Herzlich Willkommen auf den Seiten der Servicestelle Lehrevaluation!
Die Philipps-Universität hat zum 01.01.2007 erstmals eine Personalstelle mit ausschließlichen Aufgaben im Bereich der Lehrevaluation eingerichtet. Die mittlerweile in die Stabsstelle Studiengangentwicklung und Lehrevaluation integrierte zentrale Servicestelle Lehrevaluation stellt Fragebögen für die Evaluation unterschiedliche Veranstaltungsarten zur Verfügung und ist für die universitätsweiten Absolventenbefragungen zuständig.
Angestrebt wird die Entwicklung eines Qualitätssicherungssystems, das eine langfristige, institutionalisierte Einrichtung an der Philipps-Universität Marburg darstellen soll.
Auf den folgenden Seiten erhalten Sie weitere Informationen über die Arbeit der Servicestelle und die geplanten Aktionen.
Warum überhaupt evaluieren?
Hochschulrahmengesetz, Hessisches Hochschulgesetz, Prüfungsordnungen (ÄAppO), HRK, KMK und Akkreditierungs- agenturen sehen in der Qualitätssicherung von Lehre und Studium eine der zentralen Aufgaben der Hochschulen. Dabei geht es um die Definition berufsqualifizierender Lernziele und von Kriterien für die Erreichung dieser Ziele.
Die Akkreditierung neuer Studiengänge durch Peers und andere
Gutachter lässt bekanntermaßen nur die Schlussfolgerung zu, dass das
fachliche und fachdidaktische Konzept eines Programms dem Stand der
Wissenschaft entspricht und mit den vorhandenen Ressourcen zu
verwirklichen sein sollte. Mindeststandards aus Sicht des Fachs sind
damit gewährleistet.
Über die in der Realität erreichbare Qualität eines Studiengangs und
auch über seine Attraktivität am "Bildungsmarkt" ist auf dieser Stufe
jedoch höchstens eine Prognose möglich. Erst in der Praxis zeigt sich,
welche Stärken und Schwächen ein Studiengangskonzept beinhaltet. Diese
gerade bei Einführung durch sehr sorgfältige Beobachtung zu ermitteln,
liegt im besonderen Interesse der Hochschule.
Die Qualität von Lehrveranstaltungen ist daher mit dem Blick auf
Dozenten und Studierende gleichermaßen regelmäßig zu evaluieren. Ebenso
muss der Rahmen, unter denen Lehre stattfindet, bewertet werden.
Ganz ohne jeden Zweifel muss der Situation der Studierenden als
Hauptbetroffenen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Auch die
Arbeitsbelastung von Studierenden im Zusammenhang mit dem Systemwechsel
von Studienabschluss- zu studienbegleitenden Prüfungen sollte
Gegenstand der Untersuchungen sein. Die Ergebnisse müssen bei
Revisionen von Studiengängen, spätestens bei Reakkreditierungen
verwertet werden.
Ziele der Evaluation
Die Evaluation an der Philipps-Universität dient der empirischen Analyse der Qualität der Lehre zum Zwecke ihrer Bewertung und Modifikation. Sie ist damit sowohl summativ, als auch formativ.
Die Evaluation erfolgt auf Mikro- (einzelne Lehrveranstaltung),
Meso- (Semesterorganisation) und Makroebene (ganzer Studiengang). Ihre
Aufgabe besteht darin, zu prüfen, ob und in welchem Umfang die zuvor
definierten Lernziele und Schlüsselqualifikationen erreicht werden und
wie effektiv und effizient die eingesetzten Methoden und Strukturen in
dieser Hinsicht waren.
Sie ermöglicht also eine Stärken-Schwächen-Analyse des Studiengangs und
einzelner Lehrveranstaltungen und gibt Anregung für curriculare,
strukturelle und didaktische Verbesserungen.
Das Ziel ist letztendlich die Erhöhung der Effizienz der Lehre und damit auch der Attraktivität des Studiengangs für die Bewerber/innen.
Evaluationskriterien
Die für die Lehrevaluation an der PU eingesetzten Methoden und Fragebögen sollten standardisiert und nach Möglichkeit auch schon im Hinblick auf die Testgütekriterien validiert sein. Neu entwickelte Methoden sollen in Kooperation mit Psychologen baldmöglichst auf Validität und Reliabilität getestet werden.
Lehrveranstaltungsevaluationen durch Befragung von Studierenden sind inzwischen weit verbreitet und wiederholt wissenschaftlich untersucht worden (Rindermann, 1995; Basler 1995, 2003, 2006). Sie haben sich als zuverlässiges und hilfreiches Instrument zur Verbesserung der Lehre an den Universitäten allgemein und auch des Unterrichts einzelner Dozenten erwiesen (vgl. z.B. Lehrberichte des FB Medizin der PU).
Allerdings handelt es sich hierbei nur um ein Element zur Evaluation
der Qualität der Lehre, welches durch andere Elemente, wie z. B. der
Leistungsevaluation, ergänzt werden muss, denn es wird nur die
Akzeptanz der Studierenden hinsichtlich des Unterrichts ermittelt. Eine
von den Studierenden schlecht bewertete Lehre kann aber das Studium und
die Motivation zum Selbststudium erheblich erschweren, eine Lehre, die
Interesse weckt, kann beides dagegen erleichtern.
Eine Untersuchung an der Universität Wien bezüglich Biasvariablen, die
die Ergebnisse von Lehrveranstaltungsevaluationen beeinflussen können,
ergab eine Korrelation zwischen dem Interesse der Studierenden am
vermittelten Thema und der Beurteilung der Lehrveranstaltung. Auch
Rindermann kann eine Abhängigkeit nicht ausschließen (1995). Daher
sollte bei der Lehrveranstaltungsevaluation das Interesse der
Studierenden am Thema ebenfalls erfragt werden.
Die Leistungsevaluation (z.B. Progress Test, Analyse von Prüfungen,
u.a.) untersucht hingegen das eigentliche Ziel des Unterrichts, die
Aneignung von Wissen und Schlüsselqualifikationen. Leider sind
diesbezüglich aber bisher wenige Erfahrungen vorhanden.
Bei der Auswertung von Prüfungsergebnissen ist zu beachten, dass die
Leistungsnachweise der Studierenden nur bei einem Lehrangebot mit klar
definierten und überprüfbaren Studienzielen und einer objektiven,
validen und zuverlässigen Prüfung ein Maß für die Zielerreichung der
Lehre darstellen. Diese Idealbedingungen sind aber in der Realität
nicht immer erfüllt.

