09.04.2026 21.04.2026, 18:15 Uhr: Filmvorführung „Out of Exile. The Photography of Fred Stein“
„Out of Exile. The Photography of Fred Stein“, 86 Min., dt. Untertitel, Regie: Peter Stein und Dawn Freer. Präsentation und Einführung: Peter Stein und Franziska Scheuer
Am 29. April 2026 eröffnet in der Leica Galerie in Wetzlar im Rahmen des 100-jährigen Leica-Jubiläums die Präsentation Stadt. Leben. Porträt zum fotografischen Schaffen von Fred Stein (1909–1967). Aus diesem Anlass wird der Sohn des Fotografen, der 1943 in New York geborene Kameramann Peter Stein am 21. April 2026 nach Marburg kommen und am DDK den von ihm gemeinsam mit seiner Ehefrau Dawn Freer produzierten, mehrfach prämierten Film Out of Exile. The Photography of Fred Stein vorstellen.
Fred Stein gehört zu den bekanntesten deutschen Exilfotografen der 1930er bis 1960er Jahre. In Dresden geboren, studierte der stark sozialpolitisch engagierte Stein Jurisprudenz in Leipzig und schloss 1933 als Bester seines Jahrgangs ab. Im Sommer 1933 heiratete der aus einfachen Verhältnissen stammende Stein Liselotte Salzburg, die Tochter des bekannten jüdischen Arztes Siegmund Salzburg. Noch im selben Jahr musste das Paar unter dem Druck der zunehmend von Antisemitismus, Ausgrenzung und Verfolgung geprägten nationalsozialistischen Politik aus Dresden fliehen und ließ sich in Paris nieder.
Stein, der sich noch in Deutschland eine Leica zugelegt hatte, konnte sich in Frankreich als Fotograf etablieren. Neben eindrucksvollen Porträts der Pariser Exilszene entstanden einfühlsame, detailreiche und meisterhaft komponierte Aufnahmen des Alltags und des Pariser Straßenlebens; ebenso dokumentierte er politische Ereignisse. Ab 1935 trat Fred Stein fotokünstlerisch beispielsweise durch Ausstellungen in der renommierten Galérie de la Pléiade in Erscheinung. In die Pariser Jahre datieren zahlreiche Freundschaften mit anderen Fotografen, der prominenteste unter ihnen vermutlich der junge Robert Capa (1913–1954). Von Fred Stein stammen die Aufnahmen von Capa und Gerda Taro (1910–1937) in einem Pariser Café, die im Zuge des 2007 entdeckten sogenannten Mexican Suitcase zu Berühmtheit gelangten.
Nach der teilweisen Besetzung Frankreichs interniert, gelang Fred Stein 1939 die Flucht nach Marseille, von wo aus er mithilfe Varian Frys gemeinsam mit seiner Frau und der 1938 in Paris geborenen Tochter Marion nach New York emigrierte. Dort setzte Stein seine fotografische Tätigkeit unvermindert und mit den Schwerpunkten Porträt und Street Photography fort, wobei der Ortswechsel die Bildsprache merklich veränderte.
Fred Stein arbeitete nicht nur mit der Leica, sondern auch im kompositionell herausfordernden Mittelformat mit einer Rolleiflex. Die Arbeiten der New Yorker Jahre sind geprägt von Aufträgen etwa für Zeitschriften gleichermaßen wie von eigenen künstlerischen Projekten, wobei die Porträtfotografie einen besonderen Stellenwert einnimmt. Dazu gehört eine Serie von Fotobildnissen, die Stein von der befreundeten Hannah Arendt aufnahm. Anfang der 1960er Jahre kehrte Fred Stein zu einer groß angelegten Porträtkampagne herausragender Politiker und Intellektueller nach Deutschland zurück, die er kurz vor seinem Tod in einem Bildband mit einer Einführung des bekannten Kritikers Will Grohmann veröffentlichte.
Der Nachlass von Fred Stein befindet sich im Besitz von Peter Stein, der sich für die Anerkennung des Œuvres seines Vaters durch die Organisation und Vermittlung von Ausstellungen in den USA sowie in Europa einsetzt (s. u. a. Fred Stein. Modern Times, Dresden, SKD, 28.03.2018–25.06.2018; Fred Stein. Dresden – Paris – New York, Sprengel Museum Hannover, 23.10.2019–26.01.2020).