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Das Archiv der Philipps-Universität Marburg

Archiv
Blick in eines der Magazin des Universitätsarchivs. Vorne sind noch unverpackte Rechnungen, im Hintergrund bereits kartonierte zu sehen.

Seit 2006 betreut die Philipps-Universität Marburg ihr Archiv. Davor befanden sich die Urkunden und Akten über 100 Jahre in der Obhut des Hessischen Staatsarchivs in Marburg. Die Kündigung des nicht mehr zeitgemäßen Depositalvertrags aus dem Jahr 1890 erfolgte einvernehmlich zum 1. März 2006 und eine neue vertragliche Regelung wurde gefunden. Neben der zu diesem Zeitpunkt von der Universität eingestellten Archivleiterin, die eine halbe Stelle inne hat, ist hier seit September 2006 noch ein Archivangestellter tätig. Zum 1. Januar 2008 wurde die zweite Hälfte der Archivarsstelle besetzt. Die inzwischen knapp zwei Kilometer Akten und Urkunden umfassenden Bestände sind weiterhin in den Magazinen des Hessischen Staatsarchivs Marburg am Friedrichsplatz untergebracht, die Archivalien werden im dortigen Lesesaal vorgelegt.

Die Bestände des Universitätsarchivs haben den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden und sind zum Teil älter als die Universität selbst. Dieser wurden kurz nach ihrer Gründung 1527 die Besitzungen mehrerer säkularisierter Klöster als Stiftungsvermögen übergeben. Die im 14. Jahrhundert einsetzende Überlieferung der drei Marburger Stadtklöster bildet den Grundstock des fast 500 Stücke umfassenden Urkundenbestands. Besonders hervorzuheben sind das Privileg Kaiser Karls V. für die Universität von 1541 und das Privileg Landgraf Wilhelms VI., durch das 1653 die mit dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs nach Gießen verlegte Universität in Marburg wieder begründet wurde.

Aktenüberlieferung aus fünf Jahrhunderten

Heinemann Stundenplan
Belegbogen des späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann vom Sommersemester 1921 zum Zweck der Gebührenabrechnung (Best. 305m 2 Nr. 30)

Die Aktenüberlieferung setzt im 16. Jahrhundert ein und wird im späten 16. Jahrhundert dichter. In dem stark benutzten Altbestand Rektor und Senat (305a) sind die Angelegenheiten, die den Universitätsbetrieb direkt betreffen, dokumentiert. Neben den Generalia wären z. B. die vier Fakultäten und zahlreiche Institute sowie das angegliederte Pädagog, die Berufung von Professoren, die nicht wissenschaftlichen Lehranstalten (z. B. Reit- und Fechtunterricht) oder die Betreffe der universitätseigenen Gerichtsbarkeit zu nennen. Aber auch die Verwaltung und Vergabe von Stipendien sowie die Verwaltung des Stiftungsvermögens ließen Schriftgut entstehen. Ein umfangreicher Rechnungsbestand dokumentiert nicht nur die Gehaltszahlungen an die Professoren und andere Universitätsangehörige, den Unterhalt der durch die 1529 gegründete und bis heute bestehende Hessische Stipendiatenanstalt geförderten Studenten, Bücherkäufe, Promotionen (für die Gebühren fällig waren) und die staatlichen Zuschüsse, sondern auch die Verwaltung des Stiftungsvermögens bis etwa 1860, so dass hier und in den dazugehörigen Akten auch orts- und regionalgeschichtliche Fragen geklärt werden können.

Die Marburger Universität wurde bei ihrer Gründung mit den vier Fakultäten Theologie, Jura, Medizin und Philosophie ausgestattet. Eine breitere Aktenüberlieferung setzt hier im 18. Jahrhundert ein, in der juristischen und der medizinischen Fakultät wurden aber bereits im 16. Jahrhundert Annalen geführt. Ein großer Teil der Fakultätsüberlieferung besteht aus Promotionsakten. Hier konnte in diesem Jahr ein großer Fortschritt bei der Erschließung gemacht werden: Die älteren Promotionssammelakten sowohl der Philosophischen als auch der Medizinischen Fakultät wurden mit Hilfe von Praktikanten und durch einen Werkvertrag im Hessischen Archiv-Informations- und Dokumentationssystem (HADIS) erschlossen, so dass über den Namen und das Geburtsdatum der Doktoranden, deren Akten frei zugänglich sind, die Promotionsakten jetzt schnell und leicht im Internet recherchierbar sind und auch die Frage, ob ein Exemplar der Dissertation in der Akte enthalten ist, geklärt werden kann. In den älteren Akten der Philosophischen Fakultät sind die darin enthaltenen Promotionen und Promotionsgesuche ausgewiesen. Im vergangenen Jahr wurde auch die schon verloren geglaubte Überlieferung der Juristischen Fakultät von etwa 1920 bis zur Aufhebung der Fakultät in das Universitätsarchiv überführt.

Umorganisation der Universität

Mit der Umorganisation der Universität 1970/71 erfolgte die Auflösung der inzwischen fünf Fakultäten – 1964 war die Naturwissenschaftliche dazu gekommen – und die Einrichtung von zunächst 20, dann 21 Fachbereichen. Inzwischen sind durch Umorganisationen und Fächerschließungen noch 16 übrig. Die weitgehende Umstrukturierung der Universitätsspitze 1970/71 rechtfertigt ebenfalls einen Abschluss der beiden alten Bestände Rektor und Senat (305a) sowie Kurator/Verwaltungsdirektor/Kanzler (310) und die Einrichtung der neuen Bestände Universitätsleitung/Präsidium (305f) und Konvent (305k), der der herausgehobenen Rolle dieses Gremiums gerecht wird. Sowohl von der Zentralverwaltung als auch von den Fachbereichen sind bereits Akten abgegeben worden, die nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist von 30 Jahren, sofern es sich nicht um personenbezogenes und damit länger zu schließendes Schriftgut wie Prüfungs- oder Personalakten handelt, bereits benutzt werden können.

Rechnung
Ökonomierechnung der Universität aus dem Jahr 1617: Abrechnung der Professorenbesoldung für ein Quartal (Best. 305r 1 Nr. 75)

Da bis zur Verselbständigung des Universitätsarchivs keine Akten unterhalb der Dekanatsebene übernommen wurden, können instituts- und lehrstuhlinterne Vorgänge nur in ihrem schriftlichen Niederschlag auf höheren Ebenen nachvollzogen werden. An verschiedenen Stellen in der Universität finden sich aber noch Akten, die einige Lücken schließen. So sind Teile der Überlieferung des Physikalischen Instituts, beginnend im frühen 19. Jahrhundert, kürzlich in die Obhut des Archivs übernommen worden, außerdem die Akten des inzwischen nicht mehr bestehenden Instituts für Heil- und Sonderpädagogik, Akten des Anatomischen Instituts, Überlieferung des innerhalb des Fachbereichs Geschichte angesiedelten Lichtbildarchivs, der Historischen Hilfswissenschaften und der Osteuropäischen Geschichte und des inzwischen ebenfalls geschlossenen Instituts für Rechtsgeschichte und Papyrusforschung, die bis in die 1960er Jahre und weiter zurück reichen. Hier sollen auch die Krankenakten aus dem Zeitraum von 1938 bis 1950 erwähnt werden, die ca. 38 lfd. m umfassen und den letzten Rest der älteren diesbezüglichen Überlieferung darstellen. Die Leiterin des Universitätsarchivs hofft in dieser Hinsicht auf weitere Funde und Abgaben.

Natürlich gehören auch Vorlesungs- und Personalverzeichnisse zu den Beständen des Universitätsarchivs ebenso wie die Druckschriften der Universität, z. B. alle Ausgaben der zwischen 1972 und 1998 erschienenen Marburger Universitätszeitung, zahlreiche Ausgaben der vom Universitätsbund herausgegebenen Alma Mater Philippina, alle bislang erschienenen Nummern des 1999 begründeten UniJournals oder auch die vorrangig für den Dienstgebrauch bestimmten Mitteilungen der Philipps-Universität Marburg. Neben zwei eher nach dem Zufallsprinzip entstandenen Flugblattsammlungen, die in den ganz späten 1960er Jahren einsetzen, haben größere Teile der ASTA-Überlieferung von seiner Gründung in den Nachkriegsjahren bis weit in der 1980er Jahre, in denen ebenfalls sehr viele Flugblätter zu finden sind, ihren Weg in die Magazine am Friedrichsplatz gefunden, eine sicher wichtige Quelle zur Erforschung der Studentenbewegung.

Suche nach Professoren und Studenten

Nachrichten über die Professoren der Marburger Universität bietet, verbunden mit dem Nachweis archivalischer Quellen, der Catalogus Professorum Academiae Marburgensis, der in drei gewichtigen Bänden den Zeitraum von 1527 bis 1991 abdeckt. Seit seiner Verselbständigung übernimmt das Universitätsarchiv auch Professorennachlässe, die bis dahin entweder in die Universitätsbibliothek oder an das Staatsarchiv gingen.Bei der Suche nach Nachrichten über ehemalige Studenten der Universität, die die meisten Anfrage an das Archiv ausmachen, ist an erster Stelle die Matrikel zu nennen, die bis auf eine Lücke in der Spätphase des Dreißigjährigen Krieges vollständig überliefert und bis zum Jahr 1830 auch im Druck zugänglich ist. Ab dem Sommersemester 1917 geben die Belegbögen, die von den Studenten in jedem Semester zur Gebührenberechnung eigenhändig ausgefüllt werden mussten, Informationen über die besuchten Veranstaltungen. Ihre Unterkunft in Marburg ist hier und in den ab 1857 vorhandenen Personalverzeichnissen semesterweise nachvollziehbar. Haben die Gesuchten in Marburg promoviert, so finden sich etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts bei den Fakultäten die Promotionsakten mit weiteren Angaben zu Lebenslauf und Studium. In der Theologischen Fakultät sind außerdem die Unterlagen der Kandidatenprüfungen seit dem späten 18. Jahrhundert überliefert.Erste Informationen, auch für die abgebenden Stellen in der Universität, bietet die Homepage des Archivs. Durch den dort möglichen Zugriff auf die Datenbank HADIS (Hessisches Archiv-Dokumentations- und Informationssystem) sind die Benutzer immer auf dem aktuellen Stand der zügig voran schreitenden Online-Erschließung der Universitätsbeständ.

  >> Katharina Schaal

Zuletzt aktualisiert: 25.09.2012 · Dr. Carsten Lind, Universitätsarchiv, 06421-9250176

 
 
Philipps-Universität Marburg

Archiv der Philipps-Universität Marburg, Friedrichsplatz 15 (im Hessischen Staatsarchiv Marburg), 35037 Marburg
Tel. 06421/9250-176, Fax 06421/161125, E-Mail: uniarchiv@verwaltung.uni-marburg.de

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