse vertiefen; die Veranstaltung wird daher im Staatsarchiv Marburg stattfinden. Außerdem werden sie geeignete Präsentationsmethoden erlernen. Es ist vorgesehen, die erarbeiteten Ergebnisse im Wintersemester 2013/14 der Öffentlichkeit zu präsentieren (Ausstellung).

Bibliographie:

Die Verfolgten der politischen NS-Strafjustiz in Hessen. Ein Gedenkbuch, hrsg. von Wolfgang Form, Theo Schiller und Karin Brandes, Marburg 2012 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 65,3).

Politische NS-Justiz in Hessen. Die Verfahren des Volksgerichtshofs, der politischen Senate der Oberlandesgerichte Darmstadt und Kassel (1933-1945) sowie Sondergerichtsprozesse in Darmstadt und Frankfurt/M. (1933/34), hrsg. von Wolfgang Form und Theo Schiller, 2 Bde., Marburg 2005 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 65).

 

Übung:

Nach dem Morden. Anerkennung von Opfern nach genozidaler Makrokriminalität

Dr. Christina Ullrich

Donnerstag von 14°° bis 16.°° Uhr

Ort: 10C05, WR 6C --> Wilhelm-Röpke-Straße 6, Block C

Link zum Eintrag im Vorlesungsverzeichnis der Philipps-Universität

 

Die Anerkennung oder Nichtanerkennung von Opfern bzw. Überlebenden genozidaler Verbrechen unterliegt einem komplexen Zusammenwirken verschiedenster Faktoren. Opfer sind somit nicht gleich Opfer, sondern Opferschaft unterliegt einer Konstruktivität. Unterschiedliche Akteure verhandeln sie unter spezifischen gesellschaftlichen, politischen, kulturellen, medialen und ökonomischen Rahmenbedingungen und zu bestimmten Zwecken. Der Status Opfer wird zugeschrieben durch Täter, durch die Betroffenen selbst, durch Medien, Gesellschaft, zivilgesellschaftliche Gruppen, nichtstaatliche Organisationen, Regierende und nicht zuletzt durch die Justiz, um nur einige Möglichkeiten zu nennen. Normativ werden Menschen oder Gruppen zu Opfern, wenn es um die Frage geht, welche Verbrechen strafrechtlich geahndet werden sollen und welchen Opfergruppen eine Form von Entschädigung zusteht. Mitverhandelt werden dabei immer auch Deutungen bzw. Narrative des Geschehenen. Überlebende selbst können dabei einzeln oder als Akteure wirken, sie können aber auch zum Objekt und nicht zuletzt hierarchisiert werden.

In der Übung wollen wir uns die Thematik grundlegend und interdisziplinär erarbeiten und zur Vertiefung die Beispiele Nachkriegsdeutschland und Ruanda heranziehen. Wir werden uns u.a. mit folgenden Fragen beschäftigen: Welche Bedeutungszuschreibungen verbinden sich mit den semantischen Feldern „Opfer“ und „Anerkennung“? Welche Rolle spielen die Kategorien Gerechtigkeit und Moralität? Gibt es inzwischen globalisierte Vorstellungen von Opferschaft und falls ja, mit welchen Konsequenzen? Wie ist in diesem Kontext die aktuelle explizite Opferzentrierung in der Praxis des Völkerstrafrechts zu bewerten? Können wir schließlich Faktoren definieren, die zu Anerkennungszuschreibungen oder –verweigerung führen?

Die Übung richtet sich an fortgeschrittene Studierende der Geschichts-, Sozial- und auch Rechtswissenschaften. Es wird die Bereitschaft vorausgesetzt, englische Texte zu lesen und sich auf Arbeits- und Denkweisen anderer Fächer einzulassen.


Bibliographie für einen ersten Überblick:

Fritz Bauer Institut (Hrsg.), Opfer als Akteure. Interventionen ehemaliger NS-Verfolgter in der Nachkriegszeit, Frankfurt, New York 2008; Jean-Michel Chaumont, Die Konkurrenz der Opfer. Genozid, Identität und Anerkennung, Lüneburg 2001; Thorsten Bonacker, Globale Opferschaft. Zum Charisma des Opfers in Transitional Justice Prozessen, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 19 (2012), H 1, S. 5-36; Rombouts, Heidy/Vandeginste, Stef, Reparation for Victims in Rwanda: Caught between theory and practice, in: K. de Feyter (Hrsg.), Out of the Ashes. Reparation for victims of gross and systematic human rights violations, Antwerpen 2005, S. 309-341.

 





Zuletzt aktualisiert: 29.04.2013 · Philipp Graebke

 
 
 
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