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Archiv der Philipps-Universität Marburg

Das Universitätsarchiv verwahrt das in der laufenden Verwaltung der Universität nicht mehr benötigte Schriftgut, erschließt es und macht es für die Forschung, aber auch für die Universität selbst nutzbar. Zur Zeit umfasst das Universitätsarchiv knapp 500 Urkunden und mehr als 2000 lfd. Regalmeter Amtsbücher und Akten aus der Zeit vom 13. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart.

Seit 1890 sind die Bestände als Depositum im Hessischen Staatsarchiv Marburg untergebracht. Am 1. März 2006 hat die Universität mit der Einstellung einer Archivarin die Einrichtung selbst übernommen (vgl. Nachricht vom 24. April 2006). Akten und Urkunden blieben aber im Staatsarchiv und können dort im Lesesaal eingesehen werden. Seit dem 1. Februar 2010 zählt das Archiv zu den Zentralen Einrichtungen der Universität.

 

  

Die besondere Archivalie: Weihnachtsgabe der Philipps-Universität 1917

 

"Dieser Krieg ist unser Schicksal" – Weihnachtsgrüße für die Kommilitonen im Schützengraben

 

Weihnachtsgabe 1917
Weihnachtsgabe der Philipps-Universität für ihre Kriegsdienst leistenden Angehörigen aus dem Jahr 1917. UniA Marburg 305a Nr. 8167

Schon unmittelbar nach Beginn des Krieges begann die Versendung sogenannter Liebesgaben an die Soldaten in den Schützengräben des Weltkrieges. Diese „Liebestätigkeit“ zielte zunächst auf praktische Dinge oder Genussmittel – die Bandbreite reichte von Socken und warmer Unterwäsche bis zu Schokolade, Kaffee und Tabak.

Natürlich wollten die Universitäten hier nicht zurückstehen. Aber wer sich in der Rolle eines "geistigen Leibregiments" sah, der konnte den Studenten an der Front schwerlich Kautabak und Büchsenwurst senden. Intellektuelle Nahrung und geistiges Rüstzeug wollten die deutschen Professoren den Soldaten in den Tornister stecken.

Illustration von Otto Ubbelohde
Illustration Otto Ubbelohdes von der Rückseite der Weihnachtsgabe. UniA Marburg 305a Nr. 8167

Weihnachten war dafür ein gegebener Anlass. Auch die Philipps-Universität wollte mittun und sandte gedruckte Grüße an ihre "Kommilitonen im Feld". Zum Weihnachtsfest 1917 verschickte der damalige Rektor, der Theologe Wilhelm Heitmüller, die Rede, die er am 31. Oktober 1917 zum 400. Jubiläum der Reformation gehalten hatte, gedruckt im Oktavformat und geschmückt mit Bildern Marburgs von Otto Ubbelohde.

In der Einleitung schrieb Rektor Heitmüller: "Wir wissens: Dieser Krieg ist unser Schicksal, das gewaltigste, das je über unser Volk gekommen ist. Wenn wir von dem Krieg als einem Schicksal reden, meinen wir damit wahrlich nicht etwas, das uns zu Boden drückt: Schicksal ist für den sittlich handelnden Menschen nichts anderes als die Lebensmöglichkeit, die er zur Quelle der Kraftentfaltung und der Lebensförderung gestalten soll."

Im Hauptteil der Rede widmete er sich der theologischen Einordnung Luthers, aber nicht ohne diesen und die Reformation zunächst einmal als genuin "deutsch" zu proklamieren: "Nun, deutsch ist die Reformation. […] Deutsch, ganz deutsch, tief verankert in der Innigkeit deutschen Gemüts, war der religiöse Kern der reformatorischen Bewegung."

Am Schluss der Rede trat Luther dann gewissermaßen in die deutschen Reihen: "Der Luther soll durch die Lande gehen! Und er geht heute durch die Lande. In mannigfacher Gestalt und Farbe. In verschiedenartiger Stärke und Kraft. Überall da, wo man sich in das was sein muß im Tragen und Handeln, still und entschlossen findet im Vertrauen auf einen letzten Sinn alles Geschehens, auf Gottes wenn auch oft unverstandene Führung."

Selbst der weihnachtliche Gruß der Engel musste sich als Gruß des Rektors eine eigene Interpretation gefallen lassen: "Die heilige Legende des Festes berichtet von den Engeln, die 'Friede auf Erden' in ihrem Lobgesang verkündeten. Das ist nicht der äußere Frieden, für den wir kämpfen, sondern der innere Frieden, die Kraft für diesen Kampf: gewoben aus Vertrauen und festem Wollen."

Am Ende des Krieges hatten nach offizieller Zählung 587 Studierende der Philipps-Universität "Frieden" gefunden - im Soldatengrab.

>>> Carsten Lind

 


Zuletzt aktualisiert: 11.11.2014 · Dr. Carsten Lind, Universitätsarchiv, 06421-9250176

 
 
Philipps-Universität Marburg

Archiv der Philipps-Universität Marburg, Friedrichsplatz 15 (im Hessischen Staatsarchiv Marburg), 35037 Marburg
Tel. +49 6421/9250-176, Fax +49 6421/161125, E-Mail: uniarchiv@verwaltung.uni-marburg.de

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