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Archiv der Philipps-Universität Marburg

Das Universitätsarchiv verwahrt das in der laufenden Verwaltung der Universität nicht mehr benötigte Schriftgut, erschließt es und macht es für die Forschung, aber auch für die Universität selbst nutzbar. Zur Zeit umfasst das Universitätsarchiv knapp 500 Urkunden und mehr als 2000 lfd. Regalmeter Amtsbücher und Akten aus der Zeit vom 13. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart.

Seit 1890 sind die Bestände als Depositum im Hessischen Staatsarchiv Marburg untergebracht. Am 1. März 2006 hat die Universität mit der Einstellung einer Archivarin die Einrichtung selbst übernommen (vgl. Nachricht vom 24. April 2006). Akten und Urkunden blieben aber im Staatsarchiv und können dort im Lesesaal eingesehen werden. Seit dem 1. Februar 2010 zählt das Archiv zu den Zentralen Einrichtungen der Universität.

 

  

Die besondere Archivalie: Flugblätter und Fotografien aus dem Nachlass von Samson B. Knoll

 

"... der Anfang vom Ende" - Die alliierte Landung in der Normandie

 

 

Churchill
Alliiertes Flugblatt nach der geglückten Landung in der Normandie. UniA Marburg 312/3/37 Nr. 2

In den frühen Morgenstunden des 6. Juni 1944, des sogenannten D-Day, begann die größte militärische Landungsoperation in der Geschichte. Vornehmlich britische und amerikanische Truppen setzten zum Sturm auf die von den Nationalsozialisten proklamierte "Festung Europa" an. Der Kampf um die Befreiung der von Deutschland besetzten Länder Westeuropas wurde dabei nicht nur mit Panzern und Artillerie geführt. Den Krieg der Waffen ergänzte der Krieg der Worte. Tausende über den deutschen Linien und hinter der Front abgeworfene Flugblätter sollten die deutschen Soldaten zur Aufgabe bewegen.

Flugblatt 1
Nach der Landung in der Normandie stellte die stark befestigte Hafenstadt Cherbourg eines der ersten Ziele der alliierten Expeditionsstreitkräfte dar. Die Stadt konnte nach zähen Kämpfen erst am 27. Juni 1944 eingenommen werden. Das Flugblatt sollte die deutschen Streitkräfte zum Aufgeben bewegen. UniA Marburg 312/3/37 Nr. 2
Flugblatt 2
Nach dem Fall von Cherbourg verbreitetes alliertes Flugblatt. UniA Marburg 312/3/37 Nr. 2
Passierschein r
Über den deutschen Linien abgeworfener Passierschein, der deutsche Soldaten zur Beendigung der Kampfhandlungen ermutigen sollte. UniA Marburg 312/3/37 Nr. 2

Verantwortlich für diese psychologische Kriegführung war die von General Dwight D. Eisenhower 1942 ins Leben gerufene Psychological Warfare Branch / Allied Forces Headquarters (PWB/AFHQ). Sie sollte zunächst die Landeoperationen der Allierten in Nordafrika durch gezielte Propaganda unterstützen. Ihre Fortsetzung fand die PWB 1944 in der Psychological Warfare Division / Supreme Headquarters, Allied Expeditionary Forces (PWD/SHAEF), die u. a. für die Flugblätter zuständig war.

Samson B. Knoll
Samson B. Knoll vor einer Dienststelle der Psychologial Warfare Branch 1944. UniA Marburg 312/3/37 NL Knoll

Ein Soldat in den Reihen der PWD war der aus Deutschland stammende Samson B. Knoll. Er wurde am 11. Februar 1912 im damals zu k.u.k.-Monarchie gehörenden Galizien als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Bereits 1914 zog die Familie nach Berlin. Dort besuchte Samson Knoll auch die Schule. Nach dem Abitur begann er 1930 ein Studium der Geschichte und der Germanistik an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin (heute Humboldt-Universität). Dort studierte er unter anderem bei dem bekannten Kulturhistoriker Kurt Breysig. Im Jahr 1933 verließ er das nationalsozialistische Deutschland und ging nach Paris, wo er sein Studium an der Sorbonne fortsetzte. Nach einem Aufenthalt in London emigrierte er 1935 in die Vereinigten Staaten von Amerika. Er arbeitete dort zunächst als Lehrer. Seine Einberufung im Jahr 1943 führte ihn zur "Intelligence Section of the Psychological Warfare Combat Team" der First U.S. Army. Als Soldat der psychologischen Kriegführung betrat er 1944 erstmals wieder europäischen Boden. Nach der Umwandlung der Psychological Warfare Division in die Information Control Division, die sich vorrangig der "Reeducation" der Bevölkerung, der Demokratisierung und der Bekämpfung des NS-Gedankenguts widmete, im Mai 1945 erhielt er die Funktion des "Chief Interrogator for Military Government Information Control" des "Office of Military Government for Germany, US" (OMGUS) in Marburg. Diese Tätigkeit brachte ihn in Kontakt mit führenden Persönlichkeiten der Philipps-Universität (Rudolf Bultmann, Julius Ebbinghaus, Werner Krauss u.a.m.). Gleichzeitig war der amerikanische Hochschuloffizier Edward Y. Hartshorne in Marburg tätig. Im August 1946 kehrte Samson Knoll in die USA zurück. Dort setzte er seine Studien fort. Die University of Colorado verlieh ihm den Grad eines Master of Arts. Später wurde er an der Stanford-University promoviert und übte Lehrtätigkeiten an verschiedenen nordamerikanischen Universitäten aus. Von 1962 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1977 hatte er die Professur für deutsche Geschichte und deutsche Literatur am Monterey Institute of Foreign Studies inne. Er starb am 20. Juli 2001 in Carmel/California.

Normandie 2
Zerstörte Stadt in der Normandie.Fotografie von Samson B. Knoll. UniA Marburg 312/3/37 NL Knoll
Normandie 4
Alliierter Vormarsch durch eine zerstörte Stadt in der Normandie. Fotografie von Samson B. Knoll. UniA Marburg 312/3/37 NL Knoll
Aus dem Nachlass von Samson B. Knoll stammen die gezeigten Flugblätter und Fotografien. Der Nachlass, der sich bislang in Privatbesitz befand, wurde dem Archiv in diesen Tagen als Schenkung übergeben. Er enthält u.a.  hochinteressante Dokumente zur unmittelbaren Nachkriegszeit in Marburg, aber auch spannende Materialien zum Leben Samson Knolls (Korrespondenzen, Tagebücher, Fotografien etc.).

>> Carsten Lind

Zuletzt aktualisiert: 24.06.2014 · Dr. Carsten Lind, Universitätsarchiv, 06421-9250176

 
 
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